Augsburger Polizei startet Pilotprojekt: Können "Body-Cams" Gewalt gegen Polizisten verhindern?

Während die Uniform Polizeibeamte früher geschützt hat, ist die Amtskleidung heute eher zur Zielscheibe von Aggressionen geworden. Die meisten Angriffe passieren dabei im Nachtleben der Augsburger Innenstadt. Mit den Body-Cams will die Polizei nun brenzlige Einsatzsituationen in Bild und Ton festhalten. (Foto: Janina Funk)

Insgesamt 480 Übergriffe auf Polizisten gab es im vergangenen Jahr alleine im Stadtgebiet Augsburg. Um ihren Beamten mehr Sicherheit zu geben, testet die bayerische Polizei nun sogenannte Body-Cams. In dem Pilotprojekt werden die Uniform-Kameras in Augsburg, München und Rosenheim eingesetzt.

An den Brusttaschen der beiden uniformierten Beamten der Polizeiinspektion Augsburg-Mitte prangen die schwarzen Kästchen in Zigarettenschachtelgröße. Oben ein Kameraauge, darunter ein Bildschirm, auf dem gezeigt wird, was das Gerät gerade filmt. „Man sieht sich also selbst im Display, das hat abschreckende Wirkung“, sagt Michael Schwald. Der Präsident des Polizeipräsidiums Schwaben Nord ist überzeugt, dass die Body-Cams „ein geeignetes Mittel sind, der Gewalt gegen Polizisten entgegen zu wirken.“ In der Innenstadt werden nun drei Kameras zunächst ein Jahr lang getestet. Am Donnerstagabend startete das Pilotprojekt.

Lautes Piepen erklingt, als die Polizisten ihre Aufnahmen starten. „Die Body-Cams werden mit offenem Visier genutzt“, verspricht Werner Bayer, Leiter der Polizeiinspektion Augsburg-Mitte. Potentielle Angreifer sollen so durch den deutlich erkennbaren Einsatz der Kamera von ihrem Vorhaben abgehalten werden.

„Es gibt keine dauerhafte Überwachung“


Die Beamten tragen zudem ein gelbes Schild, das auf die Kamera hinweist. Und: eine Aufnahme werde „dem jeweiligen Gegenüber verbal angekündigt“. Kein Bürger müsse also die Befürchtung haben, von den Einsatzkräften verdeckt gefilmt zu werden, betonen Bayer und Schwald unisono.

„Es gibt keine dauerhafte Überwachung“, versichert der Polizeipräsident. Die Aufnahmen seien immer „anlassbezogen“. Zudem gebe es viele Situationen, in denen es der Polizei auch gar nicht erlaubt sei, zu filmen; etwa in Wohnungen, auf Versammlungen oder zum Zwecke der Verkehrsüberwachung.

Mit den Body-Cams wolle man zudem „Waffengleichheit“ herstellen, so Schwald weiter, denn gerade in der „Partyszene“ würden Polizeibeamte nicht selten mit Smartphones gefilmt.

Was geschieht mit den Aufnahmen der Body-Cams?


Erst in zweiter Linie diene die Aufnahme einer Beweisführung im Falle einer Strafverfolgung. Wird etwas gefilmt, das strafrechtlich relevant ist, wird es gespeichert. Alle anderen Aufnahmen werden nach drei Wochen automatisch gelöscht.

Videos ansehen oder löschen können die Streifenbeamten, die im Einsatz den Auslöser drücken, nicht. Das Gefilmte wird verschlüsselt übertragen und zentral ausgewertet. Die Verschlüsselung schützt die Daten zudem, sollte eine Kamera im Einsatz einmal abhanden kommen. Dies sollte aber auch aus Kostengründen nicht unbedingt passieren: Immerhin 500 Euro ist jedes der kleinen Geräte wert.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.