Studie: Führt Digitalisierung zu mehr Belastung am Arbeitsplatz?

Die Digitalisierung führt zur Entgrenzung und Verdichtung der Arbeit: Der klassische Achtstundentag ist nur noch auf dem Papier Realität. (Foto: pixabay.com © FirmBee (CC0 1.0))
Die Digitalisierung bringt tief greifende Veränderungen der Arbeitswelt mit sich. Aus Sicht der Arbeitnehmer bedeutet das aber nicht automatisch eine Verbesserung – im Gegenteil. Eine Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) legt nahe, dass Beschäftigte in stark digitalisierten Arbeitsbereichen sich mehrheitlich einer höheren Belastung ausgesetzt sehen als früher.

Arbeitgeber in stark digitalisierten Arbeitsbereichen geben zu 46 Prozent an, dass ihre Arbeitsbelastung dadurch stärker geworden ist. 45 Prozent sehen keine Veränderung, nur neun Prozent fühlen sich durch die Digitalisierung entlastet. Diese Zahlen sind erste Ergebnisse der Befragung zum DGB-Index „Gute Arbeit“ 2016. Knapp 10.000 Beschäftigte hat der Deutsche Gewerkschaftsbund zu ihren Arbeitsbedingungen interviewt. Befragt wurden Menschen mit einer Wochenarbeitszeit von mindestens 10 Stunden aus allen Branchen, Regionen, Alters- und Einkommensgruppen.

Entgrenzung und Verdichtung der Arbeit

Der Befund, dass durch zunehmende Digitalisierung die Belastung der Mitarbeiter steigt, ist kein neuer. Schon im Januar kam das Bundesarbeitsministerium in einer Umfrage zu dem Ergebnis, dass zwei Drittel der Beschäftigten eine „Intensivierung der Arbeit durch technologische Neuerungen“ bemerken. Die Ursache dafür liegt vor allem in der digitalen Entgrenzung der Arbeit. Wer die Arbeit ins Home-Office mit nach Hause nimmt und rund um die Uhr auf dem Smartphone erreichbar ist, ist einerseits flexibler, wird aber oft auch über die reguläre Arbeitszeit hinaus beansprucht. Der klassische Achtstundentag bzw. die 40-Stunden-Woche ist in vielen stark digitalisierten Arbeitsbereichen nur noch auf dem Papier Realität. Neben der Verlängerung der Arbeitszeit kommt es zudem zu einer Verdichtung der Arbeit: Immer mehr Nachrichten, Telefonate und Meetings müssen absolviert werden, das tägliche Kommunikationspensum steigt durch die digitale Vernetzung oft rapide.

Der digitale Wandel gehört zu einer der größten Wachstumstreiber der Wirtschaft – gerade der Stellenmarkt in München und anderen Großstädten profitiert von den neuen, digitalen Möglichkeiten. Nun ist es die Aufgabe der Politik, dafür zu sorgen, dass die Nachteile dieser Entwicklung nicht allein bei den Arbeitnehmern hängen bleiben, so der Tenor der DGB-Studie. Bereits 2015 hat das Ministerium unter Andrea Nahles (SPD) deshalb den Dialog „Arbeiten 4.0“ ins Leben gerufen. Mit dem Projekt eines „Grünbuchs“ soll ein Gespräch in Gang gesetzt werden, „wie wir arbeiten wollen und welche Gestaltungschancen es für Unternehmen, Beschäftigte, Sozialpartner und Politik gibt“. Münden soll der Dialog in ein „Weißbuch Arbeiten 4.0“, in dem eine „Best Practice“ zu Fragen der Digitalisierung am Arbeitsplatz herausgearbeitet werden soll.

Die Chancen der Digitalisierung sind ungleich verteilt

DGB-Vorstand Amelie Buntenbach mahnte bei der Vorstellung der Studie an, dass die Digitalisierung nicht im Selbstlauf zu Entlastung führe. Es werde in der Debatte um „Arbeiten 4.0“ meist der Eindruck erweckt, „als wären die Chancen und Risiken der Digitalisierung der Arbeitswelt gleich verteilt. Die aktuelle Befragung zeigt allerdings, dass digitales Arbeiten bislang für fast die Hälfte der Beschäftigten dazu führt, dass die Belastungen steigen." Die DGB fordert daher, die neuen digitalen Möglichkeiten wie Home-Office und mobiles Arbeiten stärker politisch zu gestalten, um Stress und oftmals unbezahlte Überstunden einzugrenzen.

Die nun veröffentlichten Ergebnisse geben lediglich einen ersten Einblick in den Jahresreport des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Dieser wird im November erscheinen und widmet sich dem Schwerpunkt „Arbeit und Digitalisierung“.
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