Asylbewerber stalkt Frau in Dasing

Zu 1200 Euro Geldstrafe verurteilte Richter Axel Hellriegel in Aichach einen 31-jährigen Asylbewerber. Der Pakistani ist seit 20 Monaten in Deutschland und lebt zur Zeit in Dasing.

Es begann im Herbst vergangenen Jahres. So sagte es die 20-Jährige, die in einem Dasinger Markt als Verkäuferin arbeitet, als Zeugin vor Gericht aus. Zunächst habe ihr der Angeklagte nur Komplimente gemacht, wenn er in dem Geschäft einkaufte. "Er nannte mich seine Prinzessin", berichtete sie. Doch die Einkaufstouren des 31-Jährigen hätten sich bald gehäuft, die andauernden Ansprachen seien sehr aufdringlich gewesen: "Er kam zum Schluss dreimal am Tag." Er habe ihr Zigaretten und Geld angeboten, sie immer wieder nach ihrem Namen und ihrer Handynummer gefragt. Zudem habe er sich in den Eingangsbereich des Ladens gesetzt und die junge Frau beobachtet, wenn sie Dienst an der Kasse hatte. Doch damit nicht genug: Er begann, ihr auf dem Weg von und zur Arbeit aufzulauern. "Anfangs hielt ich das noch für einen Zufall, wenn er mir auf halber Strecke mit seinem Radl entgegen kam." Er habe sie angesprochen und, wenn sie nicht gleich stehen geblieben sei, am Oberarm festgehalten. Mindestens fünf Mal sei sie gepackt worden, schilderte die Frau. Allerdings habe der Angeklagte sie losgelassen, wenn sie sich gewehrt und ihn beschimpft habe.

Als besonders beängstigend empfand sie diese Begegnungen, wenn sie Früh- oder Spätschicht hatte, und es dunkel war. Endgültig genug hatte sie von den Belästigungen, als er zu Winterbeginn angeblich einmal eine Stunde vor Geschäftsschluss schon vor dem Markt herumlungerte, sie abpasste, als sie heraus kam, und ihr ein Foto von ihr zeigte, das er auf seinem Handy gespeichert hatte. "Da bekam ich wirklich Angst. Es war ein Foto von mir aus dem Internet, und zwar ein älteres, das ich schon vor längerer Zeit gelöscht hatte." Sie wandte sich an ihre Chefin, erzählte dieser alles: "Ich bin heulend zusammengebrochen." Sie ließ sich von da an von Kollegen nach Hause fahren, doch eines Nachts habe ihr der 31-Jährige sogar betrunken zu Hause in der Einfahrt aufgelauert und gesagt, er wolle mit ihr schlafen. Erst, als sie sich an die Polizei wandte und Anzeige erstattete, hörten die Nachstellungen auf. Die Beamten suchten den Mann in der Asylunterkunft auf. Asylhelfer Fritz Maya fand, diese Aktion sei unglücklich gelaufen. Er habe gehört, die Polizisten hätten den 31-Jährigen auf Deutsch und Englisch angesprochen, und dass dieser gestanden habe. Das halte er für merkwürdig, so der 68-Jährige im Zeugenstand, denn der Asylbewerber könne nur sehr wenig Deutsch. Er riet dem 31-Jährigen daraufhin, Einspruch gegen den Strafbefehl zu erheben, dessen Inhalt dieser zunächst ohnehin nicht so recht verstanden habe. "Ich wollte, dass das vor Gericht geklärt wird", so Maya. Er habe Erfahrung mit Verfahren, in die Asylbewerber verwickelt seien, und normalerweise laufe stets alles "sehr ordentlich".

Vor Richter Axel Hellriegel sorgte eine Urdu-Dolmetscherin dafür, dass der Angeklagte begriff, um was es ging. Dieser behauptete, die Vorwürfe, die Staatsanwältin Britta Füchtenbusch erhob, seien "alles Lügen", er kenne die Verkäuferin nur von einem flüchtigen "Hallo" im Geschäft. Der Richter erklärte, in diesem Verfahren stünde Aussage gegen Aussage. Deshalb müsse er die Fakten sehr kritisch betrachten. Er habe jedoch keinen Grund, an der Aussage der 20-Jährigen zu zweifeln. Diese habe keinerlei Belastungseifer an den Tag gelegt und sogar einige Vorwürfe korrigiert: Zunächst war davon ausgegangen worden, der Asylbewerber habe sie jedes Mal, wenn er ihr auf dem Arbeitsweg begegnete, festgehalten. Die Rede war von 27 Fällen, aus denen dann fünf wurden. Die Staatsanwältin hatte 130 Tagessätze gefordert zu je zehn Euro, Hellriegel beließ es bei 120. Das Geld muss der Asylbewerber, der das Urteil rechtskräftig werden ließ, von den 330 Euro, die er monatlich Unterstützung erhält, abstottern. Zwar hat er eine Arbeitserlaubnis, jedoch keinen Job.

Simone Losinger, die Leiterin des Ausländerwesens im Landratsamt, erklärt, diese Verurteilung führe jetzt nicht zwangsweise zur Ausweisung des Pakistani. "Wir sehen uns immer den Einzelfall an und wägen ab, welche Belange überwiegen."
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