Tagesgeld in Zeiten der Niedrigzinsphasen - lohnt sich eine Tagesgeld-Anlage überhaupt noch?

Abbildung 1: Auch wenn das Tagesgeld aktuell nur geringe Zinsen abwirft, ist es nach wie vor eine sehr beliebte Geldanlage in Deutschland. (Foto: Abbildung 1: @ janeb13 (CC0-Lizenz) / pixabay.com)
Spare was – dann haste was. Dieses Motto geben Großeltern ihrem Nachwuchs gern mit auf den Weg. In den letzten Jahren scheint dieses Motto zunehmend aus der Mode zu kommen. Die Kreditvergabe deutscher Banken reicht in die Milliarden. Allein im Dezember 2016 haben – so die Zahlen aus der Bundesbank-Statistik – die Banken bei den Konsumfinanzierungen an Haushalte mehr als 6,5 Milliarden Euro ausgereicht. Ein Grund, warum in der Vergangenheit das Volumen bei den Finanzierungen gestiegen ist, liegt sicher in den bereits seit Jahren niedrigen Zinssätzen. Die EZB (Europäische Zentralbank) hat wiederholt an der Zinsschraube gedreht.

Trotzdem: Das Thema Sparen verlieren deutsche Haushalte nicht aus den Augen. Allein im Bereich der Sparformen mit einer Kündigungsfrist von drei Monaten – zu denen auch das Sparbuch gehört – lagern bei den Banken immerhin noch mehr als 536 Milliarden Euro. Und wie sieht es beim Tagesgeld aus? Als täglich verfügbare Geldanlage hat das Ganze den Vorteil einer hohen Flexibilität. Gleichzeitig ist das Tagesgeld als Einlage bei Banken umfassend geschützt. Kein Wunder also, dass sich immer noch viele Sparer auch für diese Option entscheiden. Mit welchen Zinsen können Verbraucher an dieser Stelle rechnen? Eines vorweg: Lukrative Angebote gibt es heute nur dann, wenn sich Bankkunden mit diesem Thema etwas ausführlicher beschäftigen.

Wo liegt das Zinsniveau beim Tagesgeld aktuell?

Diese Frage ist pauschal nicht ohne weiteres zu beantworten. Seitens der Bundesbank werden zwar Statistiken zu Entwicklung der Zinsen – auch für den Sektor Tagesgeld – geführt. Allerdings handelt es sich an dieser Stelle um Mittelwerte.

Da die Guthabenzinsen vieler Banken hier inzwischen unter die Schwelle von einem Prozent gerutscht sind, entsteht ein falscher Eindruck. Richtig ist zwar, dass die in der Vergangenheit gezahlten Zinssätze von zwei Prozent aktuell bei keinem Anbieter eine realistische Zielgröße sind.

Sparer können dennoch Zinsen aufs Tagesgeld realisieren, die oberhalb der 1-Prozent-Marke liegen. Allerdings wird es schwer, diese Anbieter ohne einen Vergleich zu finden. Und noch etwas muss Sparern in diesem Zusammenhang klar sein. Banken mit einer vergleichsweise hohen Verzinsung für das Tagesgeld kommen nicht unbedingt aus Deutschland. Inzwischen wird dieses Produkt oft auch von Banken aus dem EU-Ausland angeboten. Welche besonderen Herausforderungen ergeben sich aus dieser Entwicklung?

Zinsniveau für Tagesgeld: Ein kurzer Überblick
- Durchschnittszins laut Bundesbank bei 0,07 Prozent p. a. (Januar 2017)
- Marktdurchschnitt kann falschen Eindruck erwecken
- Banken bieten vereinzelt bis zu 1 Prozent p. a.

Wie lassen sich attraktive Tagesgeldkonten finden?

Auch wenn die Zeiten für Zinssparer sicher nicht unbedingt besonders renditestark sind – Tagesgeld bietet immer noch fast jedes Kreditinstitut an. Also einfach auf zur nächsten Bankfiliale. Leider ist der Guthabenzins bei vielen Filialbanken ernüchternd.

