Pflege bei der Caritas: Vielsprachig, kultursensibel und ein gutes Miteinander mit vielen Chancen

Eine entscheidende Voraussetzung ist wie überall auch die Sprache. Im Caritas-Seniorenzentrum St. Andreas Bader (4.v.re in der letzten Reihe), Einrichtungsleiter des Caritas-Seniorenzentrums St. Raphael der CAB Caritas Augsburg Betriebsträger gGmbH, und ein Teil seines Multi-Kulti-Pflegeteams. Andreas Bader (4.v.re in der letzten Reihe), Einrichtungsleiter des Caritas-Seniorenzentrums St. Raphael der CAB Caritas Augsburg Betriebsträger gGmbH, und ein Teil seines Multi-Kulti-Pflegeteams. Als die Regel fests

Mitarbeiter aus insgesamt 66 Ländern – Umfrage des Diözesan-Caritasverbandes



Nahezu zwei Drittel der Deutschen beklagen, dass es in der Altenpflege zu wenig Personal gibt. So die jüngste Studie der Bertelsmann-Stiftung. Ein weiteres Problem: Die Zahl der über 65-jährigen Menschen mit Migrationshintergrund wächst in Deutschland deutlich. Derzeit sind es rund 1,6 Millionen, bis 2030 wird sich die Zahl verdoppeln. Laut einer Studie des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) und der Charité - Universitätsmedizin in Berlin seien die ambulanten Pflegedienste noch nicht ausreichend auf diese Herausforderung eingestellt.

Der Caritasverband für die Diözese Augsburg e. V. hat nun in einer kleinen Erhebung unter den ihr angegliederten Seniorenzentren bzw. Altenpflegeeinrichtungen und ambulanten Pflegediensten nachgefragt. Das Ergebnis ist erfreulich: Die Mitgliedseinrichtungen sind auf einem guten Weg, sich den Herausforderungen einer kultursensiblen Pflege zu stellen. Insgesamt sind dem Diözesan-Caritasverband 63 Sozialstationen und ambulante Krankenpflegevereine sowie 57 Alten- und Pflegeheime als Mitglieder angeschlossen. 26 Mitgliedseinrichtungen haben sich an der Umfrage beteiligt, darunter u.a. die CAB Caritas Augsburg Betriebsträger gGmbH - Altenhilfe, zu der 14 Seniorenzentren gehören.

Ein positives Ergebnis

Das positive Ergebnis lässt sich an zwei Faktoren ablesen. Erstens arbeiten in der Mehrzahl aller Einrichtungen und Dienste in der Altenpflege bereits nicht wenige Menschen mit Migrationshintergrund mit. Dabei ist dieser Hintergrund wahrlich international: Aus 65 Ländern dieser Erde, inklusive Deutschland, stammen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege, Hauswirtschaft und Verwaltung ab. Oftmals leben sie schon viele Jahre in Deutschland. Der prozentuale Anteil am Gesamtpersonal schwankt von null Prozent bis nahezu zehn Prozent. In der Altenhilfe der Liebenau-Stiftung, d.h. Liebenau Lebenswert Alter gGmbH mit Sitz in Meckenbeuren berichtet, dass dort sogar 15 Prozent der gesamten Mitarbeiter aus 55 anderen Nationalitäten stammen.

Zweitens ergab die kleine Umfrage, dass das Miteinander überall gut zu funktionieren scheint. Marc Engstle, Geschäftsführer des Vereins für Ambulante Krankenpflege Bad Wörishofen e. V., bringt das erfreuliche Ergebnis für sich auf den Punkt: "Für 99 Prozent der Kunden und auch im Team sind die durchaus vorhandenen unterschiedlichen Mentalitäten sehr bereichernd und werden ohne weiteres akzeptiert."

Zuerst ein kultursensibles Miteinander in den Teams


Michaela Weber, verantwortlich als Bereichsleitung Pflege in der CAB Caritas Augsburg Betriebsträger gGmbH, unterstreicht die Bedeutung der vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den unterschiedlichen Ländern: "Wer kultursensibel pflegen will, muss erst ein kultursensibles Miteinander in den Teams schaffen. Das ist nicht von vornherein immer einfach, aber machbar. Wichtig ist, die kulturellen Besonderheiten der Kollegin bzw. des Kollegen ein wenig zu verstehen. Voraussetzung dafür ist Offenheit und Interesse für den Anderen." In der CAB, der insgesamt 14 stationäre Altenpflegeeinrichtungen und weitere Kooperationseinrichtungen angehören, sind über 1.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege, Hauswirtschaft und Verwaltung tätig, darunter weit über 100 mit Migrationshintergrund.


