Auf Beutezug mit dem Schweißgerät: Einbrecherbande hatte es auf Bankautomaten abgesehen

Eine Einbrecherbande hatte es im September und Oktober 2015 auf Bankautomaten im Raum Ingolstadt sowie im Donau-Ries abgesehen. Zwei Tatverdächtige müssen sich seit Mittwoch vor der 3. Strafkammer des Landgerichts Augsburg verantworten. Dabei ist der Hauptverdächtige noch immer auf der Flucht. (Foto: tom_u 123rf.de)

Eine Einbrecherbande hatte es im September und Oktober 2015 auf Bankautomaten im Raum Ingolstadt sowie im Donau-Ries abgesehen. Zwei Tatverdächtige müssen sich seit Mittwoch vor der 3. Strafkammer des Landgerichts Augsburg verantworten. Dabei ist der Hauptverdächtige noch immer auf der Flucht.

Die 3. Strafkammer unter Vorsitz von Richter Roland Christiani hat die knifflige Aufgabe zu klären, ob die beiden Angeklagten wirklich Teil dieser Einbrecherbande waren. Die beiden Beschuldigten wollten sich am ersten Verhandlungstag nicht dazu äußern.

Die Staatsanwaltschaft jedenfalls wirft der Bande höchst professionelles Verhalten vor: Als Fluchtfahrzeug sei ein Golf gemietet worden. Wochen vorher hätten sie damit bereits Servicepunkte, meist von Raiffeisenbanken, ausgespäht, erst dann wären sie zur Tat geschritten. Einen ersten Versuch in Ehekirchen (Kreis Schrobenhausen) am 5. September hätten die Täter abgebrochen, wohl aus Angst, entdeckt zu werden.

Doch schon einen Tag später wären sie in Ingolstadt-Irgertsheim erfolgreich gewesen. Die Kameras im Vorraum drehten sie laut Anklageschrift weg oder besprühten die Objektive, bevor sie dem Bankautomaten mit Schweißgerät und Hydraulikspreizer zu Leibe rückten. Der Lohn für die unredlichen Mühen: 85 330 Euro. Den Sachschaden beziffert die Staatsanwaltschaft auf 20 750 Euro. Die Dimension der Zerstörung wird klar, wenn man weiß, dass die Polizei zunächst davon ausging, der Automat sei gesprengt worden. Das berichtete der Sachbearbeiter der Kriminalpolizei, der am ersten Verhandlungstag als Zeuge aussagte.

Mit dieser Methode hatte die Bande laut Staatsanwaltschaft am 3. Oktober erneut Erfolg. Diesmal war ihr Ziel das Gebäude der Raiffeisenbank in Fahrenzhausen-Unterbruck (Kreis Freising). Aus dem nach bewährter Manier geknackten Automaten holten sie diesmal 60 250 Euro. Der Sachschaden war auch diesmal hoch: 16 800 Euro.

Am Tag darauf misslang der Versuch, in Holzheim (Kreis Donau-Ries) einen Geldautomaten aufzubrechen. Beim Aufhebeln einer Tür im Innern des Bankgebäudes, lösten die Täter den Alarm aus und flüchteten.

Davon ließen sie sich aber nicht abschrecken. Schon am 5. Oktober ging die Bande laut Anklage wieder auf Beutezug, diesmal nach Harburg-Großsorheim. Aus dem Automaten der dortigen Bank stahlen die Täter 38 720 Euro und richteten dabei 10 000 Euro Schaden an. Doch diesmal war ein Nachbar auf das Geschehen in der Bank aufmerksam geworden und rief die Polizei.

