"Es tut mir leid"- Fischacher Kämmerer wegen Veruntreuung in 57 Fällen vor Gericht

Der Kämmerer hatte schon vor der Verhandlung alle Vorwürfe eingestanden. (Foto: Sebnem Ragiboglu-123rf.com/ Symbolbild)

„Es war die schlimmste Entscheidung meines Lebens“, bewertet der Angeklagte die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. Der ehemalige Kämmerer der Marktgemeinde Fischach musste sich wegen der gewerbsmäßigen Untreue in 57 Fällen vor dem Amtsgericht in Augsburg verantworten. Anfang des Jahres war bei der Überprüfung von Unregelmäßigkeiten der Gemeindekasse aufgefallen, dass der Kassenwart mehr als 200 000 Euro auf sein eigenes Konto überwiesen hatte.

Hinter dem 42-Jährigen sitzt seine Ehefrau, sie ist wegen der gewerbsmäßigen Geldwäsche in über 400 Fällen angeklagt. Nachdem ihr bekannt geworden war, woher das Geld ihres Mannes kam, soll sie über 60 000 Euro für eigene Zwecke verwendet haben. Die beiden leben mittlerweile getrennt, die Ehe befände sich schon seit längerem in einem schlechten Zustand, erzählt der Angeklagte. Die massiven finanziellen Schwierigkeiten des Paares hätten alles nur noch schlimmer gemacht. Nach einem Streit mit den Eltern des ehemaligen Kämmerers hätten diese ihre bis dahin großzügige finanzielle Unterstützung eingestellt. Er hätte daraufhin „weder Ein noch Aus gewusst“, erzählt der 42-Jährige. Da er in seiner Position als Kassenleiter nicht großartig kontrolliert worden sei, sei es „relativ einfach“ gewesen, die Umbuchungen vorzunehmen. „Da wurde nie nachgefragt“, gibt er zu.
Um die Überweisungen zu verschleiern, hatte der Angeklagte ein Konto bei der Deutschen Kreditbank auf den Namen der Firma „Hauser“, welche Kanalarbeiten durchführt, eingerichtet. Die Gemeinde hatte zuvor bereits an diese Firma überwiesen, so waren die Zahlungen nicht weiter aufgefallen, schildert der Familienvater in einem ausführlichen Geständnis. Seine Frau habe ab August 2015 davon gewusst und ab diesem Zeitpunkt einen Großteil der Bestellungen und Barabhebungen vom betroffenen Konto getätigt.
Kurz nachdem die Veruntreuung des Geldes bei einer internen Prüfung der Gemeinde aufgefallen war, gab der Angeklagte die Überweisungen zu. Gemeinsam mit der Polizei erstellte er daraufhin eine Tabelle der Beträge und verhielt sich auch sonst sehr kooperativ, bestätigt der ermittelnde Beamte in seiner Zeugenaussage.
Der Richter verliest zudem einen Brief des Angeklagten an die Gemeinde Fischach, in dem er sich erneut zu der Tat bekennt und öffentlich entschuldigt. Der Angeklagte starrt währenddessen auf den Kugelschreiber in seinen Händen und nickt ab und zu bestätigend.
Anders als ihr Ehemann tut sich die Angeklagte mit einem Geständnis anfangs schwer. Die Anklageschrift habe sie gar nicht vollständig gelesen, gibt sie auf Nachfrage zu. Sie behauptet erst ab März 2016 Kenntnis von den Überweisungen gehabt zu haben, zudem will sie sich nicht darauf festlegen, welche Einkäufe sie mit dem gestohlen Geld getätigt habe.
Sie spricht schnell und ohne Pausen und scheint die Aufmerksamkeit immer wieder auf ihren Mann lenken zu wollen. Beispielsweise beschuldigt sie den 42-Jährigen, der sich von 2015 bis 2016 zeitweise in psychiatrischer Behandlung befand, sie massiv beleidigt, verletzt und sogar vergewaltigt zu haben. Vorwürfe, die der Angeklagte jedoch entschieden abstreitet.

„Vertrauen massiv missbraucht.“

Als weiterer Zeuge äußert sich der Bürgermeister Fischachs. Die Haftpflichtversicherung habe bereits einen Großteil des Schadens bezahlt, zusätzlich habe der Angeklagte 5000 Euro sowie dessen Onkel 20 000 Euro Schadenersatz entrichtet, berichtet er.
Wie das Handeln des Kämmerers so lange unentdeckt bleiben konnte, will der Richter von dem 62-Jährigen wissen. „Weil der Angeklagte das in ihn gesetzte Vertrauen massiv missbraucht hat“, antwortet dieser und die Enttäuschung steht ihm ins Gesicht geschrieben. Um einen solchen Vorfall in Zukunft zu verhindern, wird die Gemeinde ab sofort auf das „Vier-Augen-Prinzip“ setzen. „In so einer Weise hätte ich mir das nie vorstellen können“, gibt der Bürgermeister zu.
Auch der ehemalige Kämmerer sah die Ausmaße, die seine Handlungen mit sich brachten, nicht kommen. „Der Angeklagte hat alles verloren“, erklärt der Verteidiger in seinem Plädoyer. Anstatt eine angesehene Position in seiner Gemeinde zu bekleiden, arbeitet der Angeklagte nun im Paketversand und lebt bei seinen Eltern. Seine Kinder wohnen im Kinderheim und bei Pflegeeltern. Die Ehe ist zerbrochen, er hat mehrere Hunderttausend Euro Schulden auf das Wohnhaus und bei Kreditinstituten. Mildernde Umstände seien daher durchaus angemessen, erklärt der Anwalt. Zudem habe sein Mandant ein Geständnis abgelegt, sich kooperativ gezeigt und der Versicherung ein Schuldeingeständnis unterschrieben, um der Gemeinde den entstanden Schaden zu ersetzen.

Bewährung für Kämmerer und seine Frau

„Reinen Tisch bei so etwas zu machen, ist verdammt mutig“, deklamiert er und fordert eine Strafe von maximal einem Jahr und neuen Monaten.
Die Anklage gegen die 33-Jährige wurde zuvor auf den Tatzeitraum ab März 2016 und damit auf 150 Fälle der gewerbsmäßigen Geldwäsche beschränkt. Diese Vorwürfe hatte die Angeklagte auch eingestanden. „Etwas holprig, aber sie hat es eingeräumt“, formuliert es ihr Verteidiger und forderte zehn Monate für die zweifache Mutter.
Das Urteil wird bereits nach einer zehnminütigen Pause gesprochen und liegt jeweils einen Monat über den Forderungen der Verteidiger. Beide Strafen werden zur dreijährigen Bewährung ausgelegt.
Der Angeklagte muss zusätzlich eine Geldbuße von 4000 Euro entrichten. Seine Frau muss die von ihr ausgegeben 20 000 Euro zurückzahlen. Abzuleisten hat sie außerdem 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit.
Das Geld hätten die beiden zwar nicht von einer Privatperson genommen, aber: „Hinter der Gemeinde Fischach stehen die Bürger der Gemeinde Fischachs“ äußert sich der Richter zum Urteil.
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