Anwalt war gar kein Anwalt: Nachspiel vor Gericht

Da der Ex-Anwalt Bernhard F. (Name geändert) sich mit einer nicht mehr gültigen Anwaltszulassung fälschlicher Weise als Anwalt zu erkennen gab, musste er sich am Donnerstag vor dem Amtsgericht Augsburg wegen Missbrauchs von Titeln, Berufsbezeichnung und Abzeichen verantworten. (Foto: tom_u-123rf.de/Symbolbild)

Da der Ex-Anwalt Bernhard F. (Name geändert) sich mit einer nicht mehr gültigen Anwaltszulassung fälschlicher Weise als Anwalt zu erkennen gab, musste er sich am Donnerstag vor dem Amtsgericht Augsburg wegen Missbrauchs von Titeln, Berufsbezeichnung und Abzeichen verantworten.

„Das ist so ein irrsinniger Sachverhalt, dass er kaum vorzutragen ist. Ich kann nur noch den Kopf schütteln“, beschreibt der 67-jährige Angeklagte vor Gericht. Im Jahr 2013 beantragte F. Akteneinsicht für einen damaligen Bekannten. Da dies nur mit einer Vollmacht möglich ist, zeigte F. seine alte Bestätigung der Rechtsanwaltskammer München vor, in der er über eine Zulassung als Rechtsanwalt verfügte.

„Das ist ein großes Missverständnis, ich wollte nie als Verteidiger des Angeklagten auftreten“, erklärt F. seine Lage. In detaillierter Ausführung beschreibt er Richterin Susanne Hillebrand den Vorgang, wie es zur Akteneinsicht kam. In seinen Erzählungen schweift er zunehmend ab. Seine fehlende Anwaltszulassung bleibt unerwähnt.

Die Richterin, die letztendlich die Bestätigung seiner Zulassung gefordert hatte, sagt aus: „Ich hatte immer den Eindruck, mit dem Verteidiger zu telefonieren.“ Erst die Staatsanwaltschaft hegte Zweifel und beanspruchte Einsicht in F.s Anwaltskammer.
Ein Sachverständiger kann für den Angeklagten keine Diagnose vorlegen. Dieser habe zuvor jegliche Versuche einer Kontaktaufnahme abgeblockt. Noch kurz vor der Verhandlung ließ der Angeklagte den Psychologen wissen: „Ich hab Sie angezeigt.“ Das Verhalten des Angeklagten ließ beim Sachverständigen den Verdacht auf eine schwere psychische Entwicklung entstehen.

Seinem „versehentlichen“ Auftreten als Anwalt schenkte sowohl Staatsanwaltschaft als auch die Richterin keinen Glauben. Der Angeklagte wurde schuldig gesprochen und zu 750 Euro Geldstrafe verurteilt.

Von Michèle Böswald
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