37-Jähriger gesteht schweren Missbrauch einer 9-Jährigen

Ein 37-Jähriger hat vor Gericht den schweren Missbrauch einer 9-Jährigen gestanden. (Foto: 15092745_©Robert Wilson-123rf.de)

Nur an der Hand ihrer großen Schwester traute sich die 9-Jährige in den Gerichtssaal. Gestern begegnete sie dort ihrem Peiniger Paul L. (Name geändert), der sie vergangenes Jahr mehrmals sexuell missbraucht hatte. Wegen acht Fällen des sexuellen Missbrauchs sowie fünf Fällen des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern musste sich der 37-Jährige nun vor dem Amtsgericht Augsburg verantworten.

Mit ihrer Mutter und dessen Lebensgefährten habe das Mädchen einmal einen Ausflug ins Schwimmbad unternommen. Unter der Dusche habe die 9-Jährige in den Schritt des Mannes gegriffen und ihre Tat damit begründete, dass sie das bei L. auch immer machen müsse. So sei die Mutter des Mädchens auf das Geschehen aufmerksam geworden, schilderte eine Polizeibeamtin vor Gericht.

Da L.s Lebensgefährtin die Taufpatin des Opfers ist, war die Kleine dort regelmäßig zu Besuch. Auf L.s Schoß sitzend spielten Opfer und Täter gemeinsam Computer. Dabei führte er seine Hand in ihre Hose und berührte sie im Intimbereich. Die Forderungen des Mädchen damit aufzuhören, da sie dabei Schmerzen erleide, ignorierte er. Bei Gelegenheit ergriff sie die Flucht. Im Schlafzimmer kam es zu weiteren Vorfällen, in denen sich der 37-Jährige vor den Augen des Mädchens selbst befriedigte und sie in fünf Fallen auch zur Durchführung zwang.

„Es ist alles wirklich so geschehen“, gestand L. über seinen Rechtsanwalt Moritz Bode. „Meinem Mandaten tut es furchtbar leid.“ Die Frage seitens der Staatsanwaltschaft, ob er sich zu Kindern hingezogen fühle, verneinte der Angeklagte: „Es war eine Ausnahmesituation. Ich kann mir selber auch nicht erklären, wie das passiert ist.“ Nach seiner Festnahme im vergangenen September hatten die Beamten auf seinem Laptop jedoch zahlreiche Kinderpornografien gefunden, auf denen nach Angaben des Richters Günther Baumann relativ junge Kinder zu sehen waren. Auf die Frage des Richters, wie seine Lebensgefährtin, die gegen Ende der Verhandlung im Saal erschien, zu seinen Handlungen stehe, antwortete L.: „Begeistert ist sie nicht. Wir hatten noch nicht viel Zeit darüber zu reden.“

Vor der Urteilsverkündung entschuldigte sich L. nochmals unter Tränen. Er wolle sich einer Therapie unterziehen, um sich seine Tat selbst erklären zu können. Das Jugendschöffengericht verurteilte L. zu einer Freiheitsstrafe von insgesamt drei Jahren und sechs Monaten.

Da L. sich vor Gericht von Anfang an geständig zeigte, konnte auf Aussagen des Mädchens verzichtet werden. Lediglich um sich ein Bild des „kleinen, jungen und zerbrechlichen Mädchens“, zu machen, so Richter Baumann, wurde sie in den Saal gerufen. Wie es ihr gehe, war die einzige Frage, die er der 9-Jährigen stellte. Darauf antwortete sie: „Besser.“

Michéle Böswald
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2 Kommentare
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Angelika Oetken aus Augsburg - City | 23.01.2016 | 13:17  
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Angelika Oetken aus Augsburg - City | 23.01.2016 | 16:34  
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