Ärger mit den Heizkosten

Jeder Mieter kennt das. Je nach Winter fällt die Nebenkostenabrechnung mehr oder weniger unerfreulich aus. Was ist aber, wenn die Nebenkostenabrechnung falsch ist? Das zu erkennen ist mitunter schwierig und war jetzt Gegenstand eines Rechtsstreits zwischen Mieter und Vermieter beim Amtsgericht Augsburg. (Foto: ©tom_u-123rf.de/ Symbolbild)

Jeder Mieter kennt das. Je nach Winter fällt die Nebenkostenabrechnung mehr oder weniger unerfreulich aus. Was ist aber, wenn die Nebenkostenabrechnung falsch ist? Das zu erkennen ist mitunter schwierig und war jetzt Gegenstand eines Rechtsstreits zwischen Mieter und Vermieter beim Amtsgericht Augsburg.

Der Vermieter, eine Genossenschaft, verklagte den Mieter auf Zahlung der Heizkosten für die Jahre 2011 und 2012 in Höhe von 872,56 und 1907,99 Euro. Der Mieter verteidigte sich gegen die Klage und stellte die ordnungsgemäße Abrechnung der Heizkosten in Frage. Ihm schien sein Verbrauch deutlich zu hoch bemessen.

In dem Mietshaus war eine nicht isolierte Einrohrheizung verbaut. In heizungsnahen Wohnungen geben die Leitungen selbst bereits so viel Wärme ab, dass die Bewohner die Heizungskörper mitunter kaum benutzen müssen. Andere Mieter müssen ihre Heizkörper gezwungenermaßen mehr aufdrehen, um eine vergleichbare Wärmeleistung erreichen zu können. Sie finanzieren dadurch die nicht beeinflussbare Abwärme der Rohre mit.

Aus diesem Grund werden, wenn bestimmte Grenzwerte überschritten sind, entsprechende Richtlinien (VDI 2077) zur Erstellung einer gerechteren Heizkostenabrechnung für alle Mieter verwendet. Dabei wird die vom Mieter nicht beeinflussbare Wärmeabgabe von Rohrleitungen bei der Abrechnung durch die Abrechnungsfirma dadurch berücksichtigt, dass bei der Abrechnung die Wohnungsgröße ein größeres Gewicht bekommt. Die Gesamtheizkosten eines Gebäudes bleiben gleich, nur der Anteil des abgelesenen Verbrauchs an den Heizkosten wird so reduziert. Das kann dazu führen, dass bei Umstellung der Heizkostenabrechnung durch eine gerechtere Verteilung der entstandenen Kosten einige Mieter entlastet und andere Mieter entsprechend belastet werden.

Das Gericht kam in seinem Urteil zu dem Ergebnis, dass diese Abrechnungsmethode nach der Richtlinie VDI 2077 aber auch dann anzuwenden ist, wenn die nicht isolierte Rohrleitung in der Wand oder im Estrich verlegt, also gerade nicht freiliegend, ist. Nach Angaben des Sachverständigen führt nämlich eine in der Wand oder im Estrich verlegte, nicht isolierte Rohrleitung zu einer noch effektiveren Wärmeabgabe an den Raum. Aus Sicht des Gerichts ist die Richtlinie VDI 2077 anzuwenden.

Besteht in einem Mietshaus ein Rohrwärmeproblem aufgrund einer verbauten Einrohrheizung, so sind nach dem Urteil des AG Augsburg Vermieter rechtlich verpflichtet eine Abrechnung nach der Richtlinie VDI 2077 bei der Abrechnungsfirma zu beantragen.

Im Ergebnis musste der Mieter im aktuellen Fall durch die Nichtberücksichtigung der Richtlinie VDI 2077 massive, nicht verursachergerechte Kostenverzerrungen hinnehmen. Die Heizkostenabrechnungen waren daher fehlerhaft und wurden neu berechnet.

Die Heizkosten reduzierten sich für den Mieter durch die Neuberechnung um etwa 50 Prozent. Das Gericht verurteilte den Mieter entsprechend zur Zahlung der reduzierten Heizungskosten. Das Urteil ist rechtskräftig.
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