66 Millionen Euro Strafe?

Der Wertinger Dachziegelhersteller Creaton klagt in Düsseldorf gegen die vom Bundeskartellamt verhängte Geldbuße. Die Verhandlung wird am 29. Mai fortgesetzt.

Muss der örtliche Dachziegelhersteller Creaton die vom Bundeskartellamt verhängte Geldstrafe in Höhe von rund 66 Millionen Euro bezahlen? Darum geht es letztendlich im derzeitigen Verfahren vor dem Oberlandesgericht in Düsseldorf.

Das Bundeskartellamt hatte Ende 2008 gegen mehrere Herstellern von Dachziegeln und Personen erhebliche Geldbußen verhängt. Grund dafür war laut Bundeskartellamt die "Beteiligung an wettbewerbsbeschränkten Absprachen bei Tondachziegeln". Die Beteiligten hatten 2006 vereinbart, die Preise durch Erhebung eines sogenannten "Energiekostenzuschlages" um mehrere Prozentpunkte im einstelligen Bereich zu erhöhen.

Auf Creaton entfiel wegen illegaler Preisabsprachen eine Geldstrafe von rund 66 Millionen Euro. Vorstandsvorsitzender war damals Alfons Hörmann, dem heutigen Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB). Das Unternehmen erhob fristgerecht Einspruch gegen die Geldstrafe. Der Dachziegelhersteller argumentierte den damaligen Preisanstieg mit den gestiegenen Kosten auf dem Energiesektor.

Ex-Creaton-Chef zahlt


Der ehemalige Creaton-Chef Alfons Hörmann, der Ende 2010 das Unternehmen verließ, ist bei dem jetzigen Prozess vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht allerdings nicht dabei. Kurz vor Beginn des Kartellverfahrens hatte er den gegen ihn verhängten Bußgeldbescheid in Höhe von150 000 Euro plus erheblicher Zinsen akzeptiert (wir berichteten).

Die Creaton Aktiengesellschaft mit ihrem Hauptsitz in Wertingen hat ihren Ursprung im Jahr 1884. Damals gründete Alois Berchtold in der Zusam-stadt eine für damalige Maßstäbe hochmoderne Ziegelei. Schon bald etablierte er sich als Qualitätshersteller von Pfannenziegel.

1934 hob Anton Ott in Autenried bei Ulm ein Ziegelwerk aus der Taufe. Nach dem Kriegsende spezialisierte sich die Firma auf die Fertigung von Biberschwanzziegel. 1992 schlossen sich beide Unternehmen - die bereits vor Jahrzehnten eine Kooperation eingegangen waren - zur Creaton Berchtold & Ott GmbH zusammen. Drei Jahre später wurde der Betrieb in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und an der Börse notiert.

Im Mai 2007 erhielt das Wertinger Werk nach einer verheerenden Brandkatastrophe mit einer Gesamtinvestitionssumme von 26 Millionen Euro eine komplette Sanierung und wurde damit zu einem der modernsten Tondachziegelstandorte in Europa ausgebaut.

Heute verfügt die Creaton AG über zehn Standorte mit 17 Werken. Dort sind insgesamt rund 1000 Mitarbeiter beschäftigt.

Mehrheitsaktionär ist seit 2005 die belgische Baustoffgruppe Etex. Sie hat mittlerweile die klare Tondachziegel-Markführerschaft in Deutschland.

Prozess wird fortgesetzt


Die Verhandlung im Kartellverfahren Creaton hat bislang noch zu keinem Ergebnis geführt. Der Prozess wird am Freitag, 29. Mai, fortgesetzt.
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