Augsburg macht sich bereit für die Entschärfung der Fliegerbombe: Evakuierung startet um 8 Uhr

Innerhalb der roten Linie müssen alle ihre Wohnungen und Häuser verlassen. Karte: Stadt Augsburg

Es ist eine der größten Evakuierungsmaßnahmen die es in Deutschland bislang gegeben hat. Unvorstellbare 54.000 Menschen müssen am 1. Weihnachtsfeiertag ihre Wohnungen verlassen, damit eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft werden kann. Für die Einsatzkräfte wird der Sonntag eine harte Bewährungsprobe.

Die Zahl der eingesetzten Polizisten wurde mittlerweile auf knapp 900 erhöht. Insgesamt werden es rund 4000 Einsatzkräfte sein, die mehr oder weniger direkt für die Evakuierung und Entschärfung Dienst tun, wie Frank Habermaier, der Leiter des Amts für Katastrophenschutz, bestätigt.

Dabei läuft die Evakuierung längst. Michael Gebler, Geschäftsführer des BRK, und sein inzwischen 800-köpfiges Team müssen bis Sonntag 800 Personen aus der Schutzzone befördern. "660 davon liegend, den Rest sitzend". Alle konnten sie vor Sonntag nicht bewältigen. Zwischen 6 und 10 Uhr am 1. Weihnachtsfeiertag müssen die Hilfsorganisationen noch rund 400 Krankentransporte nach aktuellem Stand aus der Schutzzone durchführen, so Lothar Ellenrieder, Organisatorischer Leiter. Doch bis 10 Uhr sollten auch sie die mindestens 1,5 Kilometer Distanz zur Bombe hinter sich gebracht haben. Dann nämlich darf sich niemand mehr innerhalb der Schutzzone aufhalten.

Suchtrupps werden im Anschluss das gesamte Areal kontrollieren und versuchen, wirklich an jede der 32.000 betroffenen Haushalte zu klopfen. Diese Absuche stellt allein schon eine immense Herausforderung dar. Die Schutzzone wurde dafür in rund 30 Einzelgebiete aufgeteilt, in denen sich Trupps zu je 30 Männer und Frauen auf Suche nach Zurückgebliebenen machen.

Um Straftaten zu unterbinden, werde danach ein Streifendienst innerhalb der Schutzzone aufrechterhalten, betont Polizeivizepräsident Norbert Zink. Doch sobald die Experten vom Kampfmittelräumdienst mit der Entschärfung beginnen, verlassen auch die Streifen die Schutzzone. Wer dann noch außerhalb ist, kann auch nicht mehr auf Hilfe von außen hoffen. "Dann fährt kein Rettungsdienst mehr rein", warnt OB Kurt Gribl, der noch einmal den Ernst der Lage betont. Wie ernst es der Stadt ist, zeigen die Schutzmaßnahmen die zusätzlich ergriffen werden. "Die Bäche im Stadtgebiet werden auf Restwasserstand abgelassen, damit im Schadensfall kein Wasser in die Häuser dringen kann", erklärt OB Gribl. Auch die städtischen Kunstsammlungen treffen Vorsorge und sichern Kunstschätze besonders ab.

Direkt neben der 1,8 Tonnen schweren Bombe errichtet die Feuerwehr einen drei bis vier Meter hohen Wall aus sogenannten Bigpacks; das sind besonders große Sandsäcke. Sollte die Bombe doch explodieren, würden diese Säcke einen gewissen Schutz gegen die Splitterwirkung bieten - gegen die vernichtende Druckwelle würden sie wohl wenig nützen.

Doch darüber will in Augsburg niemand genauer nach denken. Alle Beteiligten rechnen mit einer gelungenen Entschärfung. Sobald diese erfolgt ist, nehmen die Polizeistreifen innerhalb der Schutzzone wieder ihren Einsatz auf. "Damit sich die Bürger sicher fühlen können, wenn sie wieder zu ihren Wohnungen zurückkehren", erklärt Zink.

Entgegen ursprünglicher Annahmen wird es während der laufenden Entschärfung auf der Bahnstrecke Augsburg - München weniger Einschränkungen geben, als zunächst angenommen. So können nach Einschätzung der Bahn die beiden südlichen Gleise weiter genutzt werden, da sie durch zwei Schallschutzwände zusätzlich geschützt sind. Bahnreisende sollten sich dennoch auch Verspätungen einrichten.

Einen kleinen Trost für die Augsburger, die ihre Wohnungen verlassen müssen, gibt es dann doch noch: Der Skywalk Allgäu Naturerlebnispark in der Nähe des Bodensees verlangt von Augsburgern am 1. Weihnachtsfeiertag keinen Eintritt. Und auch Zoo und Botanischer Garten haben geöffnet.
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