Videospiele: Förderlich oder schädigend für die Entwicklung von Kindern?

Es ist die immerwährende Frage vieler Eltern: "Sind Videospiele gut oder schlecht für Kinder? Welche positiven und negativen Folgen hat Gaming für ihre Zukunft? Und wie gehen Erziehungsberechtigte am besten damit um?"

Kopfzerbrechen bereitet meist der männliche Nachwuchs, der sich mit virtuellen Abenteuern die Nächte um die Ohren schlägt und dabei gern mal Schule, Haushalt und den Familienhund vernachlässigt. Doch auch immer mehr Töchter werden sorgenvoll beäugt, denn laut dem Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) ist inzwischen fast jeder zweite Gamer weiblich.

Gaming fördert kindliche Entwicklung

Die Videospielindustrie generiert jedes Jahr Milliardenumsätze und ist damit inzwischen eine unverzichtbare Größe in der Weltwirtschaft. Indem die Vorzüge von Games immer mehr diskutiert und erforscht werden, hat sich auch der Ruf des beliebten Hobbys deutlich verbessert. Pädagogisch wertvoll sind nicht nur spezielle Denkspiele, die Kindern neben Mathematik und Physik auch analytische Perspektiven näher bringen und ihre motorischen und sprachlichen Fähigkeiten trainieren. Auch reine Unterhaltungsspiele sprechen bestimmte Hirnareale an und können die kindliche Entwicklung fördern. So vermitteln beliebte Titel wie "Minecraft" räumliches und abstraktes Denken. Googeln Sie ruhig mal: Sie werden verblüfft sein, welch komplexe Bauwerke geübte Spieler gemeinsam kreieren!


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Gaming als Kunstform?

Ebenso werden immer mehr Gamer-Stimmen laut, die entgegen aller Kritik die Anerkennung von Videospielen als Kunstform fordern. Weit hergeholt ist dies nicht, da bei der Videospielentwicklung viele kreative Aspekte wie Bild- und Filmästhetik zum Tragen kommen. Zuspruch erhält diese Gruppe von immer mehr Künstlern, die sich der Branche offen zuwenden – wie etwa Franz Bader, Dirigent beim Bobinger Musikverein, der die Soundtracks von beliebten Videospiele als Chorgesänge und Orchesterstücke neu interpretiert.

Berufswunsch: Spieleentwicklung

Die Vielseitigkeit des Mediums macht auch für eine Karriere in der Gaming-Branche immer attraktiver und stellt auch für Heranwachsende eine reiz- wie sinnvolle Zukunftsperspektive dar. Laut dem BIU arbeiten in Deutschland aktuell 11.140 Menschen in 460 Unternehmen an der Entwicklung und Verlegung von Videospielen. Wer mitmischen will, hat mit einem abgeschlossenen Studium an der Hochschule Augsburg realistische Chancen: Hier kann man sich innerhalb des Bachelor- und Masterstudiengangs "Interaktive Medien" auf den Bereich "Game Development" spezialisieren und sich notwendige Fachkenntnisse aus den Bereichen IT, Design und Dramaturgie aneignen.

Risiko-Faktor Suchtpotenzial

Natürlich steht diesen positiven Aspekten nach wie vor die berechtigte Frage nach dem Suchtpotenzial von Videospielen gegenüber. Bei besonders zeitintensiven Online-Rollenspielen und Mobile Games wie "Pokémon GO!" kann schnell der Eindruck entstehen, die Jugend würde gar nicht mehr von den Bildschirmen wegkommen. Statistisch gesehen entwickelt aber tatsächlich nur ein Bruchteil eine ernstzunehmende Abhängigkeit. Häufiges Daddeln muss noch lange kein Grund zur Beunruhigung sein. Eine Sucht liegt nämlich erst dann vor, wenn das Kind andere Aspekte des täglichen Lebens stark vernachlässigt – wenn zum Beispiel die Verweigerung der Hausaufgaben und häufiges Schulschwänzen die Noten verschlechtern. Weitere Warnhinweise, die auf eine Sucht der kleinen Zocker hinweisen, zeigt dieses Video.

Die Verantwortung der Eltern

Aus Angst vor solchen Problemen sollten Sie aber keinesfalls ein strenges Verbot verhängen, schließlich sind Games ein wichtiger Teil der heutigen Jugendkultur. Es liegt jedoch in Ihrer Verantwortung, den Videospielkonsum mit etwas Zurückhaltung zu beobachten und im Zweifelsfall zu reglementieren. Beide Elternteile sollten sich in Fachgeschäften oder im Internet über die Lieblingsspiele ihrer Kinder informieren. Bei Videospielen für die Konsole reicht schon ein Blick auf die Verpackungsrückseite. Bei Online- und Browsergames wiederum vereinfachen spezielle Rubriken wie "Mädchenspiele" die Auswahl. So handeln Titel dieses Subgenres weniger von Schießereien, Krieg und Explosionen und umfassen stattdessen Pferdezucht-Simulationen, Fashion-Games und Knobelspiele.

Wenn Eltern den liebsten Zeitvertreib des Nachwuchses ernstnehmen und sich zusammen mit ihren Kindern damit auseinandersetzen, kann Zocken eine entwicklungsfördernde und unterhaltsame Freizeitaktivität sein, statt zu einem lästigen Problem zu werden.

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