Beschalltes Wohnen entlang der A8

Von der Streitheimer Kornbergstraße in Richtung Adelsrieder Brücke ist die A 8 gut zu sehen. Der Schall gehe an dieser Stelle direkt über den Wall. Foto: privat

Seit dem Ausbau der A8 beschweren sich Anwohner an einigen Streckenabschnitten über mehr Lärm. Bei der Autobahndirektion stoßen sie bisher jedoch auf taube Ohren.

Streitheim, mitten im westlichen Landkreis Augsburg gelegen, ist eigentlich ein ruhiges Örtchen. Doch wer in der Nähe des Sportplatzes wohnt, wird von ständigem Rauschen begleitet. Manchmal kracht es auch regelrecht. Dann nämlich, wenn ein Zwölf-Tonner über die neue Autobahn brettert.

Lärm sind die Anwohner entlang der A8 gewohnt, doch seit dem Ausbau sei es an einigen Stellen deutlich lauter als zuvor. "Wir verstehen das nicht", sagt Stefan Vogg. Er ist dritter Bürgermeister der Gemeinde Zusmarshausen und wohnt in deren Ortsteil Streitheim. Dort gebe es vor allem zwei Brennpunkte: Im Westen des Ortes wird eine Lärmschutzwand abrupt von zwei auf einen Meter heruntergestuft und im Osten endet der Wall nach dem letzten Haus plötzlich komplett. Dadurch werde auf beiden Seiten eine Schneise freigelassen. Durch Absenkung der Wand und durch Abholzung von Wald, kritisiert Vogg, sei "regelrecht ein Lärmfenster" geschaffen worden, das nach Streitheim hineinstrahle.

Adelsried will Gutachten zum A8-Lärm erstellen lassen
Ein paar Kilometer weiter in Richtung Augsburg kennt man dieses Problem nur allzu gut. Auch in Adelsried dringt der Lärm von der A8 in den Ort hin-ein. Die Wand sei zu kurz, der Fahrbahnbelag zu laut, erklärt die dortige Bürgermeisterin Erna Stegherr-Haußmann. Im Osten von Adelsried habe sich der Geräuschpegel nach dem Ausbau erhöht. Ein fehlendes Tempolimit führe ebenso zu mehr Krach. Als außenstehender Betrachter könne man auch den Eindruck haben, dass die Autobahn höher sei als gedacht, formuliert die Bürgermeisterin vorsichtig. "Warum hat man die Kuppen nicht einfach weiter abgetragen?" Die Gemeinde zieht nun in Betracht, ein Gutachten erstellen zu lassen.

Die Streitheimer A8-Anrainer haben bereits zahlreiche eigene Messungen

vorgenommen. Sie kommen auf Werte zwischen 64 bis 68 Dezibel. Die gesetzlichen Grenzwerte betragen in Wohngebieten 59 Dezibel bei Tag. Nachts sind maximal 49 Dezibel erlaubt. In Mischgebieten liegen die Werte bei 64 und 54 Dezibel. Die Anwohner ärgert, dass von Seiten der Behörden von Durchschnittswerten ausgegangen wird. Der Lärm variiere jedoch. Das Problem seien die Spitzenwerte, erklärt Stefan Vogg.

Bei der zuständigen Autobahndirektion Südbayern stößt er jedoch auf taube Ohren. Die Behörde hatte vor Baubeginn umfangreiche Berechnungen durchgeführt, um herauszufinden, wie hoch die Lärmbelastung durch die neue A8 voraussichtlich sein werde. Auch jetzt verweist die Autobahndirektion auf ihre ursprünglichen Messungen; räumt aber ein, dass es "an einer Reihe von Wohngebäuden zu Überschreitungen der Grenzwerte für die Nachtzeit" komme, so Paul Lichtenwald, Präsident der Autobahndirektion Südbayern, in einem Antwortschreiben an Marktgemeinderat Vogg. Grund zu handeln sehe man aber nicht, weil "für einen aktiven Lärmschutz aller Wohngebäude in Streitheim eine gegenüber den inzwischen realisierten Lärmschutzanlagen erhebliche Maßnahmenausweitung notwendig wäre. Der Aufwand für diese zusätzlichen Maßnahmen steht jedoch in keinem Verhältnis zum erreichbaren Schutz."

A8-Anwohner: "Auf Gedeih und Verderb ausgeliefert"

Stefan Vogg will sich mit dieser Antwort nicht zufrieden geben. "Wir wollen Verbesserungen haben. Schließlich müssen wir noch sehr lange mit der neuen Autobahn leben." Die Autobahndirektion versteife sich auf das Planfeststellungsverfahren. "Der Bürger ist auf Gedeih und Verderb ausgeliefert." Er kritisiert vor allem, dass die Behörde keine aktuellen Messungen vorgenommen habe und von den vor dem Ausbau kalkulierten Werten ausgehe. "Man weiß gar nicht, wie sich beispielsweise der neue Belag auswirkt."

Helfen soll nun die große Politik. Kürzlich war SPD-Landtagsabgeordneter Herbert Woerlein zum Ortstermin in Streitheim, mit der CSU-Politikerin Carolina Trautner und dem Bundestagsmitglied Hansjörg Durz ist Vogg in Kontakt. Konkret fordern er und seine Streitheimer Mitstreiter eine Verlängerung des Lärmschutzwalls im Osten und Westen sowie keine Höhenabstufung der Wand. "Wir lassen uns nicht entmutigen. Der Ausbau hat so viele Milliarden gekostet, da müsste das doch noch drin sein."
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