Friedberger Panzerknacker vor Augsburger Gericht: Drei Angeklagte, ein Verurteilter

Vor dem Augsburger Gericht ging es am Mittwoch um den Diebstahl eines Tresors aus einer Friedberger Lagerhalle. (Foto: Symbolbild, tom_u-123rf.de)

Im Zweifel für den Angeklagten – diesem Grundsatz haben zwei mutmaßliche Safeknacker ihren Freispruch vor dem Augsburger Schöffengericht zu verdanken. Der Dritte im Bunde, ein 32-jähriger Bäckergehilfe, muss dagegen wegen gewerbsmäßigen Diebstahls für zwei Jahre und sechs Monate hinter Gitter. „Vor Tätern wie Ihnen muss die Allgemeinheit geschützt werden“, fasste Richterin Rita Greser zusammen.

Die angeklagten 33- und 29-jährigen Brüder aus Bosnien-Herzegowina hüllten sich von Anfang an in Schweigen. Der 32-Jährige ließ über seinen Rechtsanwalt Werner Ruisinger eine Erklärung verlesen, in der er die Tatbeteiligung gestand. Er konnte nicht leugnen, von ihm wurden am Tatort DNA-Spuren gesichert. Die zwei Mitangeklagten hätten nichts damit zu tun, behauptete er. Näher wollte er sich zur Sache nicht äußern.

Damit zog er sich gleich zu Beginn den Unmut der Staatsanwältin Julia Mayer zu, die mit einer Aussage auf Aufklärungshilfe gehofft hatte. „Mit dieser Einlassung liegen Sie bei mir weit über zwei Jahren, Sie stehen unter offener Bewährung“, fuhr sie den Angeklagten an, der sich jedoch nicht umstimmen ließ. Ruisinger sprang seinem Mandanten zur Seite: „Frau Staatsanwältin, mein Mandant hat sich genau überlegt, was er tut. Er hat Hafterfahrung und weiß, was mit Leuten passiert, die weitergehende Angaben machen.“

Tresor aus Friedberger Lagerhalle geklaut

Wie die hinlänglich bekannten Ganoven aus Entenhausen, die Panzerknackerbande, die es permanent auf den Geldspeicher von Onkel Dagobert abgesehen hat, wollten sich die Angeklagten ihr Geld leicht verdienen, was aber diesmal verdammt schwer war, genau 780 Kilogramm. Bei einem Einbruch in eine Lagerhalle im Friedberger Industriegebiet im Dezember 2015 hatten es die Angeklagten laut Staatsanwaltschaft auf den Tresor abgesehen. Da sie den Safe vor Ort nicht knacken konnten, transportieren sie ihn mit einem Sprinter ab.

„Das muss mehrere Stunden gedauert haben“, sagte ein Polizeibeamter aus. Jetzt kam ein vierter Dieb ins Spiel, der nach Ansicht des Gerichts Insiderwissen hatte. Er wurde zurück ins Lager geschickt, um den Tresorschlüssel zu holen. „Nur ein Insider kann wissen, wo der aufbewahrt wird.“ Wie der Hallenbesitzer aussagte, hatten die Täter nur den Tresor im Blick. „Kisten mit wertvollen Laptops und Handys haben sie nicht angerührt“. Im Geldschrank befanden sich etwas über 9000 Euro. Der angerichtete Sachschaden beläuft sich auf 1800 Euro.

Mit dem erbeuteten Tresor ging es dann ab in den tiefen Wald. Erst viel später wurde der Tresor von einer Jagdpächterin „jenseits jeglicher Zivilisation“ gefunden, erklärte ein Kripobeamter. Die gestohlenen Fahrzeugbriefe und Schlüssel waren noch drin.

Dieb gab Hinweise: Brüderpaar als Komplizen

Der 32-Jährige, so der Beamte weiter, habe in der Bredouille gesteckt. Er konnte die Tat nicht abstreiten, er hatte am Tatort eine Zigarettenkippe hinterlassen. „Er wollte unter keinen Umständen jemanden verraten, aber die Sache auch nicht völlig allein ausbaden“, erklärte der Ermittler. Der 32-Jährige habe daher Hinweise gegeben. So soll es sich bei seinen Komplizen um ein Brüderpaar handeln, mit dem er aufgewachsen sei. Die Männer wohnten angeblich im selben Ortsteil und die Kontakte stünden in seinem Handy, quetschte man aus ihm heraus. So gerieten die Mitangeklagten in den Fokus der Fahnder. Der Hallenbesitzer hatte jedoch ein anderes Brüderpaar in Verdacht. Sein Hinweis wurde allerdings nicht weiterverfolgt, „weil die die Tat abgestritten haben.“ Das kritisierte Verteidigerin Alexandra Gutmeyr.

„Es gibt keine vernünftigen Zweifel an der Mittäterschaft der Angeklagten“, betonte hingegen der Kripobeamte, räumte aber ein: „Ich kann aber auch nicht sagen, die waren es.“
Das reichte dem Gericht nicht für eine Verurteilung. „Ich glaube schon, dass Sie es waren, aber man kann es Ihnen nicht beweisen“, bedauerte die Staatsanwältin und beantragte Freispruch für die Brüder. Von dem ominösen vierten Täter fehlt jede Spur.

Verurteilter ist mehrfach vorbestraft

Der 32-jährige Bäckergehilfe, der jetzt für zweieinhalb Jahre hinter Gitter muss, ist bereits zehnmal vorbestraft, auch einschlägig. Räuberische Erpressung, Betrug, Körperverletzung und dergleichen mehr stehen in seinem Strafregister. Mit Einbrüchen finanzierte er den Lebensunterhalt für sich, seine Frau und die zwei Kinder.

Für Richterin Rita Greser ist der Angeklagte „dreist und äußerst kriminell. Wer die Gabe hat, einen so schweren Tresor in einen Transporter zu verfrachten, ohne Spuren zu hinterlassen, der hat Erfahrung“, erklärte sie. Auf den Weg ins Gefängnis gab sie dem 32-Jährigen mit: „Sie haben zwei kleine Kinder und nichts Besseres zu tun, als Stehlen zu gehen. Das macht uns fassungslos.“
(von Alfred Haas)
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