Augsburger Landgericht: Ehemalige Vorsitzende der Kinderkrebshilfe muss 39000 Euro zurückzahlen

Die Internetseite des Vereins im Januar: Seit die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Untreue gegen die ehemalige Vorsitzende ermittelt, ist der Webauftritt eingefroren. Foto: Screenshot www.kinderkrebshilfe-bayern.de

Augsburg - Die ehemalige Vorsitzende des Vereins "Kinderkrebshilfe Bayern" soll rund 39 000 Euro in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. In einem Zivilprozess hat das Augsburger Landgericht sie nun zur Rückzahlung des Geldes verurteilt. Gegen die Frau geklagt hatte der Verein selbst.

Kranken Kindern und ihren Familien zu helfen, das war das erklärte Ziel von "Kinderkrebshilfe Bayern". Der Verein mit Sitz in Adelsried bat dafür auf seiner Internetseite um Spenden. Rund 150 000 Euro sollen so auf dem Konto der Organisation eingegangen sein. Doch offenbar kam der Betrag nicht vollständig krebskranken Kindern zugute.

Bereits im Januar hatte der Verein für Aufregung gesorgt, indem er weiter um Hilfe für ein an Leukämie erkranktes Geschwisterpaar warb, obwohl die Unterstützung für die Familie bereits abgeschlossen war. Was mit den Spenden geschehen ist, konnte nicht geklärt werden. Der Verein selbst hat seine ehemalige Vorsitzende verklagt. Sie soll rund 39 000 Euro vom Spendenkonto abgehoben, auf das Konto ihres damaligen Mannes, der ebenfalls Vorstandsmitglied des Vereins ist, überwiesen und von dort wieder abgehoben haben.

Vor Gericht sagte der mittlerweile getrennt von seiner Frau lebende Mann aus, er habe von diesen Geldflüssen nichts mitbekommen. Die Angeklagte hingegen behauptete, die Überweisung des Betrages auf eine Rechnung ihres Mannes hin abgesegnet zu haben. Mit dem Geld sei ein Kredit getilgt worden, den das Paar aufgenommen hatte, um Verbindlichkeiten des Mannes auszugleichen. Unterlagen, die ihre Aussage bestätigt hätten, konnte die Frau jedoch nicht vorlegen. Das Gericht geht davon aus, dass die ehemalige Vorsitzende das Geld veruntreut hat und verurteilte sie zur Rückzahlung der 39 000 Euro an den Verein. In der Verhandlung ging es allerdings nicht nur um das fehlende Geld, sondern auch um die Frage, wer den Vorsitz für den Verein innehat. Denn die Beklagte war 2016 als Folge der Trennung von ihrem Mann als Vorsitzende abgewählt worden. Stattdessen ließ sich ihr Mann ins Amt setzen. Aus Sicht der Angeklagten sei die Abberufung jedoch nicht ordnungsgemäß abgelaufen. Offiziell ist nun der Mann Vorsitzender der Organisation.

Auch wenn der Verein rechtlich noch existiert, ist er faktisch handlungsunfähig. Denn während das Landgericht sich mit der zivilrechtlichen Seite des Falles auseinandergesetzt hat, ermittelt auch die Augsburger Staatsanwaltschaft wegen verschiedener Vermögensdelikte, besonders der Untreue, gegen die Frau. Das Konto des Vereins wurde eingefroren, auch die Internetseite ist mittlerweile nicht mehr erreichbar. (
Von Kristin Deibl)
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