Azubis des Terrors: Hintergründe zu den Razzien in Augsburg

Zu militanten Kämpfern wollten sich drei junge Männer ausbilden lassen, die an der syrischen Grenze wegen Terrorismusverdachts festgenommen wurden. Im Zusammenhang damit wurden am Donnerstag in Augsburg 13 Wohnungen durchsucht. (Foto: Symbolfoto: Zebelin / 123rf.com)

Zwei Auszubildende aus Augsburg und ein 2011 nach Deutschland eingereister Afghane wollten sich in Syrien zu militanten Kämpfern formen lassen. Die Razzien in Augsburg und dem Landkreis am Donnerstag sollten Erkenntnissen Hintergründen und mögliche Helfern bringen.

Drei junge Männer versuchen am 18. Juni über die türkische Grenze nach Syrien zu gelangen. Ihr Vorhaben scheitert, die Handschellen klicken. Ihre mehr als 3000 Kilometer lange Reise endete kurz vor dem Ziel in türkischer Untersuchungshaft. Das Trio soll vorgehabt haben, sich in Syrien einer terroristischen Organisation anzuschließen. Die Festnahmen in der Türkei hatten am Donnerstag ein Nachspiel im Großraum Augsburg.

13 Wohnungen hat die Polizei in den frühen Morgenstunden durchsucht. Im Stadtgebiet und im Landkreis. Konkreter will der Leiter der Bayerischen Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus, Georg Freutsmiedl, nicht werden. Aber worum es ging, das möchte er explizit loswerden: Neue Erkenntnisse gewinnen, "ob jemand die drei Männer unterstützt hat".

Das Trio reist über den Landweg Richtung Syrien


Jenes Trio, das nun in einem Gefängnis in der Türkei auf seine Verhandlung wegen Terrorismusverdacht vor einem türkischen Gericht wartet. Ein 31-jähriger Deutscher, in Augsburg geborenen, zum Islam konvertiert. Ein 22 Jahre alter in Augsburg geborener Türke. Und ein ebenfalls 22-jähriger Afghane, der 2011 nach Deutschland einreiste und nach abgelehntem Asylantrag eine befristete Aufenthaltserlaubnis besaß. Ihre Gültigkeit ist wegen der Ausreise jedoch verwirkt.

Bereits im Mai sind deutsche Ermittler auf den Plan der drei aufmerksam geworden. Woher die Hinweise kamen, das könne Freutsmiedl aus ermittlungstechnischen Gründen nicht sagen. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich die jungen Männer jedoch bereits auf ihrer Route. Busse und andere Fahrzeuge brachten sie Stück für Stück ihrem Ziel näher: Einer militärischen Ausbildung bei der in Syrien operierenden terroristischen Vereinigung namens "Hai'at Tahrir al-Sham", um sich an Anschlägen oder Kämpfen zu beteiligen. Es gebe jedoch, das betont Freutsmiedl, "keinerlei Anhaltspunkte, das etwas Konkretes geplant gewesen wäre".

"Sehr viele Beweismittel" und Hoffnung auf Chatprotokolle

Dennoch wird wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat ermittelt - in Bayern vor allem zu den Hintergründen und möglichen Helfern der Männer. "Sehr viele Beweismittel" habe man in den Wohnungen sichergestellt, bilanziert der Staatsstellen-Leiter. Diese würden nun ausgewertet. Noch am Donnerstagnachmittag vernahmen die Ermittler Kontaktpersonen.

Vor allem aus Chatprotokollen erhofft sich der Staatsschutz neue Erkenntnisse zu den drängenden Fragen. "Warum? Wer war treibende Kraft? Hat vielleicht jemand gesagt, geh' am besten dort und dort hin?", zählt Freutsmiedl auf. Auch soll geklärt werden, ob jemand aus dem Umfeld der drei Männer deren Pläne kannte und keine Anzeige erstattete.

Vom Rand der Gesellschaft kamen zwei der Festgenommenen laut Freutsmiedl jedenfalls nicht. Einer absolvierte eine Ausbildung im Bereich Informatik, der andere machte eine Lehre zum Verkäufer.
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