Kann Vanessa-Mörder sich frei klagen?

Der Verteidiger des Mörders der kleinen Vanessa aus Gersthofen will nicht hinnehmen, dass sein Mandant weiter hinter Gittern bleiben muss. Jetzt fordert der Gerichtshof für Menschenrechte von der Bundesregierung eine Stellungnahme.

Ist die derzeitige Sicherungsverwahrung von Michael W, der die zwölfjährige Vanessa aus Gersthofen umbrachte, rechtens? Sein Münchner Rechtsanwalt Adam Ahmed sagt Nein. