Power für den Lebenslauf

Wer wirkungsvoll bei der Bewerbung auftreten will, muß Aussagekraft in seinen Unterlagen entwickeln

"... dann übersenden Sie uns bitte Ihre schriftliche Bewerbung". Kaum eine Stellenanzeige hat einen anderen Abschluß. Der interessierte Bewerber folgt der Aufforderung - und wartet ab. Was geschieht aber in der Zwischenzeit hinter den Kulissen beispielsweise einer Personalabteilung, die für die Auswahl und Einstellung eines geeigneten Kandidaten verantwortlich ist? Zwar kann der Bewerber einiges mehr tun als lediglich auf die Reaktion des Empfängers warten sowohl im Vorfeld als auch noch nach Absenden der angeforderten Unterlagen, aber die schriftliche Bewerbung alleine kann nur eines: den Weg ins Vorstellungsinterview ebnen. Erfolgt dann die ersehnte Einladung, hat das Papier natürlich seine Schuldigkeit getan. Aber zunächst muß eine hohe Wirksamkeit erreicht werden. Einerseits sind ausreichende Sachlichkeit hoher Informationsgehalt und wahrheitsgemäße Darstellung gefordert, andererseits benötigt eine schriftliche Unterlage genauso das, was wir Werbewirksamkeit nennen könnten. Aber nicht im Sinne einer übertreibenden Waschmittelwerbung, sondern mit dem Hintergrund, dem Leser bereits auf den ersten Blick zu ermöglichen, die gesuchten Erfahrungen und Fähigkeiten so zu erkennen, daß er neugierig darauf wird, den Verfasser persönlich kennenzulernen. Unnötig Hinter den Türen könnte sich etwa folgender Ablauf ergeben:


Schrittweise Selektion

Das Stelleninserat war vermutlich erfolgreich. So manches mal liegen heute wieder mehr als einige 100 schriftliche Unterlagen auf dem Schreibtisch eines Personalchefs, mit denen er nun fertig werden muß. Wie geht er damit um? Eine Unterlage nach der allderen wird gesichtet, aber nur die wenigsten werden im ersten Anlauf so sorgfältig durchgelesen, wie man vermutet. Zunächst erfolgt eine grobe Selektion. Nur die interessantesten Bewerberprofile werden zur Seite genommen und eingehender studiert. Und was erscheint interessant, wenn der allgemeine Bewerbungsstil heute schon fast einheitlich und gewissermaßen monoton aussieht? " 1.1.83 - 30.6.87....Sachbearbeiter bei Fa. Überall". Kurz und bündig, im Vertrauen darauf, daß der Leser weiß, was so ein Sachbearbeiter bei Überall macht. Und selbst dann, woher soll er jetzt wissen, daß der Kandidat dort die allseits anerkannte und überdurchschnittlich erfolgreiche Spitzenkraft war? Natürlich kann er das im beigefügten Zeugnis nachlesen., aber er macht es nicht bei 100 Unterlagen mit durchschnittlich 2-4 Arbeitgeberzeugnissen, denn dieser Umfang kommt dem eines mehrbändigen Fortsetzungsromans gleich. Die Zeit steht ihm nicht zur Verfügung. Also muß er, ob er will oder nicht, einen rationellen Weg suchen - und orientiert sich zunächst am Lebenslauf. Und hierin ist die Chance zur Abgrenzung verborgen.

