Nach Warnung vor Milzbranderregern: Unternehmer will klagen

Eine Meldung über Milzbranderreger in Würstchen beschädigte den Ruf des Königsbrunner Unternehmers Salman Gözlügöls. Bei Proben wurden jedoch keine Bakterien gefunden. Warum wurde die Warnung nicht zurückgenommen?

Es geht um mehr als die Wurst. Für Salman Gözlügöl geht es um seinen Ruf als Lebensmittelhändler, um seine wirtschaftliche Existenz. Und es geht um den Schutz von Kunden sowie die Frage, wie transparent eine Verbraucherwarnung sein sollte.

Seit einer Meldung über mögliche Milzbranderreger in Rinderwürsten ist der Umsatz in Gözlügöls beiden Supermärkten in Augsburg und Königsbrunn um über 50 Prozent eingebrochen. Bei Proben wurden jedoch keine Bakterien in den Fleischwaren gefunden. Da die Regierung von Schwaben diesen Befund nicht an die Öffentlichkeit weitergab, will Salman Gözlügöl nun gegen die zuständige Behörde klagen.

Nur türkische Supermärkte genannt


Rückblick: Am 17. Oktober verschickt die Regierung von Schwaben eine "Verbraucherwarnung wegen möglicher Gesundheitsgefahr" an die regionalen Medien. Darin erklärt die Behörde, dass eine bakterielle Verunreinigung von Rinderwürsten, die in Augsburg Stadt und Land verkauft wurden, möglich sei. In der Pressemitteilung sind vier türkische Supermärkte genannt, darunter die beiden Läden von Gözlügöl. Der Fleischlieferant, die Firma Fleischwaren Meier, von welcher die Händler die verdächtigen Würste bezogen hatten, wird nicht erwähnt.

Die Proben nehmen die Kontrolleure der Lebensmittelüberwachung bereits am Tag zuvor. Die große Mehrheit der Rinderwürste aus Gözlügöls Laden ist noch nicht verkauft, die verdächtige Ware wird daher von den Warenprüfern versiegelt.

"Im Nachhinein ist nichts mehr nach draußen gekommen und das, was bereits im Umlauf war, war an Leute verkauft, die wir kannten. Wir haben sie angerufen und gesagt, dass sie es nicht essen sollten", beschreibt der Unternehmer die Situation.

Am 20. Oktober bekommt Gözlügöl einen Anruf von der Lebensmittelüberwachung. Die Proben, so wird ihm mitgeteilt, weisen keinerlei bakterielle und gesundheitsgefährdende Verunreinigung auf. Eine Pressemitteilung zu diesem Ergebnis wird jedoch nicht erstellt.

Verdächtiges Fleisch kam aus Polen


"Das Image ist kaputt." Aus Gözlügöls Stimme klingt Verzweiflung. Seit 2003 ist er zusammen mit seinem Bruder und dem Vater im Geschäft. Vor acht Jahren eröffnete die Familie den "Göl Supermarkt" in Königsbrunn, im Januar 2013 kam eine Filiale in Augsburg hinzu. "Die Kunden kommen nicht mehr. Ich weiß nicht, wie es weiter gehen soll", sagt der 34-Jährige, der insgesamt 15 Mitarbeiter, darunter vier Azubis, beschäftigt.

Gözlügöl stellt sich viele Fragen: Warum wurden nur die türkischen Händler genannt? Warum nicht der Fleischlieferant Meier? Warum nicht die anderen Märkte, die die Firma beliefert? Und warum hat die zuständige Behörde keine Meldung herausgegeben, als das Ergebnis der Proben feststand? Die Regierung von Schwaben argumentiert mit der absoluten Verbrauchersicherheit. "Maßgeblich für den Verbraucher sind die Verkäufer, nicht der Lieferant", erklärt Sprecher Karl-Heinz Meyer. Das verdächtige Fleisch sei ursprünglich von einem polnischen Betrieb gekommen. Über das europaweite Schnellwarnsystem seien die Supermärkte ermittelt worden.

"Milzbrand ist kein Spaß"


"Für uns steht der Verbraucherschutz im Vordergrund. Milzbrand ist kein Spaß", sagt Meyer. Da lediglich Proben gezogen wurden und sich daraus keine hundertprozentige Sicherheit ergebe, dass nicht doch verseuchtes Fleisch in Umlauf geraten sei, habe man auch keine Entwarnung herausgegeben.

Gözlügöl, der sein Fleisch von vielen unterschiedlichen Händlern bezieht, fühlt sich dennoch ungerecht behandelt. Auch von der Fleischwarenfirma, die ihm die Rinderwürste verkauft hat. "Ich wusste nicht, dass die Wurst aus Polen kommt." Der Lieferant hatte ihm versichert, dass die Ware aus Deutschland sei. Meier Fleischwaren war hierzu nicht zu einer Stellungnahme bereit.

Am meisten kränkt Gözlügöl die nicht erfolgte Berichtigung. Für ihn sei dies „wie eine Art Rufmord“. Bei großen Betrieben hätte es bestimmt eine Richtigstellung gegeben, vermutet der 34-jährige Unternehmer. „Bei uns nicht. Vielleicht weil wir klein sind und weil wir Ausländer sind.“
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