Mehr Rennwagen geht auf der Straße kaum: KTM X-Bow GT4

Mühsam über die Zulassungshürde gelupft, spielt der KTM X-Bow als GT4 noch wilder mit der Physik.

Mit einem satten „Dschunk“ fällt die Kuppel ins Schloss. „Dschunk“ ist neu beim KTM X-Bow. Und „Dschunk“ geht einher mit einem 17 Zentimeter längeren Radstand und 37 Zentimetern mehr Länge. „Dschunk“ heißt GT4.

Ein kurzer Druck auf die Stop-Taste zur Aktivierung, dann Zündung mit der Start-Taste, die digitale Geschwindigkeitsanzeige und der Drehzahlmesserbalken im mittig angeordneten Kombi-Instrument sausen einmal aufgeregt bis ans Maximum und wieder zurück. Ein Tritt auf das linke der drei Pedale trennt die Sintermetallkupplung vom Antrieb, der Kraftaufwand lässt bereits die erste Anfahrpleite erahnen. Noch ein Druck auf die Start-Taste schubst den aufgeladenen Vierzylinder-Benziner hinter dem Carbon-Monocoque an, das Nichtvorhandensein jeglicher Dämmung legt das heiser knurrende Zweiliter-Triebwerk direkt auf den Schoß des Fahrers. Hoppelnd und klöternd rollt der KTM los. Was da im Heck vor sich hinbrummelt? Ein Zweiliter-TFSI aus dem Volkswagen-Konzern, auf 320 PS gepimpt. Jeder Gasstoß lässt ihn schlürfen und fauchen, jedes Lupfen seufzen und zwitschern, die Intensität variiert in Abhängigkeit des Lastwechsels. Obwohl der GT4 mit knapp über 1,93 Meter Breite nicht unbedingt einen schlanken Fuß macht, schrumpft er sich gerade noch so auf handelsübliche Landstraßen ein. An der Sitzposition gibt es nichts zu meckern, Pedale und Lenkrad lassen sich über einen weiten Bereich verstellen. Okay, die Lenkung will Muskeln spüren, doch der GT4 braucht keine Gewalt, damit sich ihm Kurven unterwerfen.

Das Handling des Eintonners wirkt wie selbstverständlich, präzise, befreit, einfach immer auf den Punkt – weil es so ist, und nicht, weil es unter absurdem Aufwand hineinkonstruiert werden musste. Aufgrund seiner Radikalität muss man sich erst auf den KTM einschießen, und die Welt sich auf ihn, denn sie kennt ihn nicht, und das wird vermutlich auch so bleiben.

auto motor und sport Ausgabe 3/2016


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