Keine Inneneinrichtung von der Stange - Designermöbel für die eigenen vier Wände

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Zeitlosigkeit macht beliebt: Viele Designermöbel wirken auch Jahrzehnte nach ihrer Entstehung noch modern. (Foto: fotolia.com © DiMmEr)
 
Einer der populärsten Designklassiker: Der Eames Plastic Side Chair. (Foto: fotolia.com © gemenacom)

Moderne Wohnungseinrichtungen sind schlicht, elegant und funktional. Das hat sich tatsächlich in den letzten Jahrzehnten kaum geändert. Deswegen machen die Designermöbel vergangener Tage auch heute noch eine gute Figur – wenn sie denn gefunden werden.

Minimalistisch bis zum Schluss

Die Ursprünge modernen Designs im Allgemeinen und die Gestaltung von Möbeln im Speziellen lassen sich im Grunde genommen auf eine Handvoll Personen herunterbrechen. Das von Walter Gropius begründete Staatliche Bauhaus in Weimar avancierte in den 1920er Jahren schnell zur Wiege der modernen Architektur und allem, was damit zusammenhängt. Die Wirkung des Bauhauses hallt bis heute nach, denn die immer-aktuelle Funktionalität und Minimalismus erblickten hier sozusagen das Licht der Welt.

Insofern können die Arbeiten von Ludwig Mies van der Rohe, Mart Stam, Marcel Breuer, Charles und Ray Eames und vielen anderen rückblickend nur als richtungsweisend beurteilt werden. Die puristische und oft abstrakte Ästhetik hat nicht nur weiterhin Einfluss auf zeitgenössische Produkt- und Möbeldesigns. Sie hat auch einige Klassiker hervorgebracht, die sich nach wie vor großer Beliebtheit erfreuen.

Vom Industrieprodukt zum Sammlerobjekt

Dabei entsprang die Formensprache gewissermaßen auch einer wirtschaftlichen Notwendigkeit: Die ehemals handwerkliche Fertigung konnte mit den Anforderungen des internationalen Wettbewerbs nicht mehr mithalten. Neue Materialien und rationellere Produktionsprozesse sollten Abhilfe schaffen und führten so zu einer Designsprache, die weltweit Anerkennung und Verbreitung fand. Die Gründe hierfür liegen in der offensichtlichen Zeitlosigkeit der Objekte, die in ihrer Gestaltung reduziert genug sind, um den Geschmack von vielen zu treffen und doch gleichzeitig Raum für Individualität lassen.

Themen also, die sich ebenfalls über mehr als 90 Jahre halten konnten. Die im Bauhaus entworfenen Möbel waren aber keineswegs ausschließlich für den heimischen Bedarf gedacht und Stücke wie die von Christian Dell konzipierte Rondella-Leuchte, die aufgrund ihrer Popularität in den 1930er Jahren den Weg in die Frankfurter Stadtverwaltung sowie Fabriken und Büros in der Umgebung fand, waren in ihrer weiten Verbreitung kein Einzelfall. Durch die Eingriffe der Nationalsozialisten in die moderne Formensprache taugen diese Lampen und viele andere Erzeugnisse aus demselben Entstehungszeitraum als Sammlerobjekt mit dem Potenzial zur Wertsteigerung: Die noch erhaltenen Exemplare, die auf Auktionen greifbar werden, erzielen je nach Ausführung und Zustand leicht hohe vierstellige Summen.

Es stellt sich allerdings in diesem Zusammenhang die Frage, wie Designermöbel der Bauhaus-Epoche überhaupt als mögliche Geldanlage funktionieren sollen.Tatsächlich hängt das von ganz unterschiedlichen Faktoren ab, von denen Fälschungen nur die ärgerlichste sind. Es kann aber auch gut sein, dass eine aktuelle Neuauflage für einen Wertverfall der Originale sorgt. Richtiggehend paradox ist allerdings der Funktionswandel, sobald das Möbel als Wertgegenstand gehandelt wird: In diesem Fall wird es seinem ursprünglichen Zweck oftmals entfremdet und zum bloßen Sammelobjekt gemacht – Benutzung unerwünscht.

