Barrierefreies Wohnen - Möglichkeiten im Überblick

Ein barrierefreies Badezimmer bietet genug Platz für einen Rollstuhl und weist keinerlei Abstufungen auf. Auch der Duschbereich ist ebenerdig. (Foto: © Lanz-Andy (CC0-Lizenz) / pixabay.com)
 
Ein Treppenlift kann dabei helfen, auch später noch Höhendifferenzen im Haus zu überwinden. Ein großer Schritt Richtung Barrierefreiheit. (Foto: © ursula55 (CC0-Lizenz) / pixabay.com)
Fit bis ins hohe Alter – diesen Wunsch hat wahrscheinlich fast jeder Bundesbürger. Was diesen Anspruch untermauert, ist die seit Jahren stetig steigende Lebenserwartung. So gibt das Statistische Bundesamt für Neugeborene aus dem Jahr 2015 bei den Frauen eine durchschnittliche Lebenserwartung von 83,06 Jahren an. Zum Vergleich: Für 2006 lag die Lebenserwartung noch bei 82,40 Jahren. Fakt ist, dass Deutsche eine immer höhere Lebenszeit erreichen. Auf der einen Seite positiv, hat diese Entwicklung aber auch ganz besondere Konsequenzen. Zur Herausforderung wird die Demografie beispielsweise im Zusammenhang mit den Sozialkassen.

Aber auch die Mobilität zu Hause stellt das hohe Alter vor Herausforderungen. War es mit 30 überhaupt kein Problem, die Treppe in den 4. Stock zu nehmen, fällt dies mit 60 schon schwerer. Mit 85 oder 90 Lebensjahren ist das Ganze ein Kraftakt. Barrierefreies Wohnen wird wichtiger – für Vermieter wie auch im selbstgenutzten Wohneigentum. Bleibt natürlich die Frage, wie sich Barrierefreiheit in den eigenen vier Wänden umsetzen lässt. Und wer die Maßnahmen am Ende bezahlt.

Ein barrierefreies Bad - so geht's

Barrierefreiheit im baulichen Kontext bedeutet, dass Menschen mit Beeinträchtigung alle Komponenten einer Immobilie ohne Einschränkung nutzen können. Diese Definition zeigt zwei wesentliche Herausforderungen. Einmal steht Barrierefreiheit vor dem Problem, dass die Art und Weise der körperlichen Beeinträchtigung oft nicht klar definiert ist. Auf der anderen Seite spielt der Zeitfaktor eine Rolle.

Deutlich wird dies unter anderem im Badezimmer. Als Ort der täglichen Hygiene und Körperpflege verbringt jeder Deutsche pro Woche im Bad mehrere Stunden. Zu den Aspekten, über die sich Gesunde meist keine Gedanken machen, gehören:

- Türschwelle
- Einstieg in die Badewanne
- Einstieg in die Duschkabine
- Bewegungsfläche im Badezimmer.

Zudem müssen einzelne Komponenten – wie etwa Waschbecken/Waschtisch – besonderen Anforderungen genügen. In zu niedrig angebrachter Waschtisch wird beispielsweise für den Rollstuhlfahrer zu einem echten Problem.

- Badewanne/Duschkabine: Um barrierefrei zu sein, muss der Einstieg angepasst werden. Eine bodengleiche Dusche lässt sich hier noch problemlos verwirklichen. Badewannen mit seitlichem Einstieg sind bereits eine etwas größere Herausforderung. Darüber hinaus muss für Barrierefreiheit ein gewisses Raumangebot in Wanne und Dusche zur Verfügung stehen.

- Bewegungsfläche: Dieser Aspekt ist wahrscheinlich am schwierigsten umzusetzen. Ein barrierefreies Badezimmer muss – sofern es der DIN-Norm entsprechen soll – ein gewisses Raumangebot zur Verfügung stellen. Personen mit Einschränkungen (zum Beispiel Rollstuhlfahrer) brauchen einfach mehr Platz.

- Armaturen und Co.: Hier geht es um Waschtisch, Toilette oder Badspiegel, die den besonderen Gegebenheiten anzupassen sind.

Generell ist Barrierefreiheit ein nicht immer einfach zu fassendes Thema, da hier auch sehr individuelle Aspekte – etwa aus bautechnischer Sicht – eine Rolle spielen.

