Die Helfer hinter der 112: Bilanz der Berufsfeuerwehr

Nicht nur Menschen rettet die Feuerwehr: Im September 2015 brachten die Helfer einen Hund aus einer komplett verrauchten Wohnung. Der Vierbeiner atmete nicht mehr und hatte einen Herzstillstand. Gemeinsam mit dem Frauchen belebten die Retter das Tier erfolgreich wieder und brachten es zum Tierarzt. Foto: Berufsfeuerwehr Augsburg

Zu mehr als 5000 Einsätzen ist die Berufsfeuerwehr Augsburg im Jahr 2015 ausgerückt. Dabei stand gar nicht die Brandbekämpfung im Vordergrund, wie ein Blick in die Jahresbilanz zeigt.

"Wir fahren nicht 24 Stunden durch die Gegend und löschen Feuer", erklärt Branddirektor Frank Habermaier, der Leiter des Amts für Brand- und Katastrophenschutz. Tatsächlich sind nur 20 Prozent aller Einsätze klassisches Feuerlöschen. Der überwiegende Anteil entfällt auf den Bereich der technischen Hilfe (60 Prozent). Die übrigen Einsätze gehören zum Rettungsdienst.

Mit dem Verlauf des Jahres 2015 ist Habermaier weitgehend zufrieden. Die Katastrophen in Augsburg blieben aus. Und auch größere Brände gab es nicht viele. Überhaupt sei zwar die Anzahl der Feuer die vergangenen Jahre in etwa gleich geblieben, doch der Anteil an Großbränden nehme ab. "Meist sind es nur Kleinigkeiten", so Habermaier.

Ob großes oder kleines Feuer, als erste wissen darüber die Disponenten der Integrierten Leitstelle (ILS) Bescheid. Sie nehmen die 112-Notrufe aus Augsburg Stadt und Landkreis sowie den angrenzenden Landkreisen Aichach-Friedberg, Dillingen und Donau-Ries entgegen und sind damit für 890 000 Einwohner zuständig. Allein im Bereich der Notfallrettung organisierten die Mitarbeiter der ILS 121 000 Einsätze. In der Brandbekämpfung waren es "nur" 2200.

Bei ihren Einsätzen wurde die ILS auch international aktiv. So half sie im September 2015 einem verletzten Bergsteiger in Georgien. Der hatte per Satellitentelefon seinen Bruder angerufen, der sich wiederum per Notruf an die ILS in Augsburg wandte. Die richtige Entscheidung, wie sich herausstellte, denn die Disponenten setzten sich mit der georgischen Botschaft in Berlin und der deutschen Botschaft in Tiflis in Verbindung, kontaktierten die ILS Traunstein und die Schweizer Rettungsflugwacht. Knapp zwei Stunden nach Eingang des Notrufs in Augsburg wurde der verletzte Bergsteiger medizinisch versorgt, schon am nächsten Tag konnte er ins Krankenhaus geflogen werden. "Das beweist: Wir sind weltweit im Einsatz", kommentiert Habermaier diese Episode.

Einen anderen Tag im Jahr 2015 werden die Disponenten vermutlich nie mehr vergessen: "Am Donnerstag, 13. Mai, wurden die Gemeinden Stettenhofen und Affing von einem Tornado heimgesucht, der eine Schneise der Verwüstung hinterließ", hält die Berufsfeuerwehr in ihrem Jahresbericht fest. Die Naturkatastrophe stellte auch für die ILS eine besondere Herausforderung dar. Die Bilanz der Feuerwehr zu diesem Ereignis beginnt mit der positiven Feststellung, dass niemand in der Tornadonacht getötet worden sei, lediglich sieben Leichtverletzte habe es "wie durch ein Wunder" gegeben. Doch der Schaden, den die Feuerwehr aufzählt, ist jenseits der Vorstellungskraft: 220 massiv beschädigte Gebäude, 75 mussten abgerissen werden. 5500 Kubikmeter Schutt und Müll türmten sich auf, die Schadenssumme schätzt die Feuerwehr auf 100 Millionen Euro. Und doch enthält diese Bilanz des Schreckens eine positive Nachricht: Den 1500 professionellen Helfern von Feuerwehr, THW, Rettungsdienst und Katastrophenschutz standen 4500 zivile Helfer bei den Aufräumarbeiten zur Seite. 350 helfende Firmen beteiligten sich. Doch die Katastrophe blieb eine Ausnahme im Jahr 2015.

Sorgenvoll blickt Habermaier in die weitere Zukunft der Berufsfeuerwehr Augsburg. Die Personalsituation bereitet ihm Kopfzerbrechen. Zwar sind momentan alle Stellen besetzt, doch mit dem Jahr 2021 beginnt ein massiver altersbedingter Personalabgang. Jedes Jahr scheiden dann zwischen sieben und 14 Feuerwehrleute aus dem Dienst aus. "Mit ihnen geht viel Erfahrung", bedauert Habermaier.

Ob die Lücken auch wieder geschlossen werden können, sei nicht sicher. Momentan gebe es ausreichend Bewerber für den Dienst bei der Berufsfeuerwehr, doch ob das fünf Jahren noch genau so sei, kann Habermaier freilich nicht beantworten. Doch zumindest plagen ihn Zweifel.

Zum Verzweifeln bringt ihn dagegen der bauliche Zustand der 50 Jahre alten Hauptfeuerwache. Aus der Gebäudefassade brechen immer wieder ganze Brocken heraus und stürzen in die Tiefe. Bisher fand die Sanierung des Gebäudes keinen Platz im städtischen Haushalt. Ein Gutachten aus den Jahren 2007/2008 bezifferte die Kosten mit 4,5 Millionen Euro. Mittlerweile dürften es wohl eher 6,5 bis 7 Millionen Euro sein, spekuliert Habermaier. Damit ist aber nur die reine Betonsanierung gemeint. Der Amtsleiter hofft nur, dass die Sanierung noch zu einem Zeitpunkt angegangen wird, zudem sie bei laufendem Betrieb über die Bühne gehen könnte. "Ein Ausweichquartier für die Hauptfeuerwache anzumieten, dürfte am Ende teurer kommen als ein Neubau", warnt Habermaier.
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