Feuer der Verzweiflung: 27-Jährige wegen Brandstiftung verurteilt

Die 27-jährige Lena M. (Name geändert) versuchte, sich vergangenen August in ihrer Wohnung in Oberhausen das Leben zu nehmen. Am Freitag wurde die geständige Frau deshalb wegen schwerer Brandstiftung schuldig gesprochen und zu zwei Jahren Bewährungsstrafe verurteilt. (Foto: Robert Wilson-123rf.de/Symbolbild)

Die 27-jährige Lena M. (Name geändert) versuchte, sich vergangenen August in ihrer Wohnung in Oberhausen das Leben zu nehmen. Am Freitag wurde die geständige Frau deshalb wegen schwerer Brandstiftung schuldig gesprochen und zu zwei Jahren Bewährungsstrafe verurteilt.

Wie sich in der Hauptverhandlung zeigte, war die Verzweiflungstat der Tiefpunkt eines von Rückschlägen und Enttäuschungen geprägten Lebens.
M. wuchs bei ihrer Mutter in Thüringen auf, zu welcher sich die Beziehung schnell als problematisch darstellte, zeichnete der psychologische Gutachter ihren Weg nach. Die ersten Verhaltensauffälligkeiten zeigten sich demnach im Grundschulalter, in der sich M. oftmals in Schlägereien mit Mitschülern verwickelte. Die Realschülerin, wechselte zur siebten Klasse auf die Hauptschule und wiederholte dieses Schuljahr dreimal. Erst im Alter von 13 Jahren, lernte M. ihren leiblichen Vater kennen, der bis zu diesem Zeitpunkt nichts von seiner Vaterschaft wusste. Zu diesem konnte sie nach ersten Startschwierigkeiten eine gute Beziehung aufbauen.
Wegen eigener Unzufriedenheit konsumierte sie gelegentlich Drogen und ritzte sich. Mit 13 Jahren war sie Mitglied in einer Wohngruppe und besuchte erstmals die Psychiatrie in Mühlhausen. Dieser Aufenthalt wiederholte sich im Alter von 14 Jahren und erst der dritte Psychiatrieaufenthalt mit 15 Jahren zeigte erste Erfolge.

Die darauffolgende Suchttherapie machte sie mit der Begründung, nicht zurück zu ihrer Mutter zu wollen. So zog sie als 16-Jährige zu ihrem Vater nach Heidelberg, holte dort ihren Abschluss nach und begann eine Ausbildung in der Gastronomie. Da ihr Vater mit ihren zwei jüngeren Halbschwestern in eine Wohnung nach München wechselte, beschloss sie ebenfalls in ihre Nähe nach Augsburg zu ziehen. Hier fiel es ihr jedoch sehr schwer, ein soziales Umfeld aufzubauen und auch die Arbeitssuche stellte sich als äußert problematisch heraus. Die Wohnung in Augsburg teilte sie sich mit einem Mitbewohner, in den sie sich später – unglücklich – verliebte. Nach seinem Auszug konsumierte sie verstärkt Alkohol.

„Ich war in sehr depressivem Zustand“, schildert M. ihre Gemütsverfassung am Tattag. In einem Telefonat versuchte sie das Verhältnis zu ihrer Mutter zu verbessern. Ihre Mutter wies den Annäherungsversuch aber zurück. „Ich wusste nicht, was ich machen soll“, beschreibt M. die Situation. „Ich dachte ich betrink mich jetzt. Dann ist das ausgeartet“, gibt sie die Brandstiftung zu.

Mit knapp 2,0 Promille intus fand sie unter den Putzsachen ihres Ex-Mitbewohners eine Flasche Spiritus und verteilte diesen in ihrem Schlafzimmer. An das Anzünden selbst, kann sich die Angeklagte nicht mehr erinnern. Ebenso wenig daran, wie sie aus der Wohnung gekommen war. Die nötigen Informationen hierfür, liefert ein Zeuge, der Eigentümer des Mehrfamilienhauses, dem Frau M. bereits einen Entschuldigungsbrief zukommen ließ. Gegen 18.55 Uhr hörte er in der Nachbarschaft „Feuer“-Rufe, woraufhin er sich in das Gebäude begab und an jede Wohnungstüre klopfte. Im Dachgeschoss traf er die Angeklagte, die ihm jedoch nicht aus dem Haus folgen wollte. Nur mit anderen Helfern gelang es, Lena M. aus dem Gebäude zu bringen, die sich am Treppengeländer festklammerte. Zwei Polizeibeamte mussten M. erneut zu Boden ringen, damit diese nicht zurück in das brennende Gebäude laufen konnte.

Der Schaden durch das Feuer ist immens, auf rund 600 000 Euro schätzen ihn die Sachverständigen. Bewohner des Hauses wurden nicht verletzt.
Seit der Tat befand sich die 27-Jährige in der Justizvollzugsanstalt in Aichach. Sie wird außerdem psychologisch betreut. Hier wurden Alkoholabhängigkeit, Alkoholvergiftung und Zeichen einer Borderline-Persönlichkeitsstörung festgestellt.
Richter Stefan Lenzenhuber verurteilte M. wegen schwerer Brandstiftung zu zwei Jahren Bewährungsstrafe. Die Bewährungszeit beträgt vier Jahre, in der die begonnene Therapie fortgesetzt werden muss. „Mir tut das alles sehr leid. Ich wollte nicht, dass das überhaupt passiert“, entschuldigte sich die Angeklagte. M. will zurück nach Heidelberg, wo bereits ein sicherer Arbeitsplatz auf sie wartet.
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