Ratgeber für die Schnupfenzeit: Auskurieren statt Spätfolgen riskieren

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Es wird einem heute doch sehr einfach gemacht: Ein Mittelchen hier, ein Trank dort und abends vor dem Schlafengehen noch eine Tablette oder ein Spezial-Trunk, der die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren soll. Diese Szene spielt sich regelmäßig in deutschen Haushalten ab – und zwar bis zu viermal jährlich, denn so oft hat ein Erwachsener durchschnittlich eine Erkältung. Bei Kindern geht man indes häufig anders mit Husten, Schnupfen, Heiserkeit um – hier werden Hausmittelchen angewandt, um den Nachwuchs möglichst fern von Pharmazie zu halten. Was ist denn aber nun der richtige Weg? Richtig ist vor allem, die Erkältung auszukurieren – auch wenn es einmal länger dauert, denn sonst riskieren Patienten Folgekrankheiten.

„Präsentismus“ schadet Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Der Drang, sich möglichst schnell wieder „fit zu machen“ anstatt wahrlich „fit zu werden“, hat seit kurzem einen Namen. „Präsentismus“ heißt das Phänomen, das die Situation bezeichnet, dass kranke Arbeitnehmer pflichtbewusst zur Arbeit gehen – obgleich sie die Krankheit noch gar nicht auskuriert haben oder gar noch krankgeschrieben sind. Oft sei die Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, der Grund dafür, dass so mancher Arbeitnehmer auch krank im Büro oder in der Werkstatt erscheint. „Laut der Untersuchung der Bundesanstalt für Arbeit (BAuA) gehen insbesondere Beschäftigte krank zu Arbeit, die häufig unter Leistungs-, Termin- und Zeitdruck leiden. Stark betroffene Berufsgruppen seien die Bau- und Landwirtschaft sowie Sozial-, Erziehungs- und Gesundheitsberufe, etwa die Altenpflege“, heißt es dazu in einem Artikel der Frankfurter Rundschau. Auch über die negativen Folgen für die Arbeitgeber selbst wird darin berichtet, denn wer häufiger krank zur Arbeit geht, ist weniger leistungsfähig und weniger produktiv. Fehler passieren, wenn nicht gar schwerwiegende Unfälle. Zudem riskieren die Arbeitnehmer ihre Gesundheit, denn wer eine Krankheit nicht auskuriert, dem können die folgenden chronischen Krankheiten drohen.

1.) Angina

Zu jeder Erkältung gehören auch Halsschmerzen, doch genau diese Tatsache birgt eine große Gefahr – und zwar, dass die sogenannte Seitenstrangangina nicht erkannt und infolgedessen auch nicht behandelt wird. Bakterien und Viren haben bei diesem Krankheitsbild die Lymphbahnen befallen, die rein räumlich betrachtet im Rachenraum entlang laufen. Sie Seitenstrangangina wird oft verkannt – und das mit fatalen Folgen, denn rheumatische Fieber, eine Mittelohrentzündung oder gar ein Abszess können die Folge sein.

2.) Bronchitis

Befallen werden bei einer Bronchitits die Bronchien oder vielmehr die Bronchien-Schleimhaut, die von den Erkältungsviren besiedelt werden. Sind die Bakterien erst einmal auf diesem für sie günstigen Nährboden angekommen, können sie sich ungehindert vermehren. Zu ihrer Bekämpfung ist dann Antibiotika nötig. Die Folge einer nicht auskurierten Bronchitis kann eine Lungenentzündung sein. Wer an einer Bronchitis als Folge einer nicht auskurierten Erkältung erkrankt, braucht Geduld, denn es dauert sehr lange, bis der quälende Husten abklingt. Doch selbst wenn der Husten verschwindet, bleibt doch eine Langzeitschädigung nicht aus, denn Viren und Bakterien haben die Schleimhaut langfristig geschädigt – und das Risiko erhöht, an Asthma zu erkranken.

