Im Wald Marihuana gezüchtet

19-Jähriger zieht Gras und bewahrt die gut 140 Gramm in Muttis Einweckglas. Symbolbild: © sarra22 / 123rf.de

19-Jähriger zieht Gras und bewahrt die gut 140 Gramm in Muttis Einweckglas.

Der Jugendgerichtshelfer hält den 19-Jährigen für intelligent. Alle Chancen stünden ihm offen, wenn er die FOS zu Ende mache, erklärte der Experte. Doch vergangene Woche hatte sich der junge Mann vor dem Schöffengericht in Aichach zu verantworten. Er hatte im Wald Marihuana gezüchtet und die nicht unerhebliche Ernte, gut 140 Gramm, in Muttis Einmachgläsern aufbewahrt. Außerdem verkaufte er zweimal je drei Gramm an einen Bekannten.

„Eigentlich war das Gras für meinen Konsum gedacht“, berichtete der Schüler freimütig. Nicht täglich, aber „konstant, vor allem am Wochenende“, habe er gekifft, seit er 14 war. Aus zwei Samen habe er den Stoff im Wald selbst gezogen. Die Polizei hatte angesichts der diversen, mit Marihuana gefüllten Einmachgläser in seinem Zimmer festgestellt, das sehe so aus, als habe er Portionen für Abnehmer abgefüllt.

„Man kann Cannabis nicht gleich nach der Ernte rauchen, es muss gewisse Prozesse der Reifung durchlaufen“, erklärte hingegen der Angeklagte, er habe nicht im großen Stil gedealt. Wie lange er denn damit ausgekommen wäre, wollte Richter Axel Hellriegel wissen. „Vielleicht ein halbes Jahr?“, schätzte der Angeklagte zunächst. „Das wären bei 26 Wochen also rund sechs Gramm pro Woche – das sind entweder sehr dicke oder sehr viele Joints“, rechnete Hellriegel nach. „Ich habe nicht an einen bestimmten Zeitraum gedacht. So lange es reicht, reicht es eben“, antwortete der 19-Jährige.

Sein Zentralregister wies bislang nur eine Eintragung auf. 2012 hatte man ihn mit Cannabis erwischt und ihm 24 Hilfsstunden aufgegeben. Er gab zu, zwischendurch auch Ecstasy und Amphetamine ausprobiert zu haben. „Aber das war nichts. Cannabis war mein einziges Laster.“ Er sei entschlossen, davon los zu kommen, da er erkannt habe, dass er, seit er kiffe, schulisch „komplett abgedriftet“ sei. „Ich hatte eigentlich Ziele, ich wollte das Abi am Gymnasium machen und Psychologie studieren...“ Die Jugendgerichtshilfe empfahl eine Therapie.

Da dem 19-Jährigen nicht nachgewiesen werden konnte, dass er mit größeren Mengen dealte, blieb es beim Vorwurf des Drogenbesitzes und einfachen Handels. So verurteilte ihn das Schöffengericht zu 96 Stunden Hilfsdienst. Zudem muss er fünf Gespräche bei der Drogenhilfe führen und mittels kurzfristig von Richter Axel Hellriegel angeordneter Urinproben nachweisen, dass er clean ist.

Staatsanwalt Thomas Kolbe hatte eine achtmonatige Jugendstrafe, ausgesetzt zur Bewährung, gefordert, sowie 64 Arbeitsstunden. Verteidiger Werner Ruisinger hatte versprochen, sein Mandant werde „sein Verhalten künftig anpassen.“

von mg
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