Jürgen L. war ein 47jähriger Prokurist eines mittelständischen Fertigungsunternehmens. Da sich durch einen Firmenverkauf umfangreiche Strukturveränderungen absehen ließen, bemühte er sich um einen Positionswechsel. Ungefähr ein Jahr lang verfolgte er Ausschreibungen am offenen Arbeitsmarkt, schickte seine Bewerbungsunterlagen fort und erhielt während der ganzen Zeit lediglich eine Einladung zu einem Gespräch. Schließlich war es soweit und sein Bereich wurde aufgelöst und ihm wurde gekündigt. Ich erhielt den Auftrag, ihm bei der Suche nach einer gleichwertigen Position zu beraten. Als wir uns kennenlernten, war er in einer resignierenden Verfassung, zwar blieben ihm noch rund sechs Monate Zeit, um eine neue Position zu finden, seine bisherigen Erfahrungen hatten ihm aber bereits deutlich gemacht, daß eine solche Spanne trotzdem relativ knapp bemessen zu sein schien. Ich hatte ihn gebeten, mir seine bisher üblichen Unterlagen mitzubringen. Das erste, was ich mir ansah, war der Lebenslauf. Er war in einem üblichen und knapp gehaltenen Standard verfaßt, inhaltlich korrekt, der Werdegang war vollständig und umfaßte ungefähr eine dreiviertel DIN A 4 Seite. Wie ich vermutet hatte, war dafür das Anschreiben etwas umfangreicher ausgefallen, dafür aber nur relativ schwer verständlich und nicht sonderlich übersichtlich verfaßt. Gemessen am Standard gab es weder inhaltlich noch an der Form etwas auszusetzen, aber es war sofort klar, wo wir mit einer Optimierung anzufangen hatten, um das Verhältnis zwischen der Anzahl verschickter Unterlagen und Gesprächseinladungen anzuheben. Ich erklärte ihm, daß der Kern darin bestehen würde, eine ausführliche gedankliche Vorbereitung zu treffen und die Ergebnisse in einer bestimmten Art und Weise in den Lebenslauf einfließen zu lassen. Das Ziel würde darin bestehen, dieses zentrale Dokument seiner Unterlagen mit Farbe, aussagefähigen Überschriften und Detailaussagen zu versehen.

Bereits nach wenigen Beratungssitzungen hatten wir den roten Faden herausgearbeitet und seinen Lebenslauf entsprechend aufgebaut. Und tatsächlich kam es schon nach wenigen Wochen zu etlichen interessanten Gesprächen und mehr als einmal hörte er sogar positive und anerkennende Worte über seine Selbstdarstellung. Wenige Wochen später konnte er ein neues Vertragsangebot annehmen.

Was ist von Interesse ?

Egal was in den Bewerbungsunterlagen enthalten ist und wie sie aussehen, der Lebenslauf ist das Dokument, das auf jeden Fall gelesen wird. Ziel muß deshalb sein, hierin -max. 2 Seiten- auf einen Blick in kompakter, leicht lesbarer und aussagefähiger Form das Leistungsprofil verständlich zu machen. Gelingt das nicht, landet die Bewerbung auf dem Stapel "Reserve". Entwickeln Sie zunächst selbst einen klaren Blick für das Wesentliche. Viele Bewerber halten alle eigenen Aufgabeninhalte für selbstverständlich und erachten es deshalb nicht für nötig, sie zu erwähnen. Lösen Sie vorab deshalb folgende Aspekte heraus:

1. Wann waren Sie tätig?

Genaue Angaben über Beginn und Ende der Tätigkeiten helfen dem Leser festzustellen, ob lückenlos alles erwähnt ist. Sie bereiten ihm unnötige Schwierigkeiten, wenn er die Chronologie nicht erfassen kann. Von der Ausbildung beginnend bis zum tagesaktuellen Punkt können Sie alles durchgängig aufführen.

2. Wo sind Sie tätig gewesen?

Wenn Sie den Namen eines früheren Arbeitgebers erwähnen, weiß der Leser, um wen es geht? Vermutlich nein, also geben Sie ihm mit ein, zwei Sätzen einen Einblick hinter die Kulissen des Unternehmens. Die Größenordnung gibt Aufschluß beispielsweise über die vorhandenen Strukturen und Arbeitsweisen. Es ist ein Unterschied, ob der Vertriebsleiter in einem Betrieb mit 100 oder 1500 Beschäftigten für den Auftragseingang verantwortlich ist. Auch die Nennung der Produkte oder der Branche ist informativ, die Zugehörigkeit zu einer internationalen Firmengruppe läßt Hintergründe erkennen. Ihr Umfeld wird damit bereits beleuchtet und verhilft zu einem besseren Verständnis. Erwähnen Sie ggf. Ihren Geschäfts- oder Funktionsbereich.

