Anklage gegen Mitglieder der "Zwölf Stämme"

Gegen einige Mitglieder der Glaubensgemeinschaft "Zwölf Stämme" wurde Anklage erhoben. (Foto: justizia_© tom_u 123rf.de)

Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen drei Männer im Alter von 43, 54 und 57 Jahren, alle Mitglieder der Glaubensgemeinschaft „Zwölf Stämme“, wegen Misshandlung Schutzbefohlener und gefährlicher Körperverletzung erhoben.

Den Angeklagten wird zu Last gelegt, als sogenannte „Älteste“, beziehungsweise als Lehrkräfte zwei jetzt 21 und 23 Jahre alte Geschwister im Zeitraum 2004 bis 2006 in insgesamt sechs Fällen den Regeln der Glaubensgemeinschaft folgend, wegen Regelverstößen mit präparierten, bis zu 1,20 Meter langen Ruten zum Teil auf das nur mit einer Unterhose bekleidete Gesäß gezüchtigt zu haben und dadurch den Geschädigten Kindern Schmerzen zugefügt und bei ihnen Angstzustände ausgelöst zu haben.

Termine zur Hauptverhandlung wurden für den 54-jährigen Angeklagten vom Amtsgericht Nördlingen bestimmt auf 16. und 23. November jeweils 8:30 Uhr. Gegen die weiteren Angeschuldigten wurde das Verfahren abgetrennt; Termine stehen noch nicht fest.
Gegen eine 55-jährige Lehrkraft und Erzieherin der Glaubensgemeinschaft wurde Anklage wegen Misshandlung Schutzbefohlener und gefährlicher Körperverletzung zum Nachteil von sechs Geschädigten, die heute zwischen fünf und 23 Jahren alt sind, zum Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Nördlingen erhoben.

Die Angeschuldigte soll bis 2013 die ihr, jedenfalls zeitweise, zur Erziehung und Beaufsichtigung anvertrauten Kinder mit wiederholten Rutenschlägen widerrechtlich gezüchtigt haben und dadurch nicht nur Schmerzen, sondern zum Teil auch bis heute andauernde psychische Beeinträchtigungen verursacht haben.

Gegen eine 53-jährige Mutter, die hinreichend verdächtig ist, ihren heute 11-jährigen Sohn im Sommer 2013 mit Schlägen mit einem circa 50 Zentimeter langen und 1 Zentimeter starken Stock auf das nur mit einer Unterhose bekleidete Gesäß gezüchtigt zu haben, wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft ein Strafbefehl mit einer Bewährungsstrafe vom Amtsgericht Nördlingen - Jugendrichter als Jugendschutzgericht - erlassen. Die Angeklagte hat gegen den Strafbefehl Einspruch eingelegt.

Termine zur Hauptverhandlung wurden in diesen beiden Fällen noch nicht bestimmt.
Das Strafgesetzbuch sieht für gefährliche Körperverletzung und für Misshandlung Schutzbefohlener jeweils Freiheitsstrafen von sechs Monaten bis zu zehn Jahren vor.

Das Verfahren gegen eine heute 28-jährige Lehrerin der Gemeinschaft wurde wegen geringen Verschuldens eingestellt, da zu Gunsten der Beschuldigten davon auszugehen war, dass sie 2001 im jugendlichen Alter unter Beeinflussung der Gemeinschaft einen ihr anvertrauten Schüler geschlagen habe.
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