Es geht um viel Geld

Beim Fall des Neusässer Freizeit- und Erlebnisbads handelte es sich um eine verfahrene Situation, bei der es um viel Geld ging. Am vergangenen Donnerstag trafen sich die Betreibergesellschaft der Titania-Therme und die Stadt Neusäß nach langen Querelen vor Gericht.

Im Februar dieses Jahres reichten die Stadt Neusäß und die für das Neusässer Bad zuständige Sportstätten GmbH eine Räumungs- und Zahlungsklage beim Landgericht ein, da der Betreiber des Bades, die Starwaters Deyle Group, seit Sommer 2012 keine Pacht mehr gezahlt hatte und auch nicht auf die fristlose Kündigung reagiert hatte.

Der Betreiber des Titania-Bads Uwe Deyle sah keinen Anlass den Forderungen der Stadt Neusäß nachzukommen. Er führte an, dass der Grund für den Legionellenbefall des Bades, der im vergangenen September zu einer siebenwöchigen Schließung führte, eine Leitung im Hause gewesen wäre, welche falsch gebaut worden wäre. Der entstandene Schaden aus Einnahmeverlusten durch die notwendig gewordene Schließung sowie Kosten durch Umbaumaßnahmen übersteige wesentlich die Forderungen der Stadt Neusäß, argumentierte Deyle.

Jetzt beschäftigte sich das Landgericht unter Vorsitz von Richterin Iris Gross mit der Geldforderung. Der Streitwert war auf die letzten beiden Raten des Jahres 2012 in Höhe von 200 000 Euro angesetzt. Im Juli sollte die Räumungsklage behandelt werden. Überraschend einigten sich beim Gerichtstermin vergangene Woche die Stadt Neusäß und die Deyle-Gruppe auf einen Vergleich. Richterin Iris Gross wies die zerstrittenen Parteien darauf hin, dass der Nutzen eines Verfahrens fraglich sei und die Verhandlung zwei Jahre dauern und sehr kostenintensiv werden könne. Allein die geplanten Gutachten würden sich auf 30 000 Euro belaufen. Bis zu einer gerichtlichen Entscheidung sei somit der Pachtvertrag zwischen Deyle und der Stadt Neusäß, der noch bis 2015 wirksam ist, ohnehin ausgelaufen. Zudem würde ein jahrelanges Verfahren Imageschaden für beide Seiten nach sich ziehen und nur von Nachteil sein. Sie sah es als sinnvoll an, im Hinblick auf die große gegenseitige Unzufriedenheit der Parteien, das Vertragsverhältnis schnellstmöglich zu beenden und riet zu einem Kompromiss.

Vereinbart wurde, den Vertrag zum 30. September zu beenden. „Wir befassen uns nur noch mit der Zukunft, damit die Parteien schnell auseinander kommen“, erklärte Richterin Gross. Die Deyle-Gruppe zieht dann aus dem Freizeitbad aus und verzichtet auf ihre Forderungen. Die Stadt Neusäß verzichtet im Gegenzug auf immerhin 400 000 Euro Pacht. Beide Parteien haben bis Ende Juni Zeit gegen den Vergleich Einspruch einzulegen. Alle Verträge und Verpflichtungen gegenüber der Kunden sowie der Mitarbeiter werden weitergeführt. Fest steht, dass die Titania-Therme nach einer Räumung durch die Deyle-Gruppe einige Zeit geschlossen sein wird. „Sicher ist, dass es Sanierungsarbeiten geben wird. Das Bad muss intensiv angeschaut werden und wird so lange geschlossen bleiben, bis es wieder in ordnungsgemäßem Zustand sein wird. Die Zukunft des Bads muss dringend in andere Bahnen gelenkt werden“, war sich der erste Bürgermeister der Stadt Neusäß schon im Februar sicher.
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