Junge Mutter setzte Neugeborenes aus

Gestern musste sich eine 21 Jahre alte Frau aus Bobingen vor Gericht verantworten. Sie hatte im vergangenen Juli ihr neugeborenes Baby ausgesetzt. (Symbolbild) Foto: Florian Handl

Gleich zum Auftakt der Verhandlung hat das Gericht die Öffentlichkeit für den Prozess gegen eine 21 Jahre alte Frau aus Bobingen (südlicher Landkreis Augsburg) ausgeschlossen. Die Frau stand vor Gericht, weil sie im Juli des vergangenen Jahres ihr Neugeborenes ausgesetzt hatte. Das Gericht verurteilte die Frau nach dem Jugendstrafrecht zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten.

Zu Beginn des Prozesses stellten die Verteidigung und die Jugendfürsorge den Antrag, die Öffentlichkeit aus dem Gerichtssaal auszuschließen. Das Gericht will die 21 Jahre alte Frau nach dem Jugendstrafrecht beurteilen. Die Anklage wirft der jungen Frau vor, dass sie billigend in Kauf genommen hätte, dass dem Kind etwas zustoßen könnte. Dass die Mutter den Tod des Babys in Kauf genommen hätte, das wirft die Staatsanwaltschaft der Frau nicht vor.

Die 21-jährige brachte das Kind zuhause allein auf die Welt. Noch in der selben Nacht wickelte sie den Jungen in eine Decke, deckte ihn mit einem Handtuch zu, setzte ihm eine Mütze auf und legte ihn in eine Sporttasche. Gegen 1 Uhr nachts legte die das Kind mit der Tasche vor dem Mehrfamilienhaus in Bobingen ab. Sie klingelte bei mehreren Anwohnern, verschwindet danach jedoch in der Hoffnung, dass man ihr Baby schnell finden würde.

In dieser Nacht betrug die Außentemperatur etwa 15 Grad Celsius. Es dauerte circa eine Stunde, bis ein Nachbar das weinende Kind hörte. Er verständigte die Polizei und das Kind konnte noch rechtzeitig versorgt werden. Der Arzt stellte keine Auffälligkeiten fest, zur weiteren Versorgung brachte man das Neugeborene in die Augsburger Kinderklinik.

Um das Findelkind hat sich in der Zwischenzeit das Amt für Jugend und Familie im Landratsamt Augsburg gekümmert. Der kleine Junge wurde vorübergehend bei Pflegeeltern untergebracht.

Die Polizei musste fast zwei Wochen ermitteln, bis sie die Mutter des Kindes fand. Hinweise aus der Bevölkerung brachten die Beamten auf die richtige Spur. Sie hatten Fotos der Gegenstände veröffentlicht, die bei dem Jungen gefunden wurden. Die Frau sagte aus, dass sie sich überfordert und zu jung fühlte, um die Verantwortung für ein Kind zu tragen. Sie hatte versucht, die Schwangerschaft vor ihrer Familie und ihrem Umfeld geheim zu halten. Außerdem soll sie in psychologischer Behandlung und auf Hilfe angewiesen gewesen sein. Warum sie dennoch ihr Kind ausgesetzt hat und nicht Angebote wie die Babyklappe in Anspruch genommen hat, damit musste sich das Augsburger Amtsgericht gestern befassen.

Die Rechtslage in diesem Fall ist komplex. Die Berufs- und Laienrichter des Schöffengerichts mussten abwiegen, ob die Mutter durch das Klingeln bei den Anwohnern dafür gesorgt hatte, dass das Kind schnell gefunden wurde. Das habe sie nicht, sie habe die Gesundheit des Kindes gefährdet und es dem Zufall überlassen, ob das Kind rechtzeitig gefunden wurde. Die Richter verurteilten die 21-Jährige schließlich zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten. Die Verteidigung hatte ein Jahr und drei Monate gefordert, die Staatsanwaltschaft zwei Jahre. Die Frau muss außerdem 80 Sozialstunden leisten und eine Psychotherapie machen. Dabei wurden auch die schweren Lebensumstände der Mutter berücksichtigt.

Inzwischen hat die Frau wieder Kontakt zu ihrem Kind. Der Junge lebt inzwischen bei den Eltern seines Vaters. Dort besucht sie ihr Kind regelmäßig und sie nimmt mit ihm an einer Krabbelgruppe teil. Die Vormundschaft für das Baby hat noch immer das Landratsamt Augsburg
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