3.) Herzmuskelentzündung

Eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) kann die wohl schlimmste Folge einer nicht auskurierten Erkältung oder Grippe sein. Doch wie kommt es zu einer Herzmuskelentzündung? Diese entsteht, wenn Erkältungsviren oder Bakterien sich den Weg zum Herzmuskel bahnen und diesen befallen. Häufigste Ursache einer Herzmuskelentzündung ist reine Unvernunft, denn eine Herzmuskelentzündung hat oft ihren Anfang in sportlicher Betätigung. Ist die Erkältung oder die Grippe nicht komplett auskuriert und wird dennoch Sport getrieben, kann diese schwere Erkrankung folgen, die noch nicht einmal schnell zu erkennen ist. Kurzatmigkeit und Schwächegefühl können erste Anzeichen für eine Herzmuskelentzündung sein. Wer diese Symptome missachtet und eine Herzmuskelentzündung nicht richtig ausheilt, riskiert eine langfristige Schädigung von Muskel und Klappen. Eine lebensbedrohliche Herzinsuffizienz ist nicht selten die Folge.

4.) Kehlkopfentzündung

Auch bei einer Kehlkopfentzündung sind Bakterien die Auslöser der Erkrankung, die sich – in diesem Fall – ihren Weg bis zum Kehlkopf gebahnt haben. Wer in Folge einer Erkältung oder Grippe lange unter Heiserkeit, Husten oder gar dem Verlust der Stimme leidet, zeigt damit Symptome, die auf eine Kehlkopfentzündung hinweisen. Als Behandlungsmethode wird vornehmlich das Schweigen empfohlen, doch auch Inhalieren kann helfen, die Kehlkopfentzündung unbeschadet zu überstehen. Wird diese Folgeerkrankung verkannt, kann die Entzündung chronisch werden – oder die Stimme langfristig angegriffen bleiben.

5.) Lungenentzündung

Jeder Erkältung und jede Grippe schwächt auch das körpereigene Immunsystem. Die Folge: Bakterien haben es vergleichsweise leicht, an anderen Stellen Schaden anzurichten. Kommt es zur Lungenentzündung, haben sie sich bis auf die Lunge vorgearbeitet. Was bei Erwachsenen meist einfach mithilfe von Antibiotika zu behandeln ist, hält indes besonders hohe Risiken für Senioren bereit. Der Grund: Der Heilungsprozess dauert lang. Asthma kann die Folge sein.

6.) Mittelohrentzündung

Warum bekommen gerade Kinder so oft Ohrenschmerzen, die sich dann als Mittelohrentzündung entpuppen? Das hat einen rein biologischen Grund, denn die sogenannte Ohrtrompete ist noch weiter geöffnet als bei Erwachsenen – und damit steht auch Bakterien und Viren die Tür weiter auf, um ins Mittelohr vorzudringen. Da eine Mittelohrentzündung mit starken Schmerzen und Fieber verbunden ist, wird sie nur selten verkannt. Dennoch gilt: Wer diese Form der Folgeerkrankung nicht auskuriert, riskiert im schlimmsten Falle an einer Hirnhautentzündung zu erkranken.

7.) Nebenhöhlenentzündung

Erreichen Erkältungsviren die Nasenschleimhaut, nisten sie sich dort ein und vermehren sich rasend schnell. Die Folge: Eine Nasennebenhöhlenentzündung entsteht, die diese Symptome mit sich bringt:
- (temporärer) Verlust des Geruchssinns
- Druckschmerz beim in die Hocke gehen
- Schwellungen im Gesicht (unter den Augen)
- zäher Schleim in der Nase

Fazit: Prävention betreiben und Erkrankung auskurieren
Idealerweise übersteht man die Erkältungszeit also gesund oder mit einer überschaubaren und temporär begrenzten Erkältung. Was bei der Verwirklichung dieses Planes helfen kann, sind diese fünf Tipps, um gesund durch den Winter zu kommen.
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