Beamter prellt Stadt um 10.000 Euro: 49-Jähriger kommt mit Bewährungstrafe davon

Ein Beamter hat die Stadt Augsburg um 10.000 Euro geprellt. Nun wurde er zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. (Foto: tom_u-123rf.de/Symbolbild)

Hemmungslos betrogen und ausgenützt hat ein Beamter seinen Arbeitgeber, die Stadt Augsburg. Dafür bekam er gestern vor dem Schöffengericht in Augsburg die Quittung: Ein Jahr und sieben Monate Haft. Die Strafe wird zur Bewährung ausgesetzt.

Allein für die Verlesung der Anklageschrift brauchte Staatsanwalt Benjamin Rüdiger knapp eine halbe Stunde. Danach war erstmal Schluss. Auf Antrag von Rechtsanwältin Ulrike Paul zogen sich das Gericht, die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung zur Beratung ins stille Kämmerlein zurück. Anschließend gab es ein langes Mandantengespräch unter vier Augen. Was konkret ausgehandelt wurde, drang nicht ans Tageslicht. Der Vorsitzende Richter Ralf Hirmer gab aber bekannt: Bei einem umfassenden Geständnis gibt es eine Haftstrafe zwischen einem Jahr und fünf Monaten und einem Jahr und zehn Monaten.

Der 49-jährige Angeklagte war bei der Stadt Augsburg im Katastrophenschutz tätig. Es war ihm gestattet, Anschaffungen bis zu einem Preis von 250 Euro zu machen. Freilich nur für dienstliche Zwecke. „Anschaffungen“ machte der Angeklagte reichlich. Er bestellte überwiegend Computerzubehör, Scanner, Toner und Tintenpatronen. Aber auch einzelne Winterreifen, Wasserpumpen für einen Opel, Luftentfeuchter oder Beleuchtungssysteme für seine neue Wohnung. Insgesamt habe er damit die Allgemeinheit um mehr als 10 000 Euro betrogen. Zudem habe er bei seinem Ausscheiden aus dem Dienst, im März 2015 wechselte er zu seinem neuen Arbeitgeber in Baden Württemberg, eine Spiegelreflexkamera nicht zurückgegeben. Alles in allem wurden ihm 69 Straftaten, davon 61 in einem besonders schweren Fall, zur Last gelegt. Der 49-Jährige, laut seiner Verteidigerin „ein Feuerwehrmann aus Leidenschaft“, räumte alle Vorwürfe ein. Damit ersparte er dem Gericht eine langwierige Verhandlung. Schließlich hätten alle Straftaten einzeln durchleuchtet werden müssen. Das wurde ihm bei der Urteilsfindung ausdrücklich zugutegehalten.

Auf die Schliche kam ihm das Rechnungsprüfungsamt Augsburg, weil Gegenstände abgerechnet wurden, die beim Katastrophenschutz keine Verwendung finden. Die Stadt stellte Strafanzeige und die Staatsanwaltschaft einen Durchsuchungsbefehl aus. Wie eine ermittelnde Polizeibeamtin aussagte, habe man in seiner neuen Wohnung in Baden-Württemberg „einige Gegenstände sicherstellen“ können. „Er war von Anfang an kooperativ, nicht aggressiv“, erklärte die Zeugin. Von der Stadt Augsburg habe es keinerlei Kontrollen gegeben. „Man hat es ihm sehr leicht gemacht.“ Auch das fand Berücksichtigung beim Urteil.

Von Staatsanwalt Benjamin Rüdiger nach den Hintergründen seiner Straftaten gefragt, meinte der 49-Jährige nur: „Ich weiß selber nicht, wie ich mich dazu hinreißen lassen konnte.“ Mehr gab es dazu offensichtlich nicht zu sagen.
Inzwischen hat der Angeklagte, der zurzeit von seinem Arbeitgeber freigestellt ist, seine Schulden bei der Stadt Augsburg vollständig zurückbezahlt. Wie Richter Ralf Hirmer betonte, war das eine Voraussetzung für die erfolgte Absprache.
Natürlich hat das Urteil auch disziplinarrechtliche Folgen bezüglich des Beamtenstatus des Angeklagten. Und an seinem neuen Einsatzort werden die Straftaten nicht unentdeckt bleiben. Die dortige Presse war zur Verhandlung schon vertreten.

Von Alfred Haas
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