Raphael in Augsburg arbeiten beispielsweise Menschen aus insgesamt 15 Nationen. "Untereinander wird nur Deutsch gesprochen", so Andras Bader, der Einrichtungsleiter. "Da geht es um gegenseitiges Vertrauen, aber auch um die Eindeutigkeit der Informationen, die im Übergabegespräch z.B. klar vermittelt werden müssen." Auch Andreas Claus, Geschäftsführer der Caritas-Sozialstation Schwabmünchen, unterstreicht: "Die Arbeitssprache muss immer Deutsch sein. Dann ist Internationalität für uns kein Problem." Claus macht allerdings eine Einschränkung. "Eine einzelne, zahlenmäßig sehr starke Landsmannschaft mit nichtdeutschem Hintergrund wäre nicht so gut."

Erfahrungsberichte

Auch wenn dieser Grundsatz für alle in den befragten Diensten und Einrichtungen der Altenpflege in der Caritas unwidersprochen bleibt, so können sich im Alltag dennoch Schwierigkeiten ergeben. "Der Umgang untereinander ist auch nicht immer einfach, da sie sich oft, bedingt durch eine nicht korrekte Aussprache, nicht richtig verstehen bzw. etwas ganz anders auffassen, als es gemeint ist", schreibt Dora Schmidt, die Pflegedienstleitung des Alten- und Pflegeheims St. Augustin der Barmherzigen Brüder in Neuburg/Donau. Wird bayerisch gesprochen, sei es bei einer Fortbildung wie im Neuburger Pflegeheim zum Thema Brandschutz oder dass alte Klienten im Dialekt sprechen, dann kann es schon zu Verständnisschwierigkeiten führen. Ilse Schormair, Geschäftsführerin der Caritas-Sozialstation Aichach, gesteht ein, "dass die Verständigung aufgrund des Dialektes unserer Patienten doch noch oft schwierig ist." Darauf werde immer wieder in den Dienstbesprechungen eingegangen. Schormair fügt allerdings hinzu: "Dieses Problem der Verständigung haben unsere deutschen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus anderen Bundesländern auch."

Eine besondere Hilfe aus dem Senegal

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Migrationshintergrund zu haben, kann auch von großem Vorteil sein. Claus erzählt von einer Deutschen, die die meiste Zeit ihres Lebens in Frankreich verbracht hatte und nun aufgrund von Demenz immer schlechter Deutsch spreche. Die senegalesische Pflegekraft sei hierbei mit ihrem muttersprachlichen Französisch eine große Hilfe. Das kann auch Weber von der CAB bestätigen. Auf insgesamt 23 Fremdsprachen könne die CAB verweisen, die - wenn auch unterschiedlich verteilt - in ihren Einrichtungen gesprochen wird. "Unsere Bewohnerinnen und Bewohner spiegeln diese Vielfalt wider. Gerade im Alter ist es doch für viele eine Freude, sich in ihrer alten Muttersprache unterhalten zu können."

Ein Umdenken

Vorurteile, die alte Menschen, die den Krieg noch erlebt und erlitten haben, tauchten gegenüber Menschen aus anderen Ländern schon hin und wieder auf, wie Schmidt aus Neuburg einräumt. Doch auch in diesen Fällen bewirkten gerade eben Pflegekräfte mit einem nichtdeutschen, beispielsweise osteuropäischen Hintergrund "mit ihrem sanftmütigen Umgang" mit den zu pflegenden alten Menschen ein Umdenken. Neue Brücken und ein neuer Blick auf die Vergangenheit können so entstehen.


Mitarbeitende muslimischen Glaubens

Im Hinblick auf Mitarbeitende muslimischen Glaubens gab es keine negativen Rückmeldungen. Wenn, dann gab es gelegentlich Auffälligkeiten und organisatorische Eigenheiten, wie es Joachim Schneider, Geschäftsführer der Ökumenischen Sozialstation Neusäß-Diedorf-Dietkirch gGmbH, benennt. Als Beispiel führt eine Muslimin an, die im Ramadan aufgrund der strengen Fastenpflicht von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang etwas unausgeglichen gewirkt haben, und eine Philippinin, die für einen Heimatbesuch mehrere Wochen am Stück Urlaub benötigte.

