60.000 Euro für eine Beleidigung: Der Streit um das Parkhaus an der Augsburger Kongresshalle geht weiter

Der Streit zwischen Lotter und Spielberger führte bis zu einem Stein, der die Einfahrt in das Parkhaus teilweise versperrte. Auch wenn dieser nun beseitigt wurde sind die Streitereien zwischen den beiden noch lange nicht geklärt. (Foto: Archiv)

Der langjährige Streit um das Parkhaus an der Kongresshalle ging am Mittwoch vor dem Augsburger Amtsgericht weiter. Denn: Der Miteigentümer Anton Lotter hatte im November des vergangenen Jahres Bernhard Spielberger, ein weiteren Eigentümer, als „am Rande der Legalität operierenden Psychopathen“ betitelt. Gegen den daraufhin erteilten Strafbefehl in Höhe von 50.000 Euro wegen Beleidigung hatte er nun Einspruch eingelegt.

Der 79-jährige Lotter ist Eigentümer von 300 Stellplätzen im Parkhaus an der Kongresshalle. Weitere 100 Parkplätze sind Eigentum des 49-jährigen Spielbergers.
Ziel des 79-Jährigen war es, das Parkhaus nach seinem Kauf zu sanieren und anschließend zu vermieten. Wie er vor Gericht erklärte, hätten das Parkhaus und der Hotelturm für ihn nicht nur einen finanziellen sondern auch einen persönlichen Wert, da er an dem Bau der Anlage beteiligt gewesen sei.

Der Geschädigte hingegen verfolgte beim Kauf das Ziel, 42 Wohnungen über dem Parkhaus zu errichten. Da dieser Plan nur schwer umzusetzen sei, wolle er die Anlage nun abreißen und anschließend einen Neubau errichten. Einigkeit der beiden Parteien war also nicht in Sicht. Auch nach verschiedensten Angeboten und Gutachten bezüglich Brandschutz und Statik konnte keine Lösung gefunden werden. So äußert sich auch Spielberger zu den Streitereien „Ich bin kein Diplomat“.

Der Streit zwischen den beiden Parkplatz-Eigentümern schaukelte sich über die Jahre immer weiter hoch, bis Lotter schließlich „aus der Emotion heraus“ eine E-Mail verfasste, in der er erklärte, dass es sich bei dem 49-Jährigen nur um einen „am Rande der Legalität operierenden Psychopathen“ handle. Anschließend sendete er die E-Mail allerdings nicht nur an die zuständige Hausverwaltung, sondern unter anderem auch an die Augsburger CSU- sowie die SPD-Fraktion.

Vor Gericht stand zunächst die Frage im Mittelpunkt, wer denn nun als Psychopath gilt und wer nicht. Laut Rechtsanwältin Stefanie Günzel seien etwa fünf Prozent der Bevölkerung betroffen. Sie stellte einen Antrag, den psychischen Zustand des Geschädigten zu untersuchen. Der Richter allerdings wies ausdrücklich darauf hin, dass man Spielberger nicht zu einer solchen Untersuchung zwingen und in Folge dessen auch nicht beurteilen könne, ob es sich bei ihm um einen Psychopathen handle. Der Geschädigte selbst bestritt eindeutig, psychologisch behandelt worden zu sein.

Lotter gestand schließlich mit den Worten „Das war ein Blödsinn“ sein Fehlverhalten ein. Das Angebot des Richters, die Strafe auf 15.000 Euro herabzusetzen, lehnten er und seine Anwältin zunächst trotzdem ab. Am Ende der Verhandlung sah das freilich anders aus, denn das Gericht verurteilte den 79-Jährigen zu einer Geldstrafe von 60.000 Euro.

Höhe der Strafe hängt vor allem mit dem guten Verdienst des Angeklagten zusammen


Ausschlaggebend für das Urteil sei die Uneinsichtigkeit vonseiten der Anwältin gewesen, die statt entgegenkommend mit der Forderung nach psychologischen Gutachten reagiert habe. Die Rechtsanwältin hatte außerdem verlangt, weitere Zeugen zu vernehmen, um zu bestätigen, dass der Geschädigte sich im Streit um das Parkhaus immer wieder provokant und nicht nachvollziehbar verhalten hätte. Ihr Mandant sei nicht der Einzige, mit dem Spielberger immer wieder Streit suche. Er sei noch in zahlreiche weitere Fälle verstrickt, die vor Gericht verhandelt würden. Die Höhe der Strafe hängt indes vor allem mit dem guten Verdienst des Angeklagten zusammen.

Wie es mit dem Parkhaus weitergehen soll, ist nach wie vor nicht klar. Die Streitigkeiten zwischen Lotter und Spielberger werden so schnell wohl kein Ende nehmen.
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