So viel Geld verdient der Staat mit der Glücksspielsteuer pro Jahr

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Für Spieler sind die Fakten ein Dorn im Auge - Milliardensummen knöpft ihnen der Staat von ihren Gewinnen jährlich ab. Die Glücksspielsteuer leitet damit das Laster Einzelner zum Wohle der Allgemeinheit um. Doch wie viel verdient der Staat mit den einzelnen Arten des Glücksspiels und woran ist dann noch Kritik zu üben?

Der aktuelle Boom des Glücksspiels

Ein großes Umdenken in der Welt des Glücksspiels fällt auf das Jahr 2012 zurück. Zur damaligen Zeit erkannte der Staat das Erstarken der Online Casinos, die ihre Kunden zusätzlich mit einem Casino Bonus locken. Diese zogen immer mehr Spieler an und trieben damit den Glücksspielmarkt deutlich an. In diese Phase fällt zudem ein wahrer Gründungsboom, da immer mehr Unternehmen am Aufschwung partizipieren wollten. Welche Anbieter am Ende tatsächlich vertrauenswürdig sind und für die Anmeldung mit gutem Gewissen in Betracht gezogen werden können, stellt die Webseite JohnSlots noch einmal übersichtlich dar. Das Ziel der Behörden war es nun, den neuen Boom des Glücksspiels für eine konsequente Besteuerung zu nutzen. In der Folge wurde die Glücksspielsteuer in Höhe von fünf Prozent eingeführt, welche bis heute pauschal gültig ist. Während der Anteil der Abgaben also klar feststeht, wurden hinsichtlich der Entrichtung viele Fragen nicht beantwortet. Auf die Lücken im Gesetzesentwurf gehen damit auch die verschiedenen Steuermodelle zurück, wie sie die Buchmacher und Casinos in diesen Tagen verfolgen.

Doch wie sieht es nun mit der genauen Besteuerung der einzelnen Sparten aus? Grundsätzlich liefern die amtlichen Daten ein klares Bild, welches die aktuelle Lage des Marktes gut zusammenfasst. Demnach werden die folgenden Abgaben im Bereich des Glücksspiels erhoben:
• Lotto - Lotterieabgabe - 20 % des Einsatzes
• Sportwetten - 5 % des Einsatzes
• Rennwetten - 5 % des Wetteinsatzes
• Spielautomaten - Vergnügungssteuer, auf Landesebene kalkuliert


Die Tatsache, dass der Staat beim Lotto besonders große Einnahmen zu verbuchen hat, geht auf die starke Beteiligung am Unternehmen zurück. Auch aus diesem Grund hat der Staat ein Interesse daran, diesen Anbieter besonders zu fördern und ihn in eine starke Position gegenüber der Konkurrenz zu bringen. Ansonsten lässt sich lediglich im Bereich der Spielautomaten eine kleine Abweichung erkennen. Hier ist es nach wie vor die historische Vergnügungssteuer, welche die finanzielle Last bestimmt. Dieses föderalistische Element muss also weiterhin auf der Ebene der Länder entschieden und individuell behandelt werden.

Während es in der Vergangenheit noch notwendig war, sich außer Haus zu begeben, um an einem Spielautomaten zu spielen, ist dies aktuell direkt aus den eigenen vier Wänden möglich. Wer ohnehin anfällig für diesen besonderen Reiz ist, wird sich damit schnell in einer schwierigen Spirale wiederfinden. Unter dem Strich sind es leider auch die Spielsüchtigen, welche den aktuellen Boom in der Welt der Casinos formen und einzelne Unternehmen nach vorn bringen. Dies sollten auch die Träger der staatlichen Verantwortung stets im Blick behalten, wenn sie sich dem Thema nähern und durch die Gesetzgebung das Schicksal vieler Menschen leiten. In keinem Fall sollte allein die staatliche Bereicherung im Mittelpunkt stehen, wie es aktuell leider den Anschein hat.

