Erinnerung an schwere Zeiten

Die zerstörte Zusambrücke in Wertingen mit Blick in die Hauptstraße. Foto: Stadtarchiv Wertingen/Johann Zolleis
 
Beim Luftangriff amerikanischer Jagdbomber gab es zahlreiche Zerstörungen in der Wertinger Innenstadt. Foto: Stadtarchiv Wertingen/Johann Zolleis

Historische Foto-Zeugnisse lassen im Rathaus das Kriegsende 1945 in Wertingen aufleben. Es brachte der Stadt Zerstörungen und Todesopfer.

Bis April 1945 war die Stadt Wertingen von unmittelbaren Kriegseinwirkungen weitgehend verschont geblieben. Die alliierten Bombenangriffe trafen in erster Linie die Industriestädte und Verkehrsknotenpunkte.

Doch in der Nacht zum 25. April erschütterte die Stadt heftiges Geschützfeuer. Kurz darauf war die Nazi-Diktatur beendet. Den 70. Jahrestag des Kriegsendes nehmen Heimatmuseum und Stadtarchiv zum Anlass, in einer gemeinsamen Ausstellung an die damaligen dramatischen Ereignisse zu erinnern. Eröffnung der Präsentation ist am Sonntag, 8. November, um 11.15 Uhr im Festsaal des Schlosses.

Neben den Geschützen ertönte am 25. April 1945 immer wieder das Geknatter der Maschinengewehre. Zwölf deutsche Soldaten fanden bei den Kämpfen den Tod. Vier weitere Uniformierte kamen mit schweren Verletzungen in das nahe gelegene Krankenhaus an der Dillinger Straße, starben jedoch in den darauf folgenden Tagen. Gegen elf Uhr sprengten deutsche Wehrmachtsangehörige die Zusam-Kanalbrücke. Sie leisteten in der Stadt den letzten Widerstand.

Doch die gesprengten Brücken und mühsam errichteten Panzersperren bildeten für die Einheiten des amerikanischen 15th Infantry Regiments kein großes Hindernis. Um die Mittagszeit hatten die Amerikaner bereits einen vorgeschobenen Gefechtsstand, tags darauf eine zivile Kommandostelle eingerichtet.

Die Nachricht von der Besetzung der Stadt quittierten die Bürger mit großer Freude und Erleichterung. Zur gleichen Zeit ging in Berlin im Straßenkampf unter.

Zwischen Trauer und Hoffnung


Kampfhandlungen und Gefechte, gefallene Soldaten, Opfer unter der Zivilbevölkerung. Luftangriff, zerstörte Gebäude, Einmarsch der Amerikaner, Beendigung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft , amerikanische Militärregierung – das Jahr 1945 gehöre ohne Zweifel zu den einschneidendsten Zäsuren der Wertinger Stadtgeschichte, so Bürgermeister Willy Lehmeier, Museumsreferent Cornelius Brandelik und Stadtarchivar Dr. Johannes Mordstein unisono.

Das „1000-jährige Reich“ versank in einem Meer aus Asche, Blut und Tränen. Als am 8. Mai in Deutschland die Waffen endlich schwiegen, waren mehr als 60 Millionen Menschen tot. Enttäuschung, Trauer und Resignation bestimmten die Gefühlslagen 1945 ebenso wie Optimismus und weitgespannte Hoffnung auf eine bessere Zeit – nicht anders in Wertingen.

In den folgenden vier Jahren unterstanden Stadt und Landkreis der US-Militärregierung. Erstes Ziel der Besatzungsmacht nach der Kapitulation war, im besetzten Gebiet den zusammengebrochenen Verwaltungsapparat wieder aufzubauen und in Gang zu setzen. Nach und nach entwickelte sich das politische und demokratische Leben, begleitet von Ernährungs- und Versorgungsengpässen, Unternehmensdemontagen, Entnazifizierung und Währungsreform. Am 14. August 1949 schließlich wählte die Bevölkerung die Abgeordneten zum Deutschen Bundestag.

Fotos unter Lebensgefahr


Zum 70. Jahrestag erinnern nun das Heimatmuseum und Stadtarchiv an das Kriegsende. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Fotos von Johann Zolleis. Der Wertinger Fotografenmeisters hatte mit seiner Kamera eindrucksvoll die unmittelbare Nachkriegszeit in Wertingen dokumentiert – nicht selten unter Lebensgefahr.

Die Bilder seien ein herausragendes historisches Zeugnis von überregionaler Bedeutung, urteilt Stadtarchivar Johannes Mordstein. Denn eigentlich war das Fotografieren jener Zeit streng verboten. Nur wenige Städte in Deutschland verfügen deshalb über vergleichbare Fotodokumentationen.

Die Ausstellung ist bis einschließlich Sonntag, 22. November, im Rathaus zu sehen. Die Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag von 8 bis 17 Uhr, Freitag von 8 bis sowie12 Uhr Sonntag von 11 bis15 Uhr. Der Eintritt ist frei. (spr)
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