"Der Mensch ist fehlbar"

Der Leiter des Staatlichen Bauamts Augsburg, Ulrich Blickle (rechts), brachte symbolisch den Gebäudeschlüssel an Bayerns Justizminister Winfried Bausback und JVA-Chefin Zaraida Maldonado de Landauer. Foto: Siegfried P. Rupprecht
 
Der Einzelhaftraum weist eine Größe von rund neun Quadratmetern inklusive WC-Zelle auf. Foto: Siegfried P. Rupprecht

Minister Winfried Bausback weiht die neue JVA in Gablingen ein. Er nennt sie „ein herausragendes Beispiel für Sicherheit“. Der 105-Millionen-Euro-Bau hat Platz für 609 Häftlinge.

„Das Baby ist erwachsen und wird nun ins Leben geschickt.“ So sah Gablingens Bürgermeister Karl Hörmann die Entwicklung der neuen Justizvollzugsanstalt (JVA) Augsburg-Gablingen. Das rund 105 Millionen Euro teure Projekt wurde jetzt nach viereinhalbjähriger Bauzeit von Bayerns Justizminister Winfried Bausback feierlich eingeweiht. Musikalisch rockten dazu die „Fingerprints“, ein Quartett aus vier Kriminalbeamten.

Dabei verwies Bausback in seiner Festansprache vor rund 200 geladenen Gästen in der JVA gleich eingangs auf die große Bedeutung der neuen Anstalt für den Rechtsstaat. „Ein Zurückweichen des Rechtsstaats vor Kriminalität darf und wird es in Bayern nicht geben“, betonte er. Die Justiz gewährleiste, dass die Strafvollstreckung auch künftig funktioniere.

Wie wichtig dies sei, verdeutlichte er mit einem Blick in die 1990er-Jahre. „Seitdem ist die Zahl der Gefangenen massiv angestiegen“, so der Minister. Als Gründe dafür nannte er unter anderem die Öffnung der Grenzen im Osten Europas sowie den starken Wachstum in der Drogen- und Bandenkriminalität. Mit einer Entspannung der Lage sei nicht zu rechnen. Zur konsequenten Durchsetzung von geltendem Recht und Gesetz sei deshalb eine neue JVA wie diese dringend nötig.

Darüber hinaus würden damit optimale äußere Rahmenbedingungen für einen modernen, behandlungsorientierten Vollzug geschaffen, so der Minister weiter. Alle Maßnahmen seien auf eine Wiedereingliederung des Gefangenen in die Gesellschaft angelegt. „Wir wollen den Gefangenen eine bestmögliche Chance geben, von ihrem Fehlverhalten Abstand zu nehmen.“ Nichtsdestotrotz sei die neue JVA weit von einem „Hotel- oder Verwöhnvollzug“ entfernt.

Sicherheit hat Priorität


Bausback bezeichnete die Sicherheit als oberstes Ziel. „Gerade im Interesse der Allgemeinheit“, ergänzte er. Der Neubau sei ein herausragendes Beispiel dafür, dass in Bayern nicht nur von Sicherheit für die Bürger geredet, sondern auch entsprechend gehandelt werde.

Wie bedeutsam das neue Gebäude ist, zeigte sich auch an der Liste der Grußwortredner. Gleich sieben traten vor das Mikrofon: Peter Tomaschko, Vorsitzender des Anstaltsbeirats, Landrat-Stellvertreter Heinz Liebert, Bürgermeister Karl Hörmann, Domkapitular Dr. Michael Kreuzer, Oberkirchenrat Detlev Bierbaum für die Evangelisch-Lutherische Kirche, Josef Strzegowski von der Israelitischen Kultusgemeinde und Ayhan Kalata von der Türkisch Islamischen Union.

Sie brachten unterschiedliche Betrachtungen zum Neubau ein. Der Bau bringe eine Stärkung der Wirtschaftskraft vor Ort, meinte Tomaschko. Strzegowski verglich die JVA mit einem „Lernprozess des Lebens“ und als Ort der Hoffnung und Besserung. Kalata brachte das Gebäude mit Akzeptanz und Respekt, aber auch mit Nachsicht und Toleranz in Verbindung. „Mein Glückwunsch zum Neubau hält sich allerdings im Rahmen, zeigt er doch, dass Menschen fehlbar sind“, meinte dagegen Oberkirchenrat Bierbaum.

Ulrich Blickle, der Leiter des Staatlichen Bauamts Augsburg, überreichte anschließend dem Justizminister und der JVA-Leiterin Zaraida Maldonado de Landauer symbolisch den Schlüssel des Großprojekts. Letztere sprach von „einem Meilenstein im bayerischen Strafvollzug“.

Sechs Meter hohe Mauer


Charakteristisch für den geschlossenen Bereich der JVA ist die 250 Meter lange Magistrale, an der nördlich die Funktionsgebäude wie Verwaltung, Sport und Freizeit, Versorgung und Unternehmerbetriebe, und südlich davon die vier ypsilon-förmigen Unterkunftsgebäude mit den 609 Haftplätzen „angedockt“ sind.

Von dem sieben Hektar großen Grundstück werden sechs Hektar von einer mindestens sechs Meter hohen Mauer umgeben. Diese besteht aus rund 350 Stahlbeton-Fertigteil-Elementen. Vor der Mauer befindet sich im Innengelände zudem noch eine eiserne Umwehrung mit Stacheldraht.

Der Einzelhaftraum hat eine Größe von rund neun Quadratmetern. Darin befinden sich eine Toilette, ein Handwaschbecken, ein Bett aus Stahl sowie zwei kleine Kleiderschränke, ein Arbeitstisch, ein Ablageregal und eine Pinnwand. Pro Haftflur gibt es 18 Einzelhafträume sowie einen Mehrfachraum für bis zu drei Personen.

Die medizinische Versorgung umfasst haus- und zahnärztliche Behandlungen, Röntgenuntersuchungen und Endoskopien. Auch pflegebedürftige Häftlinge können in diesem Bereich untergebracht werden. Für Sport- und Freizeitaktivitäten stehen eine Turnhalle, ein Konditionsraum, Lehrräume und eine Bibliothek zur Verfügung. Weiter gibt es einen Mehrzweckraum für Veranstaltungen wie Gottesdienste oder Aufführungen.

Tag der offenen Tür


Derzeit wird der Vollzugsbetrieb mit rund 100 speziell ausgesuchten sogenannten Probe-Häftlingen durchgeführt. Am 21. und 22. November gewährt die JVA der Öffentlichkeit im Rahmen eines Tags der offenen Tür einen Einblick. Danach kommen die restlichen Gefangenen aus den Augsburger Justizvollzugsanstalten Karmelitengasse und Hochfeld nach Gablingen. Die beiden alten Standorte werden dann aufgelöst.

von Siegfried P. Rupprecht
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