Wie Sie den schlechten Anzug Ihres Geschäftspartners entlarven

Gehören Sie vielleicht zu denjenigen, denen ein guter Anzug nicht viel bedeutet? Die davor zurückschrecken, 1.000 Euro für einen Maßanzug auszugeben, wenn ein Billig-Zweiteiler von der Stange auch ausreicht? Es merkt doch sowieso keiner, wahrscheinlich kümmert es niemanden – falsch gedacht! Viele Vertreter der Businesswelt erkennen einen schlechten Anzug schon auf den ersten Blick, denn das ist gar nicht so schwierig, wie Sie vielleicht denken. Wahre Anzug-Enthusiasten schließen anhand schlechter Kleidung schnell auf eine schwache Persönlichkeit. Denn Gentleman-Papst Bernhard Roetzel verrät: "Es geht um die Darstellung von Status und Kompetenz." Wenn Sie die folgenden, simplen Qualitätskriterien eines guten Anzugs kennen, brauchen Sie keine Sorge mehr zu haben, dass Ihr Gesprächspartner auf der Firmengala heimlich über Sie urteilt. Noch besser: Sie können dann selbst die Garderobe Ihres Gegenübers bewerten!

Der richtige Zwirn

Im Allgemeinen wird Ihnen zuerst das Label auffallen, das der namhafte Hersteller gerne gut sichtbar auf seinem Produkt anbringt. Aber eine bekannte Marke spricht noch nicht automatisch für einen guten Anzug, da manche Fabrikanten deutlich überteuerte Modelle anbieten. Viel wichtiger ist die Qualität des verwendeten Stoffs. Diese erkennen Sie, mit etwas Geduld, im Laufe des Abends – nämlich daran, ob der Anzug von Stunde zu Stunde knitteriger wird oder nicht. Wiederum schon beim Händeschütteln erkennbar ist die Verarbeitung des Stoffs an den Schultern: Schlägt er dort Wellen, war der Hersteller nicht gründlich genug. Haben Sie einen guten Eindruck, fragen Sie ruhig mal nach dem Ursprung des Gewebes – besonders feine Stoffe kommen meist aus Italien oder England.

Von geschickten Fingern

Handarbeit ist immer ein ausschlaggebendes Kriterium für Qualität. Sie ist zum Beispiel daran erkennbar, dass sämtliche Nähte, wie die gut sichtbare "Schneiderkante" an den Außenrändern des Revers, minimal unregelmäßige Abstände aufweisen. Die Knöpfe, einschließlich die an den Ärmeln, sollten funktionstüchtig sein, aus Naturmaterialien wie Horn oder Perlmutt bestehen und von Hand umsäumt sein. Ein sauberes Muster, das auch über die Nähte bruchlos hinwegführt, ist ein weiteres Gütemerkmal. Weitere hilfreiche Tipps, wie Sie einen guten Anzug erkennen können, finden Sie in diesem Artikel. Am besten sind Sie natürlich immer mit einem Maßanzug beraten, denn bei einem perfekten Auftreten geht es nicht nur um die bloße Qualität des Zwirns, sondern auch um die perfekte Passform und Individualität. Letzterer können Sie mit feinen Extras wie speziell angefertigten Knöpfen Ausdruck verleihen.

Ebenso wichtig: Das Business-Hemd

Auch wenn das Sakko Ihres Gegenübers einen Großteil seines Hemdes verdeckt, gibt es ein paar Details, auf die Sie beim Garderobencheck achten können: Die sogenannten "collar bones", herausnehmbare Kragenstäbchen, können Sie zwar nicht sehen, aber die perfekte Wölbung des Kragens verrät, dass sie da sind. Weiterhin ist relevant, dass Ihnen keine Einsparungen beim Material auffallen. Rutscht Ihrem Geschäftspartner beim Hinsetzen oder Vorbeugen das Hemd aus der Hose und muss er es wieder peinlich berührt reinstecken, hat der Hersteller offensichtlich nicht genügend Stoff verwendet. Deshalb sollte man sich auch hier an einen Herrenausstatter vor Ort oder im Netz wenden. Weitere aussagekräftige Qualitätsmerkmale von Hemden finden sich in dieser Checkliste.

Mehr Hinweise anhand von Accessoires

Ebenfalls auf Augenhöhe befindet sich die Krawatte, die im besten Fall gerade geschnitten sein und sich nicht auffällig verdrehen sollte. Scharfe Bügelkanten deuten auf eine maschinelle Fertigung hin. Mit etwas Übung können Sie auch den Unterschied zwischen tief schimmernder Seide und schlichtem Polyester erkennen. Das Schuhwerk ist weniger in Ihrem Blickfeld, liefert aber bei genauerer Betrachtung wertvolle Hinweise auf den Stil des Trägers. Glänzende Kleberänder sind genauso alarmierend wie hervorstehende Nähte. Letztere müssen zwar nicht unbedingt auf schlechte Qualität hinweisen, verraten aber, dass Ihr Gegenüber seine Treter schon seit Ewigkeiten trägt. Wenn er mit dem Fuß wippt oder läuft, ist dies übrigens der perfekte Moment, um auf das Oberleder zu achten: Wirft es zu viele Falten, wurde wohl sehr viel Farbe verwendet – ein Trick, um minderwertiges Leder zu kaschieren.

Von einer genaueren Überprüfung der Anzughose Ihres Gesprächspartners raten wir Ihnen übrigens ab, da ein zu aufmerksamer Blick auf diesen Körperbereich schnell zu unangenehmen Missverständnissen führen könnte …


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