Auf der Flucht vom Tatort im gemieteten Golf begegnete die Bande einer Polizeistreife, die auch prompt zur Kontrolle schritt. Nervös erschienen den Beamten die Insassen, eine zweite Streife zur Verstärkung wurde gerufen. Der Fahrer, mittlerweile als Verdächtiger Miroslav B. (alle Namen geändert) gesucht, zeigte zunächst brav seine Papiere, doch als die zweite Streife von hinten anrückte, gab er Gas. Ein Polizeibeamter rettete sich durch einen Sprung auf die Motorhaube, bevor der Golf davon brauste. Die andere Streife nahm die Verfolgung auf. Und dann wurde es sehr mysteriös: Der 44-jährige Angeklagte Mario F. stürzte oder sprang aus dem fahrenden Golf und blieb verletzt auf dem Grünstreifen neben der Fahrbahn liegen.

Viel weiter kam der Golf aber dann nicht mehr. Beim Versuch in einen Waldweg einzubiegen, schleuderte der Wagen in eine Böschung. Doch als die Polizei das Fahrzeug erreichte, war niemand sonst mehr im Auto, wie der Kripobeamte in seiner Aussage berichtete.

Stattdessen fanden sich in dem Auto 81 000 Euro Bargeld in Netto-Tüten sowie Einbruchwerkzeug, ein Schweißgerät und eine Hydraulikspreizer. Sowie weiter auch Reisetaschen mit Wechselkleidung und ein Notizbuch mit Adressen, vor allem Gebäude mit Bankautomaten sind darin verzeichnet.

Nun begannen die umfangreichen Ermittlungen. Hilfreich dabei war, dass der Leihwagen bei jedem An- und Abschalten des Motors ein GPS-Signal aufzeichnete. Damit konnte die Polizei schnell ein Bewegungsprofil erstellen und es stellte sich heraus, dass zumindest der Golf zu den jeweiligen Tatzeiten auch an den Tatorten war – wer in dem Golf saß, das lässt sich aus den GPS-Daten nicht heraus lesen.

Weiter zeigte sich, dass die Operationsbasis der Bande sich in Ingolstadt befunden hatte. Die Daten führten die Polizei zur Wohnung der Schwester des Verdächtigen B.
Und schließlich kamen sie so auch auf den zweiten Angeklagten, den 37-jährigen Andre H. in Bielefeld. Der sei bei der dortigen Polizei kein Unbekannter und auch mit dem Verdächtigen B. in Kontakt, wie der Zeuge von der Kripo ausführte. H. konnten die Beamten festnehmen, von B. fehlt weiter jede Spur.

Für eine Tatbeteiligung H.s sprechen DNA-Spuren im Fluchtfahrzeug, wenngleich freilich nicht geklärt werden kann, zu welchem Zeitpunkt diese Spuren ins Fahrzeug kamen. Auch identifizierten B.s Schwester und deren Sohn den Angeklagten als Begleiter B.s.

Den Angeklagten F. dagegen glaubt die Polizei auf einem Foto wiederzuerkennen, das in einer Bank gemacht wurde, als die mutmaßlichen Täter diese ausspioniert haben sollen. Doch das Beweisstück sorgte für Verwirrung: Zunächst hatten die Prozessbeteiligten von diesem Foto lediglich eine Kopie in schwarz-weiß. Zu erkennen war darauf nicht wirklich etwas, wie auch Richter Christiani bemängelte. Doch der Kriminalbeamte hatte in seinen eigenen Unterlagen ein farbiges Foto und in dieser Farbversion, die nach der Mittagspause endlich allen vorlag, sah es mit der Identifizierung schon anders aus.

Christiani gab Verteidiger Marco Müller als Hausaufgabe mit, er möge mit seinem Mandanten doch klären, ober sich auf dem Foto selbst erkenne oder ob er, Müller, seinen Mandanten erkenne. „Wir können aber auch Professor Buck für 3500 Euro drauf schauen lassen“, zeigte Christiani als Alternative auf. Deutlicher wurde er nicht, was er denn auf dem Foto erkenne.

Die Verhandlung wird heute fortgeführt, geladen sind zehn Zeugen. Insgesamt sind zehn weitere Verhandlungstage angesetzt.
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