Gibt es noch andere Wege, um Anbieter mit angemessen hohem Guthabenzins zu finden? Der Weg führt an dieser Stelle zum Tagegeldvergleich. Online lassen sich verschiedene Angebote schnell und unkompliziert mit wenigen Klicks gegeneinander ins Rennen schicken. Der Vorteil besteht natürlich nicht nur in der Zeitersparnis.

Anleger stoßen online sehr schnell auch auf Sonderangebote der Banken – wie Prämien oder besonders hohe Aktions-Zinssätze für das Tagesgeld bzw. die Kontoeröffnung oder Zinsgarantien. Letzteres ist ideal, wenn das Guthaben etwas länger „geparkt“ werden soll. Laut verivox.de gelten solche Zinsgarantien jedoch nur für Neukunden, die in den letzten 12 Monaten nicht Kunde der jeweiligen Bank waren.

Wie ist der Zinsausblick?

Für die Entscheidung, ob Guthaben in Form von Tagesgeld weiterhin ins Portfolio gehören sollen, ist der Ausblick auf die Zinsentwicklung entscheidend. An dieser Stelle sind Prognosen schwierig. Grundsätzlich wurde – unter anderem von der „Frankfurter Allgemeine“ für das Jahr 2017 eher von einer Stagnation – zumindest bei den Sparzinsen – ausgegangen.

Ob sich diese Haltung am Ende bewahrheitet, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu gehören:
- Konjunktur
- Innen- und Außenpolitik
- Finanzmarktentwicklung.

Speziell der Amtsantritt des 45. US-Präsidenten hat gezeigt, dass die Finanzmärkte und der globale Handel vor neuen Herausforderungen stehen.

Kommt es tatsächlich zu einem Handelskrieg zwischen den USA und China? Drohen Unternehmen in den USA Strafzölle für Importe? Oder werden die wirtschaftlichen Spannungen zwischen der EU und den Vereinigten Staaten dramatisch zugespitzt?
Jede der Antworten wird am Ende den Leitzins und damit auch die Zinssätze für das Tagesgeld beeinflussen. Und natürlich kann niemand voraussehen, welche Entwicklungen bis zu Jahresende Realität werden.

Worauf beim Tagesgeld aus dem Ausland achten?

Aufgrund der Tatsache, dass viele deutsche Banken beim Zins für das Tagesgeld eher am unteren Ende der Skala zu finden sind, gewinne Angebote aus dem Ausland an Attraktivität. Einige der Banken scheinen sogar gezielt auf den deutschen Sparer zuzugehen.

Welche besonderen Herausforderungen bringt das Ganze mit? Ein wichtiger Aspekt betrifft die Einlagensicherung. In Deutschland greift der gesetzliche Schutz für jeden Sparer bis 100.000 Euro. Darüber hinaus existieren freiwillige Sicherungsinstrumente wie der Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken. Im Ausland kann die Situation anders aussehen. Innerhalb der EU gelten zwar harmonisierte Regelungen zur gesetzlichen Einlagensicherung. Die Frage ist, wie leistungsfähig sind diese Ausfalleinrichtungen.

Ein zweiter Punkt betrifft die Steuern. Guthaben aus Zinsen werden allgemein als Kapitalertrag angesehen. Und nicht nur Deutschland erhebt auf diese eine Quellensteuer. Ob eine Befreiung von der ausländischen Steuerpflicht möglich ist oder inwiefern diese Steuern in Deutschland angerechnet werden, hängt vom Einzelfall ab.

Fazit: Mit dem Tagesgeld auf Flexibilität setzen

Das Thema Tagesgeld und Sparen ist derzeit eine nicht ganz einfache Verbindung. Schuld sind die niedrigen Zinsen für Sparguthaben. Angebote mit mehr als einem Prozent Zins p. a. existieren noch, sind in der Vergangenheit aber seltener geworden. Trotzdem bleiben Sparer diesem Produkt treu. Auf der einen Seite ist es schwierig, sichere und unkomplizierte Alternativen zu finden. Auf der anderen Seite hat das Tagesgeld einen entscheidenden Vorteil: Es ist so flexibel und jederzeit kündbar wie kaum ein anderes Sparprodukt am Markt. Zumal bei einer positiven Zinsentwicklung Sparer damit rechnen können, dass die Tagesgeldzinsen wieder anziehen.
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