Anklage wegen Menschenhandels: Soldat soll Frauen in Augsburg zur Prostitution gezwungen haben

Ein 22-Jähriger soll Frauen zur Prostitution gezwungen haben. Nun hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben. (Foto: Jaromír Chalabala-123rf.de/Symbolbild)

Schwerer Menschenhandel, Zuhälterei, vorsätzliche Körperverletzung: Das sind die gravierenden Vorwürfe gegen einen 22-jährigen Zeitsoldaten aus Wetzlar. Die Staatsanwaltschaft hat deswegen gegen ihn Anklage erhoben zum Landgericht Augsburg.

Der Angeschuldigte ist laut Staatsanwaltschaft dringend verdächtig, in Augsburg eine Bordellwohnung angemietet zu haben, um Frauen, die zum Teil noch nicht der Prostitution nachgegangen waren, dort im Zeitraum November 2015 bis Juni 2016 der Prostitution zuzuführen, sie zu überwachen und deren Einnahmen beziehungsweise den überwiegenden Teil der Einnahmen für seinen Lebensunterhalt zu verwenden.

Vorwurf: Prostitution erzwungen durch Einschüchterung, Gewalt oder "Liebe"

Hierzu soll er den Geschädigten im Alter zwischen 20 und 28 Jahren, die nur zum Teil zuvor der Prostitution nachgegangen sind, eine Liebesbeziehung oder sogar Heiratsabsichten vorgespiegelt haben, ihnen zum Teil hohe Verdienstmöglichkeiten in Aussicht gestellt haben, sie eingeschüchtert haben oder ihnen gegenüber sogar gewalttätig geworden sein.

Entgegen seinen Versprechungen soll der Angeschuldigte den Geschädigten den überwiegenden Teil der durch Prostitution erwirtschafteten Gelder abgenommen haben.

Der Angeschuldigte soll sich dabei einer 20-jährigen Prostituierten bedient haben, die für ihn als „rechte Hand“ die Überwacherrolle übernahm und zum Teil beim Anwerben half. Der Angeschuldigte soll sie allerdings zweimal massiv geschlagen haben.

Unerlaubte Übungen mit Waffe sind Teil der Anklage

Dem Angeschuldigten wird schließlich zur Last gelegt, im Mai 2016 eine halbautomatische Selbstladepistole samt Munition ohne die erforderliche Erlaubnis besessen und einmal Schießübungen damit unternommen zu haben.
Gegen die 20-Jährige, die auch an der Schießübung teilgenommen haben soll, wird die Hauptverhandlung wegen Beihilfe zu einem Teil der Taten des 22-Jährigen und wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz vor dem Amtsgericht Augsburg (Jugendschöffengericht) am 21. August stattfinden.

Urteil des Limburger Landgerichts: mehr als 3 Jahre Gesamtfreiheitstrafe

Termine zur Hauptverhandlung gegen den 22-Jährigen wurden noch nicht bestimmt.
Im Januar 2017 wurde er bereits vom Landgericht Limburg wegen Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion, versuchten Diebstahls und schwerer räuberischer Erpressung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten (noch nicht rechtskräftig) verurteilt. Er befindet sich seit 16. Juni 2016 in Haft.

Anklagepunkte gegen den Zeitsoldaten

Im Detail hat die Staatsanwaltschaft Augsburg gegen den 22-jährigen Zeitsoldaten unter anderem Anklage wegen schweren Menschenhandels zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung in zwei Fällen, wegen eines Versuchs dieses Deliktes zusammentreffend mit vorsätzlicher Körperverletzung, wegen Zuhälterei in vier Fällen, wegen eines Verstoßes gegen das Waffengesetz und zwei weiteren selbständigen Fällen der vorsätzlichen Körperverletzung zum Landgericht Augsburg erhoben.

Strafrahmen für die zu Last gelegten Taten

Das Strafgesetzbuch sieht folgende Strafrahmen vor: für schweren Menschenhandel zum Zwecke sexueller Ausbeutung Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren, für Zuhälterei und den hier angeklagten Verstoß gegen das Waffengesetz jeweils Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren und für vorsätzliche Körperverletzung Freiheitsstrafe von einem Monat bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe.
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