Friedberger erschlägt und zerteilt Ehefrau: Der Prozess beginnt am Dienstag

Die Staatsanwaltschaft unterstellt dem Angeklagten nicht nur ein, sondern vier Mordmotive: Habgier, Heimtücke, Grausamkeit und sonstige niedere Beweggründe. (Foto: Sebnem Ragiboglu-123rf.de)

Noch Tage vor der Tat schien für Außenstehende alles in Ordnung bei Horst K. und seiner Frau Grace. Im Internet präsentierten sie sich im sozialen Netzwerk als glückliches Paar. Sie berichteten öffentlich über Ausflüge, Grillabende und romantische Reisen, posteten Bibelsprüche. Grace K. teilte Koch- und Backrezepte mit der Community, zum letzten Mal am 27. November 2015. „Helferlein gegen Stress. Bin happy, weil die so schön geworden sind“, schrieb sie zu einem Foto mit Plätzchen. Drei Tage später war sie tot, erschlagen vom eigenen Ehemann.

Am Dienstag, 25. Oktober, beginnt in Augsburg der Mordprozess gegen den 53-jährigen Friedberger Horst K., der zunächst einmal über sechs Verhandlungstage binnen drei Wochen terminiert ist. Die Staatsanwaltschaft unterstellt dem Angeklagten nicht nur ein, sondern vier Mordmotive: Habgier, Heimtücke, Grausamkeit und sonstige niedere Beweggründe. Dass die Leiche zerstückelt wurde, kommt nicht erschwerend hinzu. Das, so zynisch das klingt, ist lediglich ein Verstoß gegen das Bestattungsgesetz und damit eine Ordnungswidrigkeit. Wie Verteidiger Rechtsanwalt Bernd Scharinger von Anfang an betont, sei sein Mandant vollumfänglich geständig, doch komme es ihm darauf an, nicht als Monster dazustehen. Eheprobleme sowie allgemeine private Probleme hätten den 53-Jährigen in eine psychische Ausnahmesituation gebracht. Geprüft werde deshalb eine verminderte Schuldfähigkeit: „Er ist nicht derjenige, der mit brutaler Vorarbeit zur Sache geht.“
Angeblich nahm Horst K. mehrmals das Ersparte des Paares, verschwand ins Ausland und kehrte erst zurück, wenn das Geld aufgebraucht war. „Ein Mann und seine Frau können in vielen Dingen unterschiedlicher Meinung sein. Wichtig ist, dass sie in einem übereinstimmen: Niemals aufgeben“, schrieb Grace K. auf ihrer Internetseite. Ihr Glaube gab ihr Kraft; das kinderlose Paar, das seit zehn Jahren verheiratet war, gehörte zu den Zeugen Jehova.
Am 30. November 2015 soll Computerfachmann Horst K. auf seine schlafende Frau mit einem eigens zuvor gekauften Hammer eingeschlagen haben. Als sie noch lebte, habe er ihr eine Plastiktüte über den Kopf gestülpt. Anschließend, so sagte er der Kripo, habe er die Leiche zerteilt, in Planen gewickelt und in Kisten verstaut, die er in das Lagerhaus am Martini-Park schaffte, wo er eine Fläche angemietet hatte.
Mitte Dezember erregte die Abwesenheit von Grace K. am Arbeitsplatz, an dem sich die beliebte Frau nicht meldete, den Argwohn einer ihrer Bekannten. Diese erstattete eine Vermisstenanzeige. Weil Horst K. Freunden und der Polizei sagte, seine Frau halte sich in ihrer philippinischen Heimat auf und sei dort nicht erreichbar, wartete die Polizei zunächst ab und löste keine Öffentlichkeitsfahndung aus. Erst Ende Dezember, Horst K. war mittlerweile nach Thailand gereist, übernahm die Kripo Augsburg den Fall. Die Ermittler durchsuchten die Wohnung des Paares in einem Friedberger Mehrfamilienhaus am Rothenberg und stießen auf Blutspuren. Am 8. Januar kehrte Horst K. nach Deutschland zurück, tags darauf klickten die Handschellen. Er gestand sofort und führte die Ermittler zum Versteck der Leiche.
Sein Verteidiger erklärte, Horst K. habe „den Wunsch, zu büßen“. Wie die Dinge liegen, dürfte er dazu ausreichend Gelegenheit bekommen. Wenn das Gericht gleich mehrere Mordmerkmale als erfüllt betrachtet, könnte es eine besondere Schwere der Schuld feststellen. Derart Verurteilte sitzen in Deutschland mindestens 20 Jahre im Gefängnis.
Auf den Philippinen leben drei Schwestern der Getöteten. Diese würden gern als Nebenklägerinnen dem Prozess vor dem Augsburger Schwurgericht beiwohnen. Für ihren Flug und die Unterbringung müsste im Fall einer Verurteilung Horst K. aufkommen. Doch dem Vernehmen nach haben die drei Frauen Probleme, Visa für Deutschland zu bekommen, weil die deutsche Botschaft in Manila überlastet ist.

Von Monika Grunert-Glas
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