26-Jähriger greift Sanitäter mit Bunsenbrenner an: Täter entschuldigt sich im Prozess am Augsburger Gericht

Der Täter stand nicht das erste Mal vor Gericht, wie man ihm bei der Verhandlung anmerkte. (Foto: 123rf.de)

Ein sichtlich verwirrter, junger Mann griff am 18. März des vergangenen Jahres zwei Sanitäter an. Er beschimpfte sie – und bedrohte sie schließlich mit einem Bunsenbrenner. Nun musste er sich vordem Augsburger Amtsgericht verantworten. Seine Tatwaffe wollte der Angeklagte nicht zurück.

Sanitäter mit Bunsenbrenner bedroht

Am Tag der Tat hatte gegen 18.30 Uhr ein Passant einen Rettungswagen aufgehalten und die zwei Rettungssanitäter um Hilfe gebeten, den jungen Mann unter Kontrolle zu bekommen. Dieser war durch aggressives Verhalten aufgefallen. Die Sanitäter, die eigentlich auf dem Weg zu einem anderen Einsatz waren, begrüßte der 26-Jährige mit den Worten: „Verpisst euch!“.

Direkt darauf versuchte der offensichtlich unter Drogen stehende Mann, auf die beiden Sanitäter loszugehen. Plötzlich zog er einen Bunsenbrenner und betätigte ihn. Zum Glück war dieser funktionsuntüchtig und ersparte den Sanitätern damit schwere Verletzungen.

Entschuldigung des Täters vor Gericht

Während der Verhandlung zeigte sich der Angeklagte ruhig und einsichtig, ihm war anzumerken, dass dies nicht das erste mal im Gericht für ihn war. Einer der beiden Sanitäter, der als Zeuge aussagte, akzeptierte die Entschuldigung des Angeklagten zwar, wollte sie jedoch nicht annehmen. Ein anderer Zeuge riet dem 26-Jährigen:„Finger weg von dem Zeug“. Denn nach eigenen Angaben hatte der Angeklagte zum Zeitpunkt der Tat „Kräutermischungen“ konsumiert.

„Sie haben gezeigt, Geldstrafen halten sie nicht ab“

Am Ende der Beweisaufnahme fragte der Richter den Angeklagten, ob er denn den Bunsenbrenner zurück habe wolle. Dies beantwortete der 26-Jährige mit einem knappen: „Nein“.
Das Amtsgericht verurteilte ihn zu acht Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung, zudem 275 Stunden gemeinnütziger Arbeit, ebenso muss er auch für die Gerichtskosten aufkommen. Eine weitere Geldstrafe gab es nicht. „Sie haben gezeigt, Geldstrafen halten sie nicht ab“, so der Richter.

Angriffe auf Hilfskräfte nehmen seit rechtlicher Verschärfung ab

Gerichtsverhandlungen wegen Übergriffen auf Rettungssanitäter sind keine Seltenheiten. Schon 2011 gab es eine Verschärfung des Paragrafen 114 , auch wer an Unglückstellen Hilfskräfte belästigt oder behindert, wird nun bestraft. Einer der Rettungssanitäter bestätigte: „Seit der Änderung nehmen die Angriffe ab“. Vor allem aber aufgrund von Übergriffen auf Polizisten steht eine weitere Verschärfung des Gesetzes in der Diskussion.

Seine 257 Stunden gemeinnützige Arbeit darf der Angeklagte wahrscheinlich in seiner therapeutischen Einrichtung ableisten. Bereits im vergangenen Jahr begab er sich freiwillig in Therapie. Dort macht er laut seinem Betreuer „äußerst positive Entwicklungen“.
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