Energetische Sanierung, ganz smart: Mehr Energieeffizienz durch ein intelligentes Zuhause

Für Neubauten wurden die Vorgaben zur Energieeffizienz zum Jahresbeginn deutlich angehoben, aber gerade bei älteren Immobilien besteht in dieser Hinsicht Handlungsbedarf. (Foto: fotolia.com © Ingo Bartussek)
 
Heizanlagen sollten nicht nur regelmäßigen Abständen gewartet werden, sie sollten nach einer gewissen Anzahl von Betriebsjahren wegen der nachlassenden Leistung auch ausgetauscht werden. (Foto: fotolia.com © Minerva Studio)
 
Beleuchtung in Verbindung mit Bewegungsmeldern minimieren das Risiko von Stürzen auf Treppen – besonders für ältere Menschen bedeutet das einen Gefahrenherd weniger im Haushalt. (Foto: fotolia.com © ventura)

Eine der Maßnahmen, mit denen die Energiewende in Deutschland geschafft werden soll, betrifft die stets geforderte bessere Energieeffizienz des bundesweiten Gebäudebestands. Damit die politischen Ziele erreicht werden können, hat unlängst die aktuelle Novelle der Energieeinsparverordnung (EnEV) deutlich höhere Vorgaben für Neubauten mit sich gebracht. Daneben bleibt aber ein sehr viel größerer Anteil von Bestandsgebäuden, die teilweise einer umfassenden energetischen Sanierung bedürften.

Hilfe für die energetische Sanierung

Hilfestellungen gab und gibt es hierzu von unterschiedlichen Seiten: Die Stadt Gersthofen und die Regionale Energieagentur Augsburg haben beispielsweise zu Beginn des Jahres gemeinschaftlich einen kostenlosen Energiecheck angeboten. Die bayerische Staatsregierung selbst hat bereits im Sommer vergangenen Jahres das 10.000-Häuser-Energieprogrammbeschlossen. Innerhalb von drei Jahren sollen insgesamt 90 Millionen Euro bereitgestellt werden, damit vor allem Bestandsimmobilien an die energetischen Vorgaben angepasst werden können.
Abhängig davon, welche Maßnahmen in den eigenen vier Wänden umgesetzt werden, kann der Förderbetrag bei bis zu 18.000 Euro liegen. Die finanzielle Unterstützung gründet dabei auf zwei Säulen: Zum einen wird ein Technik-Bonus von bis zu 9.000 Euro für moderne Heiz- und Speichersysteme – also Wärmepumpen, Kraft-Wärme-Kopplung, netzdienliche Photovoltaik, Solarwärmespeicherung oder eine Holzheizung – gewährt, zum anderen können weitergehende Maßnahmen, wie etwa eine Verbesserung der Gebäudedämmung, mit zusätzlichen 9.000 Euro durch den Energie-Effizienz-Bonus belohnt werden.

Verpflichtung zum Nachrüsten und Sanieren

In gewisser Weise kann das Energieprogramm, spätestens wenn es von der Bundesebene aus betrachtet wird, kaum mehr als ein Anstoßversuch sein. Der Sanierungsbedarf liegt selbstverständlich schon in Bayern sehr viel höher als bei den angestrebten 10.000 Häusern und die bestehenden Austausch- und Nachrüstpflichten erfordern letztlich auch eine gewisse Eigeninitiative. Schließlich kommen die vorgenommenen Erneuerungen nicht nur der Energiepolitik der Bundesregierung zugute, sondern langfristig eben auch den Privatleuten selbst – durch Einsparungen bei den Strom- und Heizkosten etwa.

Daher sind Sanierungen selbst in solchen Ein- und Zweifamilienhäusern sinnvoll, die eigentlich von den Nachrüstverpflichtungen ausgenommen sind (weil sie bereits seit Anfang 2002 vom Eigentümer selbst bewohnt werden). Sinnvoll deshalb, weil zum Beispiel Heizkessel ab einem gewissen Alter spürbar weniger Leistung erbringen und dadurch unnötige Mehrkosten verursachen. Insofern erscheint die seit letztem Jahr geltende Austauschpflicht für Kessel, die älter als 30 Jahre sind, absolut angemessen. Wahrgenommen wird diese Verpflichtung jedoch immer noch zu selten.

Was die Gebäudedämmung anbelangt, so ist der einst vorherrschende Boom – der sich oft genug aber auf die Verkleidung der Außenfassaden mit Polystyrol-Platten beschränkte – inzwischen auch wieder abgeebbt. Die dahingehenden Vorgaben bestehen aber immer noch und sehen beispielsweise das Dämmen von Heizungs- und Warmwasserrohren in unbeheizten Räumen vor, sowie von Geschossdecken zu unbeheizten Dachräumen.

