41-Jähriger aus Rheinland-Pfalz täuscht in Augsburg Überfall durch „zwei Moslems“ vor

Das Gericht verhängte eine Freiheitsstrafe. (Foto: Sebnem Ragiboglu-123rf.de)

Ein obdachloser Mann musste sich wegen Vortäuschung einer Straftat vor dem Augsburger Amtsgericht verantworten. Im vergangenen Jahr hatte der 41-Jährige die Polizei gerufen und behauptet, überfallen worden zu sein. Das brisante dabei in Zeiten wie diesen: Er beschrieb die vermeintlichen Täter als „zwei Moslems“.

Robert W. (Name geändert) war am 19. September vergangenen Jahres auf dem Weg von Österreich nach Mainz. Sein Ziel war Ingelheim am Rhein, eine Kleinstadt bei Mainz, wo sich das Obdachlosenheim befindet, in dem der Angeklagte gemeldet ist. Weil er kein Geld für ein Zugticket hatte und, wie er vor Gericht bekundete, gezwungen war, schwarz zu fahren, stieg er an beliebigen Haltestellen aus, um das Risiko, von einem Kontrolleur erwischt zu werden, zu reduzieren.

Der Angeklagte sagte vor Gericht, dass er seit seinem 19. Lebensjahr an einer Psychose, leide, ausgelöst durch den Drogenkonsum in seiner Jugend, weswegen er es ständig mit Angstzuständen und Panikattacken zu tun habe.

41-Jähriger strandete am Augsburger Hauptbahnhof

So erging es ihm auch im Zug auf dem Weg nach Mainz: „Der Druck war irgendwann einfach zu groß. Ich hab es nicht länger ausgehalten und musste raus“, beschrieb der Angeklagte die Situation.

Schließlich stieg der 41-Jährige am Augsburger Hauptbahnhof aus. Da es zu regnen begann, suchte er nach einem möglichen Schlafplatz. Doch in einer Stadt, in der man sich erst seit wenigen Minuten befindet und mit 47 Cent im Geldbeutel, ist dies nicht so einfach. Aus Verzweiflung begab sich der Obdachlose in eine Deutsche-Bank-Filiale in der Innenstadt und rief die Polizei mittels eines Notrufmelders an einem der Geldautomaten an. In dem Anruf behauptete Robert W., zwei „Moslems“ hätten ihn vor dem McDonalds angegriffen, zu Boden gestoßen und seine Geldbörse samt 300 Euro entwendet.

Die Polizei erkannte die Widersprüche vor Ort und nahm den Mann in Gewahrsam. Der Angeklagte erklärte der Polizei, er habe eine psychische Krankheit und sei nicht in der Lage, kontrolliert zu handeln.

Überfall: Alles frei erfunden

Letztendlich gab er zu, alles frei erfunden zu haben und entschuldigte sich bei den Beamten. Auf die Frage des Richters, wieso er die Polizei für einen ausgedachten Vorfall einschalten ließ, gab der Angeklagte zu, er habe Hoffnung gehabt, dass ihn die Polizei durch die Festnahme nach Ingelheim fahren würde, da ihm nichts anderes eingefallen sei, um dort hinzukommen.

Auf die Frage danach, warum der Angeklagte ausgerechnet „Moslems“ als mutmaßliche Täter genannt habe, antwortete Robert W., das sei einfach so aus ihm herausgeplatzt.

Der Richter konnte „halbwegs nachvollziehen“, dass der Angeklagte die Polizei gerufen hatte, um nach Hause zu kommen. Er verurteilte Robert W., der sich vor Gericht einsichtig zeigte, schließlich zu einer Freiheitsstrafe von drei Monaten ohne Bewährung.
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