Firma Buhl geht: Herber Verlust für Wertingen

Die Unternehmensgruppe Buhl mit rund 100 Mitarbeitern kehrt der Zusamstadt den Rücken. Der Dienstleister wechselt nach Augsburg und investiert dort rund zehn Millionen Euro.

Die Unternehmensgruppe Buhl hat Nägel mit Köpfen gemacht. Sie verlegt ihre Hauptzentrale von der Wertinger Mühlgasse auf das Gelände der ehemaligen Flak-Kaserne in Augsburg. Dort entsteht auf über 4000 Quadratmetern das neue Buhl-Business-Center (BBC). Dafür nehmen die geschäftsführenden Gesellschafter Charlotte und Hermann Buhl rund zehn Millionen Euro in die Hand.

Hintergrund des Wegzugs ist nicht Unzufriedenheit. Vielmehr reicht dem expandierenden Unternehmen der bisherige Platz nicht mehr aus. Der vielseitige Anbieter von Gastronomie-Personallösungen setzt nämlich weiter auf Wachstum.

Hermann Buhl, gelernter Koch, begann seine unternehmerische Laufbahn in Wertingen mit der Eröffnung eines Restaurants. Nach einer Zwischenstation im damals renommierten Gasthaus „Gunzenlee“ in Kissing übernahm er 1986 die Augsburger Kongress-Gastronomie. Zwei Jahre später gründete er zusammen mit seiner Frau Charlotte, die zuletzt knapp ein Jahrzehnt als Studienrätin an bayerischen Gymnasien unterrichtete, die Buhl GmbH. Aus ihr entwickelte sich ab 1990 der Gastronomie-Personal-Service.

Marktführer in der gastronomischen Personaldienstleistung


Heute ist die Unternehmensgruppe mit einem bundesweiten Niederlassungsnetz und über 3 000 Beschäftigten Marktführer in der gastronomischen Personaldienstleistung. In den letzten Jahren hat sie ihr Leistungsportfolio ausgebaut. Hinzu gekommen sind die Geschäftsfelder Personalvermittlung, die Internet-Stellenbörse „Hogapage“, Personaladministration sowie Lohn- und Finanzbuchhaltung für Hotellerie und Gastgewerbe.

Überraschend kommt der Umzug an den Lech allerdings nicht. Mit der Stadt hat es Gespräche darüber gegeben, ob in Wertingen Expansionsmöglichkeiten bestünden. „Die Firma bat uns, zentrumsnah Gewerbeflächen für den Neubau eines Verwaltungsgebäudes und optional für ein Hotel anzubieten“, bestätigt Bürgermeister Willy Lehmeier unserer Zeitung. Die Stadt habe hierauf sofort reagiert und erschlossene Gewerbeflächen angeboten.

Doch diese hätten nicht den Wünschen der Unternehmensgruppe entsprochen und seien abgelehnt worden, so Lehmeier. Für die Firma seien nur innenstadtnahe Flächen in Frage gekommen.

Im August des vergangenen Jahres informierte das Stadtoberhaupt die Firmenleitung darüber, dass die Kommune als einzige noch freie zentrumsnahe Fläche das Areal Alter Turnplatz/Alcrongelände anbieten könne und untersuchen lasse. „Diese Untersuchungen und Planungen habe ich dem Stadtrat in der September-Sitzung empfohlen“ berichtet Lehmeier. Der Stadtrat hatte dem Vorgehen einstimmig zugestimmt und den Bürgermeister ermächtigt, ein Flächenmanagement über die Nutzung der dortigen gesamten Fläche von circa 20 000 Quadratmetern einzuleiten und dabei die Vor- und Nachteile gegenüberzustellen

Insbesondere sollten nach Lehmeiers Worten folgende Nutzungen beleuchtet werden: Verwaltungsgebäude, Hotel- und Gastronomiebetrieb, innerstädtische Rad- und Wegeverbindungen, Zu- und Abfahrten, Schaffung von Parkplätzen/Parkhaus, Grünflächen, zentrumsnahes Wohnen sowie die Ansiedlung und Unterbringung von Kunst- und Kulturaktivitäten. „Die Ergebnisse der Voruntersuchungen laufen und sollten dem Stadtrat und natürlich dem Investor in den nächsten Wochen vorgestellt werden“, so der Bürgermeister.

Doch die Buhl-Gruppe hatte sich zwischenzeitlich aus Zeitgründen entschieden. Spätestens Januar stand das Signal endgültig auf Richtung Augsburg.

Baubeginn für die neue Zentrale in der Nähe des Augsburger Klinikums ist voraussichtlich im Sommer. Dort sollen dann auch rund 200 neue Arbeitsplätze entstehen.
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