Vom energieeffizienten Heim zum Smart Home

Den Sanierungsmaßnahmen sind, allem technischen Fortschritt zum Trotz, natürlich gewisse Grenzen gesetzt. Wenn alle Wände, Decken, Fenster und Türen bestmöglich gedämmt und die Möglichkeiten der Energiegewinnung und Selbstversorgung vorerst ausgeschöpft sind, müssen andere Lösungen her. Neben der verbesserten Wärmedämmung und der effizienteren Haustechnik bleibt als dritte Option noch der Versuch, den Anlagenbetrieb zu optimieren.
Das ist für Neubauten beispielsweise in den Förderprogrammen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) inzwischen explizit schon vorgesehen, zumindest hinsichtlich der Visualisierung von Stromerzeugung und Stromverbrauch. Wer die Förderung für ein Energieeffizienzhaus 40 Plus nutzen möchte, muss dazu beispielsweise ein entsprechendes Benutzerinterface installieren. Der Trend auf dem Strommarkt wird mittel- bis langfristig ohnehin zunehmend in Richtung Smart Metering gehen, um Energie möglichst ohne Verluste und exakt auf den Bedarf zugeschnitten produzieren und liefern zu können.

Tatsächlich kann mit Smart Home-Lösungen noch deutlich mehr erreicht werden, als über eine Verbrauchsanzeige für Heizung, Wasser und Strom die Einsparpotenziale aufzuzeigen. Die Nebenkosten können durch die individuelle, automatische Regelung von Temperatur und Beleuchtung ganz konkret gesenkt werden. Werden beispielsweise Bewegungs- und Präsenzmelder eingesetzt, spielt es keine Rolle mehr, ob das Ausschalten des Lichts vergessen wurde – das übernimmt die Haussteuerung selbst. Inzwischen sind die Sensoren sogar so weit, dass die Beleuchtung an die Umgebungshelligkeit angepasst wird und daher solange aus bleibt, wie noch ausreichend Tageslicht zur Verfügung steht. Das Einsparpotenzial liegt hier bei 25 Prozent der sonst anfallenden Stromkosten.

Energieeffizienz plus Wohnkomfort bis ins hohe Alter

Smart Home-Lösungen haben zudem den großen Vorteil, ganz nach den persönlichen Wünschen der Bewohner ausgerichtet werden zu können. Praktischerweise weisen die Bereiche Energieeffizienz, Sicherheit und Wohnkomfort dabei vielfache Überschneidungen auf. Um noch einmal auf das Beispiel der automatisierten Beleuchtung zurückzukommen: Richtig angebrachte Bewegungsmelder machen die Suche nach einem Lichtschalter und das vorsichtige Umhertasten im Dunkeln überflüssig – und reduzieren damit die Gefahr von Stürzen.

Mehr Komfort bedeutet in diesem Fall gleichzeitig auch mehr Sicherheit, was insbesondere für ältere Menschen eine Erleichterung darstellt, die möglichst lange in ihrer gewohnten Umgebung leben möchten. Entsprechende Umbaumaßnahmen für ein altersgerechtes Wohnen werden im Übrigen durch verschiedene Produkte der KfW gefördert, zum einen durch den Kredit 159 und zum anderen durch den Investitionsvorschuss 455. In die Förderung eingeschlossen sind dabei Einzelmaßnahmen zum Einbruchschutz und zur Barrierereduzierung. Hierzu gehört unter anderem die Anpassung von

• Wegen zu Gebäuden und des Wohnumfelds (zum Beispiel durch altersgerechte Kfz-Stellplätze oder Stellplätzen für Rollatoren und Rollstühle),
• Eingangsbereichen und Wohnungszugängen (zum Beispiel durch größere Bewegungsflächen),
• Treppen und Stufen (zum Beispiel durch Rampen oder Aufzuganlagen),
• Raumaufteilung und bestehenden Schwellen (zum Beispiel durch neue Innentüren),
• Badezimmern (zum Beispiel durch ebenerdige Duschplätze),
• Mitteln der Sicherheit, Orientierung und Kommunikation.

Der letzte Punkt kann, wie auch der Einbruchschutz, mit den Funktionen eines intelligenten Zuhauses umgesetzt werden. Denkbar sind etwa altersgerechte Assistenzsysteme, die bei der Bedienung von Türen, Rollläden, Fenstern, Beleuchtung und Heizung helfen. Die müssen allerdings einige technische Mindestanforderungen erfüllen, wozu eine großflächige Bemessung der Steuerelemente gehört. Die finanzielle Unterstützung hierfür ist altersunabhängig und kann schon vor dem Erreichen des Rentenalters in Anspruch genommen werden. Damit stehen die Vorteile des Smart Home hinsichtlich Energieeffizienz, Komfort und Sicherheit schon frühzeitig zur Verfügung und können bis ins hohe Alter genutzt werden.
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