Auch ein Blick auf die absoluten Summen, die angesichts dieser Belastungen jährlich in die Steuerkassen fließen, lohnt sich. Allein im Gebiet der Automatenspiele verdient der Staat jährlich eine Summe von rund 1,12 Milliarden Euro. Die Tendenz zeigt hierbei klar nach oben, was wiederum dem gestiegenen Aufkommen von Online Casinos geschuldet ist. Nicht zu vernachlässigen sind die weiteren Einnahmen, welche dem Staat aufgrund von Sportwetten und Lotto zufließen. Hier lag der Wert im Jahr 2016 bei 1,67 Milliarden Euro. Damit trägt das Glücksspiel insgesamt einen wichtigen Teil zum Staatshaushalt bei, auf den nicht so leicht verzichtet werden könnte.
Bereits dieser Umstand macht deutlich, wie wenig Interesse auch der Staat daran haben kann, das Glücksspiel einzudämmen und damit die Gefahr der Spielsucht zu reduzieren. Würden solche Projekte tatsächlich zum Erfolg führen, so wären die steuerlichen Einnahmen klar reduziert. Aus diesem Grund steckt der Staat in einer besonderen Doppelrolle, was den Umgang mit der Spielbranche angeht. Während einerseits der Schutz der Bürger gewährleistet sein sollte, geht es auf der anderen Seite um eine möglichst tragfähige Finanzierung des Haushalts, die sich eben auch auf diesen Posten stützt.

Gleichzeitig gibt es Beispiele aus anderen Ländern Europas, wie die Steuer funktionieren kann. So wird das Glücksspiel etwa in Großbritannien so stark besteuert, dass es aus der Sicht der Spieler unattraktiver wird. Finnland geht wiederum einen sehr nachhaltigen Weg. Dort wird etwa die Hälfte der steuerlichen Einnahmen durch das Glücksspiel wieder in Projekte zur Prävention investiert. Bereits im vergangenen Jahrzehnt gelang es auf diese Weise, die Zahl der Spielsüchtigen klar zu reduzieren. Der einzige Leidtragende dieser Herangehensweise war der finnische Fiskus, dessen Einnahmen sich während dieser Phase etwas verkleinerten.

Das Glücksspiel-Monopol in Deutschland

Ein weiterer Umstand, der die Komplexität der Lage deutlich unter Beweis stellt, ist das Glücksspiel-Monopol. Da der Staat an der Totto-Lotto GmbH maßgeblich beteiligt ist, wird diesem Akteur auf dem Markt eine Sonderrolle eingeräumt. Damit gab es nur noch für rund ein Dutzend privater Anbieter die Chance, eine dauerhafte Lizenz auf dem deutschen Markt zu erhalten. Eigentlich dürften sie ihre Angebote hierzulande also nicht legal unter die Verbraucher bringen und sie ihnen digital zur Verfügung stellen. An dieser Stelle kommen jedoch andere EU-Staaten ins Spiel, welche über eine lockere Gesetzeslage verfügen. Die Unternehmen verlegen ihre Hauptsitze in der Folge nach Malta oder Gibraltar, wo sie sehr günstig nach geltendem EU-Recht agieren können. Selbst in Deutschland haben sie angesichts dieser Regulierung die Möglichkeit, mit ihren Angeboten in eine rechtliche Grauzone zu treten. So ist ihr Angebot zwar nicht völlig legal, doch juristisch sind dem Staat die Hände gebunden.

Warum ist die Regulierung so wichtig?

Das eigentliche Problem, welches aus den Lizenzen anderer EU-Staaten entsteht, sind die fehlenden Steuereinnahmen. Denn diese fließen ebenfalls in die Länder, in denen sich der Hauptsitz der jeweiligen Unternehmen befindet. Experten gehen davon aus, dass dem deutschen Staat auf dieser Grundlage jährlich eine Summe von etwa einer Milliarde Euro verloren geht. Das Ziel der Verantwortlichen sollte nun also lauten, gegen diese Form der Steuerflucht noch entschiedener vorzugehen. Dafür wäre es zunächst notwendig, den Anbietern einen legalen Platz auf dem deutschen Markt zuzuordnen. Diese wären folglich dazu in der Lage, ihre Zentralen völlig legal in deutschen Städten zu eröffnen und dort an die Spieler zu treten. In der Gesamtheit steckt darin die Möglichkeit, die staatlichen Einnahmen in der Welt des Glücksspiels wieder zu erhöhen und damit beiden Seiten zu einem klaren Vorteil zu verhelfen.