Keine problematischen Auswirkungen


So sind die Rückmeldungen allesamt positiv. "Aus meiner Sicht hat der Anteil von Mitarbeitenden mit Migrationshintergrund bei uns keine problematische Auswirkungen", schreibt Andras Hüller, Geschäftsführer der Katholisch-Evangelischen Sozialstation Füssen gGmbH. Alle - und hier klingt die entscheidende Voraussetzung wieder an - sprächen sehr gut Deutsch. Auch Robert Knoll, Heimleiter des Sozialzentrums Kirchheim gGmbH in Kirchheim, unterstreicht: "Wir sind sehr froh, diese Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in unserem Betrieb zu beschäftigten. Mit ihnen gibt es keine Probleme." Und er fügt hinzu: "Grundsätzlich gibt es bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Migrationshintergrund die ähnlichen Probleme wie bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ohne Migrationshintergrund." Bei ihm arbeiten drei Personen aus Russland, zwei aus Kroatien und eine Person aus Serbien mit. Die Heilig-Geist-Spitalstiftung in Aichach beschäftigt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Kasachstan, aus Russland, sogar aus dem fernen Sibirien, Marokko, Jordanien, Pakistan, Ungarn, Estland, Armenien, von den Seychellen und aus Usbekistan. Die Pflegedienstleitung Yvonne Demeter schreibt in ihrer Antwort auf die kleine Umfrage des Diözesan-Caritasverbandes: "Die Zusammenarbeit mit diesen Mitarbeitenden ist sehr gut. Wir machen damit eine sehr positive Erfahrung."


Das Ergebnis bringt Werner Blochum. Geschäftsführer der Katholisch-Evangelischen Sozialstation Augsburg Göggingen gGmbH, für alle auf den Punkt. "Wir sind also ziemlich ‚multikulti‘, haben aber nicht mehr oder weniger Probleme als ein ‚Einkulti-Team‘."

Hoher Personalbedarf

Einzelne Aussagen weisen darauf hin, dass die Pflege ohne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Migrationshintergrund immer weniger auskommen wird. Waltraud Griebel, die Pflegedienstleitung der Pflegeeinrichtung Schloss Straß in Burgheim-Straß der Stiftung Sankt Johannes, erinnert an den demographischen Wandel in Deutschland. "So sind wie bekannt ja immer weniger Pflegemitarbeiter auf dem Arbeitsmarkt vorhanden." Bei ihr würden immer Bewerbungen mit Migrationshintergrund inzwischen eingehen. Gute Deutschkenntnisse bleiben aber die Voraussetzung für eine Einstellung, auch um die Pflegequalität sicherstellen zu können. Michaela Weber von der CAB Caritas Augsburg Betriebsträger gGmbH - Altenhilfe erkennt in dieser Entwicklung keinen Sonderfall. "Alle Betriebe, ob im Handwerk oder in der Industrie oder anderen Sozialdienstleistungsbereichen, nehmen mehr und mehr Menschen mit Migrationshintergrund in den Fokus ihrer Personalakquise. Keiner kann daran vorbei gehen."

"Anerkennung unserer Werte Grundbedingung"

Für die Caritas und ihre Mitglieder kommt bei allem Miteinander es neben guten Deutschkenntnissen, den beruflichen Qualifikationen und den menschlichen Eignungen auf einen zentralen Punkt an. "Bedingung war und ist die Anerkennung unserer Werte. Für uns ist jeder Mensch gleich. Ich glaube, dass die Konzentration auf die gemeinsamen universellen Werte der Menschenrechte die Basis ist, die eine gute multikulturelle Zusammenarbeit ermöglicht", schreibt Christa Runggas von der St. Vinzenz Pflege und Wohnen gGmbH in Augsburg - Göggingen. "Sehr wichtig ist eine ständige, wertschätzende Kommunikation unter Einbeziehung der zu Pflegenden. So kann aus der Vielfalt der Kultur der Menschen eine gute Zusammenarbeit entstehen und erhalten bleiben."

Es öffnen sich neue Kundenkreise


Dass all dies keinen Nachteil für die Altenpflegeeinrichtungen und Sozialstationen bringen muss, ergibt sich aus der Vielfalt der Herkunftsländer in der Gesellschaft. "Für unsere Einrichtung hat die Einstellung von Menschen mit Migrationshintergrund den Vorteil, dass durch die Vielfalt der Sprachen sich verschiedene Kundenkreise öffnen", unterstreicht Edith Vogele vom Ambulanten Krankenpflege e. V. in Thannhausen.


Die Herkunftsländer:


Deutschland, Afghanistan, Albanien, Armenien, Australien, Bosnien-Herzegowina, Brasilien, Bulgarien, China, Ecuador, Eritrea, Estland, Finnland, Frankreich, Gambia, Georgien, Griechenland, Großbritannien, Indien, Indonesien, Island, Italien, Jordanien, Kamerun, Kasachstan, Kenia, Kirgisistan, Kosovo, Kroatien, Kurdistan, Lettland, Libanon, Lettland, Madagaskar, Malawi, Marokko, Mazedonien, Moldawien, Nepal, Niederlande, Österreich, Peru, Philippinen, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Serbien, Senegal, Seychellen, Sierra Leone, Slowakei, Spanien, Syrien, Thailand, Togo, Tschad, Tschechien, Türkei, Tunesien, Ukraine, Ungarn, Usbekistan, Vietnam, Weiß-Russland.


0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.