Das Geständnis des Genpo D. - Zen-Priester gibt vor dem Landgericht Augsburg 22 sexuelle Missbrauchsfälle an sieben Buben zu

Der Angeklagte Zen-Priester Genpo D. hält eine blaue Mappe vor sein Gesicht. Er hat Angst vor körperlichen Übergriffen im Gefängnis, wenn seine Identität dort bekannt wird – dort sollen Mithäftlinge nicht gerade sanft mit Kinderschändern umgehen. Ihm rechts zur Seite steht sein Verteidiger Hermann Kühn.

Vor dem Landgericht Augsburg wird dem Zen-Priester aus Dinkelscherben „schwerer sexueller Missbrauch von Kindern“ in 22 Fällen vorgeworfen. Er gesteht vollumfänglich.

Er sei ein richtiges Mannsbild gewesen, ein charismatischer Mann, erzählt einer seiner ehemaligen erwachsenen Zen-Schüler. Nun sitzt der angeklagte 62-jährige Zen-Priester Genpo D., bürgerlich Hans Rudolf D., aus Dinkelscherben zitternd und zusammengesunken auf der Anklagebank des Landgerichts Augsburg und gibt alle 22 Missbrauchsfälle von sieben Buben und männlichen Jugendlichen zwischen 2001 und 2014 zu.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm in der Anklageschrift auch den Besitz von kinderpornografischen Fotos und Filmen vor, die er überwiegend selbst gemacht oder aus dem Internet heruntergeladen habe. Von Charisma und Ausstrahlung ist nichts mehr zu sehen – er ist nur noch ein Häuflein Elend. Seit seinem Schlaganfall hat er körperliche Beschwerden, sein Erinnerungsvermögen lässt ihn manchmal im Stich, was auch während der Verhandlung offensichtlich wird.

Entschuldigung unter Tränen

Keine Entschuldigung für seine Taten führt er persönlich für sich an – auch nicht in der vorher durch seinen Verteidiger Hermann Kühn verlesenen Erklärung. Auch nicht den Missbrauch an ihm selbst durch zwei katholische Priester in seiner Kindheit, er sei geschlagen und von einem sexuell missbraucht worden. Mit 19 sei er aus der Katholischen Kirche ausgetreten. Er sei in München unter einem cholerischen Vater aufgewachsen. „Erzähl’s nicht dem Vater, der schlägt dich tot“, zitiert er seine Mutter. Das alles sind keine Gründe für sein Fehlverhalten und er führt nichts auf eine schlechte Kindheit zurück. Genpo D. bereue seine Taten zutiefst, erklärt er teils unter Tränen vor Gericht: „Ich kann nicht mehr verstehen, was ich damals gemacht habe.“

Erste sexuelle Erfahrungen mit einer Frau machte er mit 14 Jahren, dann in seiner Kochlehre mit einem Mann, der nett zu ihm war und von dem er Zuneigung erhielt. Danach wurde er Polizist, war bei der Bereitschaftspolizei, die Einsätze in Wackersdorf allerdings zwangen ihn, den Dienst zu quittieren. Geheiratet hat er 1982 eine Japanerin, aus dieser Verbindung heraus eröffnete er nach seinem Polizeidienst einen Asien-Import und kam dadurch langsam zum Buddhismus, 1991 wurde er Zen-Priester.

Nach der Geburt seines dritten Kindes 1993 und der Eröffnung eines Zen-Zentrums in Dinkelscherben habe seine Frau leben wollen wie „Mönch und Nonne“, keine Sexualität mehr. Daraufhin habe er sich wieder Männern zugewandt, eine andere Frau wollte er nicht. Während der Untersuchungshaft wurde er geschieden.

Missbrauchsopfer übernachteten bei ihm

Seine Missbrauchsopfer kannte er aus seinem persönlichen Umkreis, oder weil er die Kinder in schwierigen Situationen wie Trauerfall, Drogenmissbrauch und Flucht betreute. Ein Opfer war der Sohn einer damaligen Partnerin. Die Buben übernachteten mit Einwilligung der Erziehungsberechtigten bei ihm. Die sexuellen Übergriffe geschahen dann, erst Streicheln, dann massieren bis zu den intimen Stellen und Oralsex – dabei machte er Fotos und Videos, die er danach nur noch archiviert, nicht angesehen habe.

Genpo D. hat Angst vor dem Gefägnis

Richter Lenart Hoesch will nun durch das vollumfängliche Geständnis die Verhandlungen abkürzen – es werden wohl nicht alle Zeugen und Opfer vernommen werden. Für Genpo D. geht es nun zurück in den Knast bis zum nächsten Verhandlungstag am 30. Juni. Er sagt, er habe nun Angst, sexuelle Anmache komme in der JVA wohl vor – dort seien nur Männer, das sei schwierig. Die Folgen des Schlaganfalls überdecken bei ihm alle sexuellen Gedanken und Gefühle, so seine Aussage. „Sie reden immer über sexuelle Dinge, über Sexualstraftäter, Kinderschänder. Das ekelt mich an.“ Und er zitiert einen Mithäftling: „Wenn wir einen Kinderschänder erwischen, den schlagen wir zusammen.“ Im Knast gelten eigene Gesetze. Er habe nun Angst vor dem nächsten Hofgang, bisher sei seine Identität wohl nicht bekannt gewesen, das könnte jetzt vorbei sein – deswegen kommt er zu Anfang des Verhandlungstages mit dem Gesicht hinter einer Mappe versteckt in den Gerichtssaal – die Kameras der Medienvertreter klicken, Dutzende Fotos werden von ihm gemacht.

Genpo D. fordert kein Verständnis für seine Lage, entschuldigt sich bei seinen Opfern – scheint ein gebrochener Mann zu sein. Aber das entschuldigt seine Taten nicht, macht nichts ungeschehen, nichts wieder gut – schon gar nicht bei seinen Opfern, die mit den lebenslangen Folgen der Taten leben müssen.
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Angelika Oetken aus Augsburg - City | 16.06.2017 | 18:56  
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Angelika Oetken aus Augsburg - City | 16.06.2017 | 20:59  
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Angelika Oetken aus Augsburg - City | 16.06.2017 | 21:09  
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Angelika Oetken aus Augsburg - City | 17.06.2017 | 13:04  
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Angelika Oetken aus Augsburg - City | 18.06.2017 | 08:51  
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Angelika Oetken aus Augsburg - City | 18.06.2017 | 09:11  
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Angelika Oetken aus Augsburg - City | 18.06.2017 | 11:57  
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