Anklage gegen 15-Jährigen

Ein 15-Jähriger muss sich demnächst unter anderem wegen schwerer räuberischer Erpressung verantworten. Der Verhandlungstermin steht noch nicht fest. (Foto: justizia_© tom_u 123rf.de)


Gegen den 15 Jahre alten jungen Mann, der im Januar im Wald zwischen Kühbach und Oberwittelsbach mehrere Frauen überfallen haben soll, ist jetzt Anklage erhoben worden. Wie Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai mitteilte, wird er sich wegen schwerer räuberischer Erpressung, sexueller Nötigung sowie gefährlicher und vorsätzlicher Körperverletzung vor dem Jugendschöffengericht am Amtsgericht in Augsburg zu verantworten haben.

Dem syrischen Flüchtling wird vorgeworfen, am Freitag, 8. Januar, gegen 9 Uhr zwei 46 und 50 Jahre alten Frauen im Oberwittelsbacher Wald aufgelauert zu haben. Er soll die zwei Joggerinnen mit einem Brotmesser, dessen Klinge 20 Zentimeter maß, bedroht haben, um sie dazu zu bringen, ihm Mobiltelefone und Geld herauszugeben sowie ihn zu küssen. Sein Vorhaben misslang, weil die Frauen fliehen konnten. Etwa eine halbe Stunde später, führt Nickolai aus, habe der 15-Jährige eine 56-Jährige mit dem Messer bedroht und deren Mobiltelefon verlangt. Sie gab ihm ihr Handy, er schubste sie zu Boden und berührte sie unsittlich.

Doch nicht nur wegen der Vorfälle im Wald, nach denen eine Großfahndung nach dem Täter lief, in deren Rahmen er schließlich gegen Mittag in einem Heim für jugendliche Flüchtlinge in Rapperzell festgenommen wurde, werden dem Syrer vorgeworfen. Bereits Anfang Oktober 2015 soll er in der Schule seines damaligen Aufenthaltsorts in Neuendettelsau einen 27-jährigen Sportlehrer beschimpft, gewürgt und geschlagen haben, als dieser ihn aufforderte, die Turnhalle zu verlassen und zum Sprachunterricht, zu dem er eingeteilt worden war, zu gehen. Beim Verlassen der Halle ließ er seinen Frust an einem elf Jahre alten Kind aus. Den Buben, der am Boden saß, trat er laut Staatsanwaltschaft mit dem Fuß ins Gesicht und auf ein Knie. Als der Sportlehrer daraufhin einschritt, biss er ihn.

Am selben Abend randalierte der 15-Jährige in seiner Unterkunft. Er provozierte einen Betreuer und bedrohte ihn mit einem etwa zwölf Zentimeter langen Messer, weil er einen Gemeinschaftslaptop haben wollte. Als er überwältigt wurde, trat er einen 17-jährigen Mitbewohner mit dem Fuß gegen den Oberschenkel.

Für Erwachsene läge die zu erwartende Strafe für all diese Delikte zwischen einem Monat und 15 Jahren.

Im Jugendstrafrecht, das bei einem 15-Jährigen immer zur Anwendung kommt und im Wesentlichen von der Idee, man könne ihn erziehen, geprägt ist, kommen stets geringere Strafen heraus.

Im Fall des Syrers kommen voraussichtlich eine Jugendstrafe zwischen sechs Monaten und zehn Jahren sowie sogenannte Zuchtmittel, als da wären eine Verwarnung, gewisse Auflagen wie etwa ein Anti-Aggressionstraining oder auch ein Jugendarrest, in Betracht.

Der 15-Jährige befindet sich seit seiner Festnahme Anfang Januar nicht mehr im Kreis Aichach-Friedberg, sondern in Untersuchungshaft.

Ein Termin für die Hauptverhandlung wurde noch nicht bestimmt. Zuständig ist das Gericht in Augsburg, weil es sich um eine Haftsache handelt. (Monika Grunert Glas )
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