Made in Germany – Nachweis für hohe Produktqualität?

Das Siegel "Made in Germany" gilt gemeinhin als Zeichen für hohe Produktionsqualität. Vor allem Deutschland wehrt sich daher gegen die geplanten EU-Gesetze, die die Herkunftsbezeichnung von Waren neu regeln sollen. Die Schweiz hingegen verschärft die Bestimmungen zur eigenen Auszeichnung "Swiss made" ab 2017.

"Made in Germany" war ursprünglich als Warnzeichen vorgesehen. Im Jahr 1887 wurde in Großbritannien der Merchandise Marks Act beschlossen – ein Gesetz, laut dem das Herkunftsland auf Waren angegeben werden musste. Großbritannien wollte sich so vor minderwertiger Importware aus Deutschland schützen. Doch im Laufe der Zeit wirkte das Siegel "Made in Germany" immer weniger als Warnzeichen, sondern entwickelte sich vielmehr zum Gütezeichen für hohe Qualität. Das Prädikat "Made in Germany" ist heutzutage als Qualitäts- und Ursprungsbezeichnung für in Deutschland hergestellte Waren und national und international geschützt.

Vorerst keine verpflichtende Herkunftsbezeichnung für europäische Waren

Bisher gibt es noch keine verpflichtende Herkunftsbezeichnung "Made in" für europäische Produkte, und auch im vergangenen Jahr konnten sich die europäischen Staaten der EU nicht auf verbindliche Regeln zur Herkunftsbezeichnung einigen. So sprachen sich 12 Staaten für die Einführung der obligatorischen Herkunftsbezeichnung aus, doch andere, wie auch Deutschland, sind dagegen. Denn bisher entscheidet der Hersteller selbst, ob er sein Produkt mit dem Siegel "Made in Germany" kennzeichnet. Als Herstellungslang gilt dabei jenes Land, indem der letzte wesentliche Produktionsschritt erfolgt, selbst wenn verschiedene Bestandteile eines Produktes aus unterschiedlichen Ländern stammen. So gelten Birkenstock-Sandalen als made in Germany, obwohl der Kork aus Portugal und das Leder aus Italien stammt. Doch die eigentliche Produktion findet in Deutschland statt. Demnach bezieht "Made in Germany" sich auf den Herstellungsort des Produktes, also auf dessen Ursprung. Es ist der Ort, an dem die maßgeblichen "Be- und Verarbeitungsvorgänge stattfinden." Daher kann sich der Herkunftsort einer Ware schnell ändern, der Ursprung nur bedingt.

Aus diesem Grund lehnen der Bundesverband der Industrie (BDI) und die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) engere Vorgaben zur Verwendung des Siegels ab. Denn strengere Regeln könnten dazu führen, dass "Made in Germany" deutlich seltener als Siegel verwendet werden dürfte als bisher. Doch da sich die EU-Mitgliedsstaaten bisher nicht auf eine gemeinsame Regelung einigen konnten, wurden die Pläne einer Gesetzesnovellierung vorläufig auf Eis gelegt.

Verschärfte Regeln in der Schweiz

Die Schweiz geht mit ihrer Warenkennzeichnung "Swiss made" strenger um. Erst kürzlich wurde eine neue "Swiss made"-Verordnung für Schweizer Uhren genehmigt, welche 2017 in Kraft tritt. Und Uhren, die mit dem Siegel "Swiss made" gekennzeichnet sind, gelten international als besonders hochwertig. So gehörten nicht ohne Grund zahlreiche Schweizer Uhren zu den Top 10 der Uhrenmessen SIHH (Salon International de la Haute Horlogerie) und Baselworld 2016, wie chrono24.de berichtet.

Ab dem 1. Januar 2017 müssen mindestens 60 Prozent der gesamten Herstellungskosten in der Schweiz entstehen ebenso wie der Fertigungskosten des Uhrwerks, damit das Siegel "Swiss made" vergeben werden darf. Zudem muss mindestens die Hälfte des Uhrwerks aus schweizerischen Fabrikationsbestandteilen bestehen und die technische Entwicklung in der Schweiz stattfinden.



Bildrechte: Flickr Gartenzwerge, Made in Germany Chefzwerg CC BY-SA 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten
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