Positive Ausblicke für die Zukunft des Immobilienstandorts Wirtschaftsraum Augsburg

Rund 180 Immobilienakteure aus ganz Süddeutschland tagten am 27. Juni auf dem 3. A³ Immobilienkongress im Textil- und Industriemuseum Augsburg zu aktuellen Immobilienthemen, mit der Region Augsburg im Fokus. Die Chancen und Herausforderungen für die Entwicklung einzigartiger Projekte wie des Augsburg Innovationspark oder Bedingungen für einen nachhaltigen Umgang mit Flächen wurden von regionalen und überregionalen Experten kontrovers diskutiert.

Mehr Visibilität gefragt

Die Meinung geladener, externer Marktexperten war einhellig: Der Wirtschaftsraum Augsburg weist ideale Rahmenbedingungen für ein anhaltendes Wachstum auf, bei Bevölkerung wie Wirtschaft. Diese Vorteile sollten noch stärker in die Waagschale geworfen werden, um die Visibilität bei überregionalen Investoren sowie das Transaktionsvolumen zu steigern. Hoffnung wird in den neuen Marktreport Wirtschaftsraum Augsburg gesetzt, der in Auszügen auf dem Kongress von Michael Thiede, Real Estate Solutions GmbH, vorgestellt wurde. Damit sollen Investoren künftig besser einschätzen können, welche Standorte und Lagen jeweils für welche Investments am besten geeignet sind. Anhand der bereits vorgestellten Zahlen lässt sich ein Aufwärtstrend bei Preisen und Renditen erkennen. Hier punktet Augsburg mit mehr Potential als andere Standorte, wo dieses bereits abgeschöpft ist. Gemäß einer Studie von „Empirica“ gehört Augsburg zu den sogenannten Schwarmstädten, was einen Zuzug der 25-35-jährigen, nicht nur bedingt durch deren Ausbildung, bewirkt. Wohnortverlagerungen zwischen dem Wirtschaftsraum Augsburg und München werden als relativ stabil angesehen, da die höchsten Zuzüge aus München zuerst nach Fürstenfeldbruck und Dachau gehen. Pendlerbewegungen und Unternehmensverlagerungen nehmen zu. 60 % der 100 Unternehmen, die von 2003 bis 2013 aus dem Raum München in den Raum Augsburg umgezogen sind, gehören zu den sonstigen unternehmensbezogenen Dienstleistungen, 10 % zum verarbeitenden Gewerbe. Der Lagevorteil im europäischen Verkehrsnetz und die Nähe zu München bieten Augsburg somit Chancen, die es zu seinem Vorteil nutzen kann. Dass dies bereits geschieht, zeigen u.a. hervorragende Entwicklungen als Logistikregion, wie am Güterverkehrszentrum Region Augsburg oder den Ansiedlungen seitens BMW und Amazon im Landkreis Augsburg zu sehen ist. Augsburg kann auch im Flächen- und Wohnungsbaubereich noch mehr Investorenpotential abschöpfen, wie externe Investoren und Makler betonen. „Der Wirtschaftsraum Augsburg kann die Chance der Lage im Raum ausnutzen, denn hier ist Wirtschaftskraft. Augsburg kann Stärke zeigen!“, so Dr. Heike Piasecki von der bulwiengesa AG.

Nicht weniger als das große Ganze

Großprojekte, wie der Augsburg Innovationspark, der ein Potential von 71 Hektar zur Entwicklung aufweist, besitzen eine besondere Bedeutung für den Wirtschaftsraum Augsburg. Zum einen ist er ein Beispiel dafür, wie eine Vision für Lehren, Forschen, Studieren, Arbeiten und Leben mittels eines Masterplans Schritt für Schritt umgesetzt wird. Ausgehend von einem gut funktionierenden Nukleus, dem Technologiezentrum Augsburg mit (seit seiner Eröffnung im April 2016) bereits 40%iger Auslastung und den angesiedelten, umliegenden Forschungsinstituten, soll ein Magnet für weitere Entwicklungen geschaffen werden. Die Ranking-Position steigt gleichermaßen. Auch das Umfeld profitiert von den Entwicklungen, die isolierte Betrachtung eines Quartiers wäre zu eng gefasst. Alle beteiligten Akteure müssen also stets das große Ganze im Blick behalten. „Die Aspekte Nachhaltigkeit, Funktionalität und Flexibilität sind Entwicklungsprinzipien für den Augsburg Innovationspark“, so Eva Weber, 2. Bürgermeisterin der Stadt Augsburg. Externe Branchenteilnehmer appellieren an die Vertreter der Region, Großprojekte mit einer nachhaltigen Investmentstory zu verknüpfen sowie Kapital (gerade auch externes) mit der Immobilienwirtschaft zu verbinden. Denn mit einem avisierten Wachstum auf Arealen wie dem Augsburg Innovationspark geht auch der Bedarf nach mehr Investments in den Bereichen Wohnen, Infrastruktur und Handel einher, was nicht mehr nur endogen realisiert werden könne.

