Falscher Polizist und Altenpfleger in Augsburg: Urkundenfälscher erneut vor Gericht

Amtsgericht Augsburg verurteilt einen 47-Jährigen Urkundenfälscher zu einer Freiheitsstrafe. (Foto: tom_u 123rf.de)
Urkundenfälschung, Titelmissbrauch in mehreren Fällen und Betrug – diese Rechtswidrigkeiten legt die Staatsanwaltschaft dem 47-jährigen Tom W. (Name geändert) zur Last. Für das Gericht ist er kein Unbekannter: Er musste bereits in der Vergangenheit wegen zahlreicher Urkundenfälschungen mehrere Gefängnisstrafen verbüßen. Am Freitag musste er sich erneut vor dem Augsburger Amtsgericht verantworten. Im Mittelpunkt standen diesmal ein selbst erstellter Polizeiausweis und ein falscher Doktortitel.

Aufgeflogen ist der Schwindel im Juni 2015, als sich der Angeklagte – mit falschem Doktortitel und mit einer selbsterstellten Ausbildungsurkunde – zu einem Medizinassistenten bei einem Altenpflegeheim in Augsburg bewarb. Der 47-Jährige gab vor, ein von einem Bayerischen Roten Kreuz-Angestellten unterschriebenes Zertifikat zu besitzen. Spätere Ermittlungen ergaben jedoch, dass es den Unterschriftsteller gar nicht gab und der Name frei erfunden war. Der Beschuldigte war an zwei Tagen, am 9. und 10. Juni 2015, als Altenpfleger tätig. Am 12. Juni wurde das Arbeitsverhältnis mit sofortiger Wirkung beendet, da sich der Verdacht einer Dokumentenfälschung bestätigt hatte.


„Das ’Dr.’ steht für ’deutsches Recht“

Auf die Frage der Staatsanwältin, woher der Angeklagte den Doktortitel erworben habe, sagte er: „Das ist gar kein Doktortitel. Ich war früher selbstständig mit einem Bautenschutz- und Versicherungsunternehmen. Das ’dr.’ in meinem Namen steht eigentlich für ’deutsches Recht’ und wurde aufgrund meiner E-Mail Adresse versehentlich übernommen“. Später erzählte eine Zeugin, die ehemalige Arbeitgeberin des Angeklagten, dass er ihr während des Bewerbungsgesprächs erzählt habe, er habe den Doktortitel bereits vor 20 Jahren während seiner Laufzeit bei der Bundeswehr erworben.

„Er hat beim Bewerbunggespräch einen ganz guten Eindruck hinterlassen“, blickt die Zeugin zurück „Erste Zweifel tauchten bei mir auf, als ich ihn bat, mir seine Versichertenkarte zu geben, da diese notwendig für die Fertigstellung des Arbeitsvertrags sei. Er zögerte anfangs, doch als er sie hergab, sagte er, dass das ’Doktor’ falsch sei und ich es nicht beachten solle.“

Ein selbst ernannter Polizeihauptkommissar

Im Verlauf des Prozesses kam die Staatsanwältin auf weitere Betrugsdelikte, Titelmissbrauch und Dokumentenfälschung im öffentlichen Dienst, zu sprechen. Am 3. Juni 2016 soll sich Tom W. bei einer Fahrscheinkontrolle in der Buslinie 25 an der Haltestelle „Haunstetten Nord“ als Polizeihauptkommissar „Ralf Thomas Schiller“ aus München ausgegeben haben. „Er überreichte mir seinen circa DIN A-5 großen Polizeiausweis, als ich ihn bat, mir seinen Fahrschein vorzuzeigen“, berichtet der Fahrscheinkontrolleur, der als Zeuge geladen war. Ihm sei der Ausweis schon aufgefallen, vor allem weil W. auf dem Foto keine Uniform trug. Daraufhin habe der Fahrscheinkontrolleur sicherheitshalber den Namen und die polizeiliche Kennnummer aufgeschrieben und sei damit anschließend zum Polizeipräsidium gegangen. Die Beamten fanden heraus, dass es diesen Ralf Schiller nicht gibt.

Die weiteren Ermittlungen brachten die Polizei auf die Spur von Tom W. Bei der Hausdurchsuchung fanden die Ermittler auch zahlreiche Schriftstücke, auf denen W. den Doktortitel verwendete. Der Angeklagte selber behauptete, es handle sich bei dem vermeintlichen Polizeiausweis um seinen alten Firmenausweis. „Ich gebe zu, dass dieser einem Polizeiausweis sehr ähnlich sieht, aber die Kombination meines Firmenlogos und des Bayernwappens sind rechtlich nicht geschützt“, versuchte sich der dreifache Vater zu rechtfertigen. Warum auf dem Ausweis hingegen „Polizeihauptkommissar“ stehe, konnte er nicht erklären.

Tom W. war bereits wegen ähnlicher Delikte auf Bewährung: Insgesamt umfasst sein Vorstrafenregister 33 Einträge. So erhielt er diesmal eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten. Mit den Worten „Sie sind unbelehrbar. Wann lassen Sie endlich diese Spielereien?“, beendete der Richter die Verhandlung.
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