Die Sicherheit der Spieler

Die richtige Regulierung eines Anbieters ist zudem wesentlich für die Sicherheit des Angebots verantwortlich. Denn sie schreibt den Unternehmen vor, die eigenen Einlagen strikt von denen der Spieler zu trennen. Somit ist selbst im Falle einer Pleite des Unternehmens dafür gesorgt, dass die Spieler an das Geld kommen können, welches sich noch auf ihrem Konto befand. Bekommt ein Unternehmen eine Lizenz auf EU-Basis ausgestellt, so wurde diese Aspekte bereits im Vorfeld genau von den Behörden untersucht. In diesem Moment ist also davon auszugehen, dass das Angebot legal in Anspruch genommen werden kann und keine Gefahr darstellt.
Hinzu kommt die Auswirkung der Regulierung auf die Zahlungswege. Diese müssen einerseits mit der SSL-Technik verschlüsselt sein. Dadurch ist es für dritte Personen nicht mehr möglich, die Daten der Spieler abzufangen und für finanziellen Schaden zu sorgen. Ebenfalls müssen die vorgeschriebenen Maßnahmen zur Prävention von Spielsucht eingehalten werden, wenn ein Unternehmen die anerkannte Lizenz erlangen möchte. Der Geldwäsche, welche im Bereich von Buchmachern und Casinos nach wie vor ein großes Problem darstellt, wird auf diesem Wege ebenfalls Einhalt geboten, um für mehr Sicherheit auf der Seite der Spieler zu sorgen.



Die Spieler können gewinnen - der Staat gewinnt immer

Blickt man aus dieser Perspektive auf das Thema Glücksspiel, so lassen sich leicht Parallelen zu Tabakwaren herstellen. Während einzelne damit ihre Gesundheit aufs Spiel setzen, verdienen Staat und Unternehmen hohe Summen. Beim Glücksspiel ist der Gewinn nur für einen einzigen Akteur garantiert - den Staat. Dieser hat in jedem Fall einen fünfprozentigen Anteil an den Umsätzen und kann dadurch mit Wohlwollen auf den aktuellen Boom in der Branche blicken. Auf der anderen Seite wird die Gewinnmarge der Unternehmen dadurch natürlich geschmälert, wenn sie ihren Kunden noch attraktive Angebote zur Verfügung stellen möchten. Die Doppelrolle des Staates allerdings, der einerseits die Spieler vor Spielsucht schützen und andererseits auf ihre Kosten Gewinne verbuchen möchte, bleibt in diesem Kontext mehr als zweifelhaft. Würden nicht einzelne Behörden ganz klar gegeneinander agieren, wäre es schließlich nicht möglich, diese Form der Handlung zu vollziehen.

Leider lässt sich nicht bis ins Detail nachvollziehen, wohin die durch die Glücksspielsteuer generierten Gelder fließen. Denn sie wandern direkt in die Steuerkassen von Bund und Ländern, wo sich ihre Spur verliert. Es kann am Ende also nicht mehr nachvollzogen werden, ob das Geld für neue Investitionen in Schulen, Infrastruktur und öffentliche Verkehrsmittel schließlich aus der klassischen Einkommenssteuer stammt, oder allein in der glitzernden Welt des Glücksspiels eingenommen wurde. Zumindest in Bezug auf die absoluten Zahlen, die in der Branche mittlerweile im Raum stehen, wurde inzwischen viel Transparenz für Spieler und Verantwortliche geschaffen. Dieser Umstand ist sehr zu begrüßen und rückt auch die Entwicklung in den kommenden Jahren in ein positives Licht.
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