Treppen vermeiden - in Häusern helfen Treppenlifte

In Verbindung mit Barrierefreiheit sind Treppen eine Herausforderung. Gerade bei einer deutlichen Einschränkung der Mobilität werden sie für Betroffene zu einem teils unüberwindlichen Hindernis. Das Problem: Treppen lassen sich in Immobilien nur selten vermeiden. In Mehrfamilienhäusern wird es generell unmöglich sein, auf diese zu verzichten. Und auch in mehrgeschossigen Einfamilienhäusern sind Treppen unvermeidlich.

Bleibt nur eine Lösung: Die Treppen müssen auf das Konzept der Barrierefreiheit konsequent ausgerichtet werden. Wie sieht das Ganze in der Praxis aus?

Generell setzt eine barrierefrei gestaltete Treppe an mehreren Punkten an, und zwar:

- Treppenbreite
- Stufenhöhe und Tiefe
- Markierung der Stufenvorderkante
- Handläufe (beidseitig, über das Treppenende fortlaufend)
- Ergonomie des Handlaufs.

Ein weiterer Ansatz für barrierefreie Treppen ist die Installation eines Treppenlifts. In der Bautechnik als Treppenschrägaufzug bezeichnet, überwindet dieser heute nicht nur gerade Treppen, sondern kann auch als Kurventreppenlift umgesetzt werden. Je nach Situation lassen sich Treppenlifte als:

- Plattformlift
- Hängelift
- Sitzlift
ausführen.

Barrierefreiheit im Eingangsbereich

Der Eingangsbereich ins Haus gehört ebenfalls zu den wichtigen Aspekten, die beim Thema Barrierefreiheit sehr oft umgesetzt werden müssen. Moderne Einfamilienhäuser werden mit einer etwas erhöhten Hauseingangstür erstellt, die über einen kurzen Treppenaufgang erreicht wird.

Diese Tatsache widerspricht natürlich dem Konzept der Barrierefreiheit. Der Eingangsbereich sollte im Idealfall ebenerdig ausgeführt und der Türöffner auch für einen Rollstuhlfahrer erreichbar sein. Des Weiteren ist die Türbreite ein Aspekt, der hier dazu gehört. Schwellenlos und mit einer Mindestbreite von 90 Zentimetern angelegt, gilt die Eingangstür als barrierefrei.

Weitere Maßnahmen: Vom Keller bis zum Dach

Barrierefreies Wohnen erstreckt sich nicht nur über Eingang, Treppe oder Bad. Alle Lebensbereiche werden in der Praxis von diesem Wohnkonzept erfasst. Es geht in letzter Konsequenz darum, ein hohes Maß Selbständigkeit zu bewahren – trotz der Beschränkungen.

Daher muss in den Maßnahmenkatalog auch:

- das Wohnzimmer
- die Küche
- die Diele
- das Schlafzimmer.

aufgenommen werden. Im Vordergrund steht die Zugänglichkeit der Wohnbereich – durch entsprechende Durchgangsbreiten der Türen und der Rückbau von Schwellen. Aber auch die einzelnen Raumelemente müssen nutzbar sein, wie Küchengeräte oder das Bett.

Welche Form die Barrierefreiheit hier technisch und baulich annimmt, hängt sehr stark von der persönlichen Situation des Einzelnen ab. Rollstuhlfahrer stehen vor anderen Herausforderungen in Bezug auf die Mobilität als zum Beispiel Menschen, die an Arthrose schwer erkranken. Tipp: Im Vorfeld zahlt es sich aus, Rat bei Profis zu suchen und nach Finanzierungsquellen zu suchen. Je nach Situation kann eine Förderung oder ein Zuschuss von Versicherungen für den barrierefreien Ausbau in Frage kommen.

Fazit: Barrierefreiheit hat sehr viele Gesichter

Die Gesellschaft in Deutschland und allen anderen Industriestaaten wird zunehmend älter. Eine Erkenntnis, an der heute kein Weg mehr dran vorbeiführt. Aus Sicht eines Eigenheimbesitzers stellt die hohe Lebenserwartung eine Herausforderung dar. Wer lange in den eigenen vier Wänden – auch mit eingeschränkter Mobilität – wohnen will, muss heute bereits an die Barrierefreiheit denken. Für Laien abstrakt, verstecken sich dahinter sehr konkrete Maßnahmen, welche die Selbständigkeit bis ins hohe Alter fördern. Die Umsetzung ist allerdings oft nicht so einfach. Gerade in Immobilien aus dem Bestand geht barrierefreies Wohnen oft mit umfassenden Baumaßnahmen einher – die am Ende auch Geld kosten.
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