Praktisch, schön – und eine Frage des Preises

Für Interessierte und Liebhaber klassischen modernen Designs liegt genau hierin allerdings auch die große Chance auf ein Schnäppchen. Der jahrzehntelange Gebrauch vieler Stücke bleibt selbstverständlich auch bei sorgsamster Pflege und dem behutsamsten Umgang – was den Idealfall darstellt – nicht folgenlos. Originale sind daher mitunter schon für vergleichsweise kleines Geld zu bekommen.
Eine Garantie für solche Glücksfunde gibt es natürlich nicht, gerade wenn wirklich begehrte oder seltene Stücke auf der Wunschliste stehen. Die sind im ungünstigsten Fall gar nicht mehr greifbar oder eben unbezahlbar. Wer bei seiner Einrichtung trotzdem nicht auf die Designerstücke verzichten mag, bei der Suche nach Originalen aber nicht den gewünschten Erfolg hat, dem bleibt immer noch die Möglichkeit, sich nach Alternativen umzusehen. Dabei handelt es sich meist um nicht ganz unproblematische Nachbauten, die optisch sehr nah an ihren Vorgängern orientiert sind – aber eben nur einen Bruchteil der Sammlerstücke kosten.

Problematische Nachbildungen

Prominentes Beispiel für dieses Dilemma ist unter anderem der Eames Plastic Side Chair. Der zeichnet sich durch ein markantes Drahtgeflecht aus und ist in verschiedenen Varianten produziert worden. Obwohl das ursprüngliche Design schon in den 1950er Jahren entwickelt wurde, haben die Stühle nichts von ihrer modernen Wirkung verloren. Deshalb werden nach wie vor Repliken produziert, die eine möglichst exakte Kopie des Originals darstellen.

Ganz einfach ist der rechtliche Umgang mit Nachbildungenallerdings nicht: Das deutsche Urheberrecht verbietet das Herstellen von Kopien solcher Designermöbeln, für geschützte Produkte erlischt es erst 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers. Das wird in anderen europäischen Ländern aber durchaus unterschiedlich gehandhabt, weswegen Repliken auch fast ausschließlich aus dem Ausland zu beziehen sind. Legal ist das allerdings nicht, schon die Einfuhr ist strafbar und fällt unter die „Beihilfe zur gewerbsmäßigen unerlaubten Verwertung urheberrechtlich geschützter Werke“. Der Europäische Gerichtshof hat in dieser Angelegenheit die deutsche Rechtsprechung eindeutig gestützt.

Privatpersonen müssen sich beim Kauf von Repliken daher immer vor Augen halten, dass sie damit im Grunde genommen an einer illegalen Transaktion beteiligt sind. Der Besitz selbst wird derzeit zwar noch nicht belangt, spätestens beim Versuch des Weiterverkaufs wird es rechtlich jedoch mehr als heikel. In Anbetracht der unsicheren juristischen Lage sollten Designinteressierte den Kauf einer Kopie genauestens überdenken – oder besser noch, gleich davon absehen.

Vorabrecherche zum Selbstschutz

Um beim Kauf von Designermöbeln auf der sicheren Seite zu sein, ist eine Vorabrecherche bei den Anbieternunerlässlich. Denn je nach Qualität einer Fälschung sind die Unterschiede zum Original kaum auszumachen, eindeutige Kennzeichnungen wie eine fälschungssichere Seriennummer gibt es gerade bei den Originalstücken nicht. Ein erster Hinweis darauf, dass möglicherweise Replikate vertrieben werden, gibt schon der Sitz des Anbieters. Wie oben beschrieben ist das Urheberrecht außerhalb von Deutschland oftmals weniger scharf formuliert, was die Herstellung von Plagiaten erleichtert.

Noch deutlicher sind direkte Aussagen zu Qualität und Ursprung der angebotenen Produkte auf den betreffenden Shopseiten. Die Argumentation, durch die Kopien klassische Designermöbel für einen breiteren Markt zugänglich machen zu wollen, klingt zwar verlockend, verschweigt aber die eindeutige Rechtslage. Zudem erreichen die Kopien kaum jemals die Qualität der Originale – was schon daran liegt, dass es hierbei in erster Linie ums Geldverdienen geht. Das wollen die lizensierten Hersteller solcher Stücke zwar auch, allerdings verpflichten diese sich meist selbst auf ein langjähriges Qualitätsversprechen. Gutes Design hat eben doch seinen Preis.
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