Grow smart

Globale Trends machen nicht vor dem Wirtschaftsraum Augsburg Halt, wie Stephan Deurer als Mitglied des Urban Land Institute in seinem Vortrag darstellte. Der große Megatrend der Zukunft ist das Leben in urbanen Strukturen. Leben heute weltweit mehr als 50% der Menschen in urbanen Strukturen, werden es 2050 mindestens 70% sein. Dies wird Megacities hervorbringen, was die Themen Wohnen, Leben, Arbeiten, Gesundheit, Sicherheit, Infrastruktur u.v.m. vor völlig neue Herausforderungen stellen wird und ein intelligentes Wachstum (grow smart) fordert. In kleinerem Maßstab wird diese Entwicklung nicht an Städten in der Größenordnung von München oder Augsburg vorbeigehen und beide Räume werden enger zusammen rücken. Die gesamte Region, also Augsburg als Teil der Metropolregion München, muss sich im Blick von außen zudem gegen andere Metropolregionen behaupten. Zwischen Augsburg und München besteht aufgrund unterschiedlicher, sich ergänzender Branchenschwerpunkte und wie an den Pendlerbewegungen zu sehen ist bereits ein Geben und Nehmen, das über überregionale, strategische Allianzen weiter zum beidseitigen Vorteil ausgebaut werden kann. Den Königsweg in der Bewältigung der wachstumsbedingten Herausforderungen der Zukunft hat der Wirtschaftsraum Augsburg bereits mit der Strategie beschritten, das Gleichgewicht zwischen Wirtschaftswachstum, Umweltschutz und sozialem Fortschritt zu fördern und zu bewahren.

Der Augsburger Weg

In der Stadtplanung Augsburg spielt der Aspekt Nachhaltigkeit eine große Rolle. „Neben der Innenentwicklung setzen wir uns auch damit auseinander, wie zukünftige Flächenentwicklungen stattfinden können. Daher erarbeiten wir ein nachhaltiges, integriertes Stadtentwicklungskonzept mit entsprechenden Programmen für die Gewerbe- und Wohnbauflächenentwicklung und den Aufbau eines Flächenressourcenmanagements“, so Norbert Diener, Leiter des Stadtplanungsamtes Augsburg. Die Innenentwicklung wird im Wirtschaftsraum Augsburg an vielen Fronten vorangetrieben. So mit einem Modellvorhaben für die nachhaltige Qualifizierung des Gewerbeschwerpunkts Augsburg-Lechhausen oder auch einem gezielten Leerstandmanagement, wie in der Marktgemeinde Welden praktiziert. „Man muss über den Tellerrand hinausschauen und gemeinsam Strategien entwickeln“, so Bürgermeister Peter Bergmeir des Marktes Welden. Im sogenannten Harmonisierungsgebot wird gefordert, wohnungswirtschaftliche mit gewerblicher Entwicklung gemeinsam voranzutreiben. Aus Sicht der Referenten ist es wichtig, die Mischnutzung von Wohnen und Gewerbe weiter zu fördern, dies als Ausgleich von Lasten zu betrachten und ggf. auch über Allianzen durchzusetzen. Die Integration von Wohnen ist bspw. im Augsburg Innovationspark bereits eingeplant. Der Wirtschaftsraum Augsburg punktet nicht zuletzt in der Bildung von Branchenclustern, wie im Umweltpark Augsburg oder auch im Sheridanpark Augsburg zu sehen ist. Besondere Objekte verlangen in Augsburg zudem nach Partnern mit besonderem Know-how. So hat sich beispielsweise die Dierig AG auf die Revitalisierung von denkmalgeschützten Gebäuden spezialisiert. Ehemals genutzte Fabriken bieten in Augsburg zudem Entwicklungspotential als sogenannte „Transformationsimmobilien“, die als Campus-Immobilien in gemischt-genutzte Gewerbeobjekte mit Büroanteilen konvertiert werden können, wie von der Investa Immobiliengruppe beschrieben und für den Riedinger Park auch projektiert.

Projekte hautnah erleben

Bei zusätzlich angebotenen Exkursionen konnten die Besucher am Kongresstag beispielhaft in Projekte hinein schnuppern, die bei der Tagung thematisiert wurden: Auf einem Rundgang durch das Gelände der ehemalige Augsburger Kammgarnspinnerei, bei einer Busexkursion in das erweiterte Umfeld des Augsburg Innovationspark oder einer Besichtigung der Sonderausstellung "Carbon - Stoff der Zukunft".

Kongresswebseite: www.immobilienkongress-augsburg.de
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