Das andere Weihnachten in Augsburg: Die Evakuierung und ihre Folgen

Die Vorbereitungen für die Evakuierung sind gigantisch. (Foto: Jasmin Leib)
 
Die Entschärfung der Fliegerbombe ist für den 1. Weihnachtsfeiertag geplant. (Foto: Berufsfeuerwehr Augsburg)

Die Weihnachtsgottesdienste in der Innenstadt sind abgesagt, das Krankenhaus Vincentinum nimmt keine Patienten mehr an, Theatervorstellungen fallen aus und die Museen haben geschlossen: Grund ist die für Sonntag, 25. Dezember, geplante Entschärfung einer Fliegerbombe in der Jakobervorstadt.

Die Vorbereitungen für die Evakuierung sind gigantisch, da hilft es auch nichts, dass die Bombe nicht 3,8 sondern nur 1,8 Tonnen wiegt, wie die Stadt am Donnerstag korrigierte.

Rund 54.000 Bürger müssen am 1. Weihnachtsfeiertag ihre Wohnungen verlassen. Darunter auch Patienten eines Krankenhauses und Bewohner von Seniorenheimen. Doch Augsburg steht zusammen: Unter dem Hasthag #WillkommenImWarmen hat die Stadt eine Facebookseite eingerichtet, auf der Augsburger außerhalb der Evakuierungszone ihre Gastfreundschaft anbieten können.

Macht die Evakuierung die Bahn frei für Einbrecher?

Trotzdem bleibt der Aufwand enorm. „Insgesamt rund 2000 bis 2500 Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Hilfsdiensten zum Teil aus ganz Bayern werden im Einsatz sein, um diese logistische Anstrengung zu bewältigen“, schreibt die Stadt in einer Pressemitteilung. Allein 700 bis 800 davon werden Polizisten sein. Sie stellen auch sicher, dass sich ab 10 Uhr wirklich niemand mehr in der gesperrten Zone aufhält.

So soll auch verhindert werden, dass die Evakuierung die Bahn frei macht für Einbrecher. Die Polizei wird bis zu Beginn der eigentlichen Entschärfung in der gesamten Schutzzone mit "einer Vielzahl von Streifen für Sicherheit sorgen", so die Stadt. Die Straßenbeleuchtung werde aufrecht erhalten.

Bis dahin müssen die betroffenen Bürger ihr Zuhause verlassen haben. Es stehen sechs Notunterkünfte zur Verfügung.

Einschränkungen im Nahverkehr

Die angeordnete Evakuierung der Innenstadt zur Entschärfung der Fliegerbombe hat weiter reichende Folgen. So steht der Nahverkehr ab 10 Uhr komplett still. Lediglich die Regionalbuslinien des AVV fahren außerhalb der Schutzzone soweit möglich.
Der Hauptbahnhof liegt außerhalb der Evakuierungszone, daher fahren die Züge voraussichtlich nach Fahrplan. „Während der Entschärfung kann es teilweise zu Streckenstilllegungen kommen“, schränkt die Stadt in ihrer Pressemitteilung ein. Die Entscheidung dafür liege bei der Deutschen Bahn.

Doch für Besucher der Stadt ist an diesem Tag ohnehin nichts geboten. Alle Häuser der Kunstsammlungen und Museen Augsburg bleiben am 25. Dezember geschlossen. Bei erfolgreicher Entschärfung sind am zweiten Weihnachtsfeiertag die Museen wieder von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Auch die Vorstellung von Claude Magniers „Oscar“, am Sonntag um 19 Uhr in der Brechtbühne, muss entfallen. Gekaufte Karten können bis 14. Januar beim Besucherservice umgetauscht oder zurückgegeben werden. Da der Dom in der Evakuierungszone liegt, verlegt Bischof Konrad Zdarsa, der übrigens selbst von der Räumung betroffen ist, das Pontifikalamt am 1. Weihnachtsfeiertag in die Pfarrei St. Anton, Imhofstraße 49. Beginn ist um 9.30 Uhr. Die Pontifikalvesper am Sonntagnachmittag wird entfallen. Auch das Evangelisch-Lutherische Stadtdekanat muss Gottesdienste verlegen.
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