3. Als was waren Sie tätig?
Die Frage wirkt banal. Auch wenn Ihr Vertrag mit einer Berufsbezeichnung ausgestellt ist ( Kaufmann, Ingenieur etc.), erwähnen Sie unbedingt die innerbetriebliche Funktionsbezeichnung. Sie reicht allerdings alleine in den seltensten Fällen aus, um einen konkreten Aufschluß über Ihre Arbeit zu geben. Deshalb sollten die beiden folgenden Schritte gemacht werden, damit die gewünschte Aussagekraft entstehen kann

4.1 Was haben Sie gemacht ?
Was waren Kern und Nebensachen an der Aufgabe. Zählen Sie die wesentlichen Aspekte im Sinne von Aufgabenschwerpunkten auf, lassen Sie Nebensächlichkeiten weg, aber berichten Sie unbedingt auch von Außergewöhnlichen Dingen, die hier und da zwischendurch zu bewältigen waren und die Sie in Ihrer Qualifikation oder Erfahrung geprägt haben. Machen Sie eine stichwortartige Aufzahlung im Telegrammstil daraus. Worin sind Ihre Erfolge erkennbar, entwickeln Sie Mut, angemessen davon zu sprechen. Der Leser Ihrer Unterlagen sucht den zukünftigen, erfolgreichen Mitarbeiter und ist dankbar für diese Hinweise. Es geht nicht um eine Überziehung des Ich-Bildes, sondern darum, Ihrem Verhandlungspartner zu helfen, Sie als den Gesuchten zu identifizieren.

4.2 Wie haben Sie es gemacht?
Und das ist der wichtigste Schritt zur erfolgreichen Selbstdarstellung, hier kommt Farbe hinein ! Haben Sie die zunächst sachliche Aufzählung vorgenommen, kommt jetzt die qualitative Anreicherung. Schreiben Sie, wie Sie die Aufgabe erledigt haben oder welches Ergebnis Sie dabei erzielt haben. Das einfache Beispiel eines Verkäufers im Einzelhandel soll verdeutlichen wie eine derartige Darstellung und Formulierung entwickelt wird:

1. Schritt:
Bedienung der Kundschaft.
Das der sachliche und nüchterne Standard, wenn überhaupt etwas zur Funktion ergänzt ist.

2. Schritt:
Freundliche Bedienung der Kundschaft.
Jetzt ist bereits etwas über das Verständnis oder die Art des Verkaufsstils gesagt und beschreibt indirekt den Bewerber in seinem Verhalten.

3. Schritt:
Aktive und freundliche Bedienung der Kundschaft und Wahrnehmung aller Möglichkeiten von Zusatzverkäufen.
Das ist Botschaft über das Leistungsniveau des Bewerbers, der Leser versteht es einfach so, daß der Bewerber gleichzeitig auch erfolgreich dabei war. Jeder Geschäftsinhaber wird hierauf positiv reagieren, weil er den Mitarbeiter dieser Kategorie schließlich sucht.

Anmerkungen zu Erfolgen und Begabungen lassen sich in jedem Lebenslauf einflechten. Nicht die Menge entscheidet, sondern die kompakte und übersichtliche Gestaltung ist wichtig.

Wird der Lebenslauf unter diesen Aspekten aufgebaut, kommt ein farbiges Bild zustande. Wer sich so präsentiert hebt sich von der Masse ab - durch Qualität der Aussagen. Der Leser wird aus diesen Angaben leichter und schneller erkennen, wo die Übereinstimmungen liegen zwischen dem Profil des Bewerbers und dem gesuchten -und erwartungsgemäß bewahrten- Mitarbeiter. Rechnen Sie ruhig damit daß er jetzt vielleicht spontan zum Telefonhörer greift und Sie zu einem Vorstellungsgespräch einlädt, weil Sie ihn neugierig gemacht haben.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.