Augsburger Lehrer soll 22-Jährigen geschlagen haben: Freispruch vor Aichacher Amtsgericht

Wegen Körperverletzung stand ein Lehrer vor dem Aichacher Amtsgericht. (Foto: Symbolbild, tom_u - 123rf.de)

Ein ungebetener Gast steht plötzlich auf der Terrasse vor der Tür im Garten eines Oberstudienrats aus dem Raum Augsburg. Als der 50-Jährige den betrunkenen jungen Erwachsenen mit Nachdruck von seinem Grundstück befördert, soll er diesen angeblich geschlagen haben. Wegen Körperverletzung musste er sich deshalb vor Kurzem vor dem Aichacher Amtsgericht verantworten. Der Vorwurf bestätigte sich jedoch nicht. Richter Walter Hell sprach den Lehrer frei.

Er habe zusammen mit seiner Frau auf dem Sofa gesessen, als sie plötzlich einen Fremden durch die Glastür auf der Terrasse gesehen habe, gab der Oberstudienrat zu Protokoll.

"Ich habe die Tür geöffnet und ihn gefragt, was er in unserem Garten macht. Ich habe ihn aufgefordert, unser Grundstück zu verlassen, sonst würde ich die Polizei rufen. Als er nicht reagiert hat, habe ich ihn an den Schultern gepackt und Richtung Gartentor geschoben", sagte der 50-jährige Lehrer. Der nächtliche Besucher war ein 22-jähriger Augsburger, der sich versehentlich im Garten geirrt hatte. "Ich war im Nachbargrundstück auf einer Geburtstagsparty. Es waren viele Leute da und es floss viel Alkohol", erklärte der Arbeitssuchende.

Er sei zum Rauchen rausgegangen. Als er zurück ins Haus wollte, sei er über den Zaun gestiegen und versehentlich im falschen Garten gelandet, weil die Grundstücke so ähnlich aussähen, erklärte er. "Der Eigentümer hat gesagt, ich soll gehen. Das wollte ich auch, aber da hat er mich gepackt und vielleicht im Gesicht erwischt. Ich hatte keine bösartige Absicht", sagte der 22-Jährige.

"Ich kann mich nicht erinnern, dass er mich geschlagen hat. Ich war schon sehr angetrunken, viel mehr weiß ich nicht mehr", gab der Partygast zu Protokoll. Ein Alkoholtest bei der Polizei hatte einen Wert von zwei Promille ergeben.

Schlag gesehen? Freunde waren ebenfalls betrunken


Zwei Freunde wollen einen Schlag gesehen haben, konnten sich aber nicht mehr genau erinnern, weil sie ebenfalls angetrunken waren. Ein 23-jähriger gelernter Landschaftsgärtner hatte die Szene beobachtet: "Ich habe gesehen, wie er über den Zaun gestiegen ist und noch gerufen, dass das der falsche Garten ist, aber da war er schon drin."

Er denke, er habe auch einen Schlag wahrgenommen, genau gesehen habe er aber nichts, berichtete der 23-Jährige. Ein 21-jähriger Auszubildender erklärte, der Lehrer habe den ungebetenen Gast "herausgeschleift" und sogar "in den Schwitzkasten genommen". Deshalb habe er eingegriffen und sei seinem Kumpel zu Hilfe geeilt. Bei dem anschließenden Gerangel verletzte der Helfer den Lehrer. Er muss sich deshalb in einem anderen Verfahren noch vor Gericht verantworten. "Das ist aber nicht Gegenstand der heutigen Verhandlung", erklärte Richter Walter Hell. "Sie sollten sich gut überlegen, was sie vor Gericht sagen", redete er den Zeugen aufgrund der widersprüchlichen Aussagen ins Gewissen.

Urteil: Verteidigung bei Hausfriedensbruch erlaubt


Die Ehefrau des Angeklagten bestätigte die Angaben ihres Mannes. "Er hat ihn aufgefordert, unseren Garten zu verlassen. Dann hat er ihn vom Grundstück geschoben, weil er nicht reagiert hat. Ich habe keinen Schlag gesehen", meinte die 50-Jährige. Sie habe die Polizei gerufen, weil ein anderer auf ihren Mann losgegangen sei.

Staatsanwältin Isabelle Hafner forderte Freispruch, wegen erheblicher Zweifel. "Ein Schlag konnte nicht nachgewiesen werden. Vielleicht wurde auch eine Geste falsch interpretiert." Verteidiger Werner Ruisinger schloss sich an und plädierte ebenfalls auf Freispruch.

Richter Walter Hell sprach den Oberstudienrat frei. "Ein unsanftes Bedrängen kann strafbar sein. Hier handelt es sich aber um eine besondere Situation. Er hat ihr Grundstück betreten."

Bei Hausfriedensbruch habe der Eigentümer das Recht, sein Grundstück zu verteidigen, erklärte der Richter. "Im Rahmen dieser Notwehr darf man nachdrücklich die Hände benutzen", dies sei aber immer eine Gratwanderung: "Vermöbeln hätten Sie ihn nicht dürfen." Ein Schlag, bei dem zudem keine Verletzungen entstanden seien, habe sich durch die Aussagen aber ohnehin nicht bestätigt, begründete Amtsgerichtsdirektor Walter Hell sein Urteil.
(Johannes Heim)
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