Innovation: 3D-Selfie aus dem Drucker

Ein Porträt, nicht als Foto, sondern als Figur: Das bietet ein neugegründetes Unternehmen aus Friedberg. Zum Einsatz kommt eine Technik wie aus einem Science-Fiction-Film.

Ferdinand Küster ist 25 Zentimeter groß. Seine Augen strahlen, der Mund zeigt ein breites Grinsen. Lebendig ist der Winzling nicht, doch die Gesichtszüge der Figur wirken täuschend echt. "Das ist der kleine Ferdinand", sagt der Mann, der sein eigenes Abbild in den Händen hält. Der echte Ferdinand Küster und seine Mitstreiter haben Großes vor: Die Friedberger wollen die Porträtfotografie in die dritte Dimension versetzen.

Das dreidimensionale Selfie möglich macht ein 3D-Drucker. Ein Gerät, das nicht auf Papier druckt, sondern in die Höhe zeichnet, indem es Schicht für Schicht aufeinander setzt. Genutzt werden 3D-Drucker derzeit hauptsächlich in der industriellen Produktion, um Bauelemente in einem Stück zu fertigen. Ferdinand Küster, seine Frau Dorothea Küster sowie Anja und Peter Lütke-Wissing wollen die Technik in den privaten Bereich übertragen. Gemeinsam haben sie vor Kurzem in Friedberg-West, direkt an der Stadtgrenze zu Augsburg, das Unternehmen mein3.de gegründet. Ab dem 15. September kann man dort eine 3D-Figur von sich erstellen lassen.

Vergleichbar sei das Ganze mit der Fotografie, erklärt Anja Lütke-Wissing. Porträts für besondere Anlässe, "als Weihnachtsgeschenk, zur Einschulung, für Hochzeitspaare, das Brautpaar in echt auf der Hochzeitstorte, die Enkel für die Oma, Haustiere und vieles mehr", sagt die Unternehmerin.

Wer gedruckt werden möchte, muss zuerst gescannt werden

Der Weg zur eigenen Figur beginnt bei mein3.de in einem Umkleideraum. Ein großer Spiegel hilft bei der Auswahl der richtigen Kleidung. "Der Scanner braucht Anknüpfungspunkte", erläutert Anja Lütke-Wissing, die auch als Freie Autorin für die StadtZeitung schreibt. Wer gedruckt werden möchte, muss zuerst gescannt werden. Und je bunter dabei die Kleidung, desto stärker werden die Möglichkeiten der Technik ausgeschöpft, die es schafft, jede Kleinteiligkeit detailgenau darzustellen.

3D-Scanner: Eine Beam-Station aus einem Science-Fiction-Film

Beim industriellen 3D-Druck dienen standardisierte Datenpläne als Vorlage. "Wenn Sie aber etwas individuelles drucken wollen", betont Anja Lütke-Wissing, "brauchen Sie einen Scanner". Und dieser wirkt auf den ersten Blick wie die Beam-Station aus einem Science-Fiction-Film.

Den Scanner bildet ein runder Raum, in dem 64 Spiegelreflexkameras hinter weißen Schutzhüllen angebracht sind. "Es wird bei diesem System also nicht per Laser gescannt, sondern mit Kameras", erklärt Ferdinand Küster, der im Team für die technischen Aspekte zuständig ist. Er kommt aus dem Suchmaschinen-Marketing und hatte für einige Zeit seine Geschäftsräume im selben Gebäude, in dem sich auch die Werbeagentur von Peter und Anja Lütke-Wissing befindet. Ferdinand Küster verfolgte die 3D-Technologie von Beginn an und begeisterte auch die Lütke-Wissings für den 3D-Druck. Zuerst war allerdings geplant, klein anzufangen, mit einem Handscanner, erklärt Betriebswirt Küster und demonstriert jenes Gerät, das einem überdimensionalen Hand-Lasergerät von Supermarkt-Kassen ähnelt.

Die perfekte Technologie für eine Viertel Million Euro


Doch dann ging alles ganz schnell. Im Mai bekam Anja Lütke-Wissing einen Anruf von ihrem Mann. Er war mit Ferdinand Küster auf einer Messe in Erfurt und fragte, ob sie bereit sei für ein großes Scanner-System. Die beiden "hatten die perfekte Technologie gefunden." Sie investierten schließlich rund eine Viertel Million Euro.

Ein Handscanner für den Herkulesbrunnen


Den Handscanner möchte das Quartett künftig für "Außentermine" nutzen. Ein erster möglicher Einsatz könnte die Hilfe bei der Reparatur der Figuren am Herkulesbrunnen in der Maxstraße sein. Feiernde Fans hatten während der WM unter anderem den Arm einer Statue abgebrochen. Der 3D-Drucker soll nun eine Gussform erstellen, mit der eine Eins-zu-eins-Kopie des Originals gefertigt werden kann.

Im großen Scanner stellt sich das Model auf einen Sockel in der Mitte. Die 64 Kameras machen 64 Bilder aus 64 verschiedenen Positionen. Gleichzeitig. Einmal den Auslöser drücken reicht. Entscheidend sei, erklärt Ferdinand Küster, dass die Kameras in den richtigen Winkeln positioniert sind.

Nach dem Foto-Scan rechnet das System die Bilder in eine virtuelle 3D-Figur um. Mit einem Grafikprogramm erfolgt die Nachbereitung. Künstler und Grafiker Peter Lütke-Wissing verbessert am Computer kleine Fehler, die beim Scan entstehen können.

Die einzelnen Schichten sind nur 0,1 Millimeter hoch


Die nächste Station ist der Druck-Raum, in dem sich ein im Vergleich zum Scanner recht unscheinbares Gerät befindet. Am Computer wird zunächst das sogenannte Druckbett angelegt. Auf einer Fläche von 22 auf 38 Zentimetern werden mehrere Figuren gleichzeitig gedruckt. Dies übernimmt der Druckkopf, der mehrere tausend Mal über das Druckbett fährt und eine Gips-Kunststoff-Mischung aufträgt. Die einzelnen Schichten, die nur 0,1 Millimeter hoch sind, werden verklebt und direkt gefärbt.

Das Ergebnis nach rund zehn Stunden Druck: Eine Handvoll detailgenauer Figuren in unterschiedlichen Größen. "Die Idealgröße beträgt 25 Zentimeter", erklärt Anja Lütke-Wissing. 449 Euro soll ein solches 3D-Porträt kosten. Figuren mit zehn Zentimetern gibt es für 169 Euro. Passende Vitrinen bietet das Unternehmen gleich mit an. Für größere Figuren arbeitet mein3.de mit dem 3D-Drucker-Hersteller Voxeljet aus Friedberg zusammen, der allerdings keine mehrfarbigen Figuren drucken kann.

In Süddeutschland gibt es bisher keinen vergleichbaren Anbieter, der 3D-Figuren herstellt. Anja Lütke-Wissing hofft daher auf entsprechende Nachfrage - und ist optimistisch: "Wir haben die Vision, dass das 3D-Abbild in Zukunft etwas normales wird, so wie es das Foto heute ist."
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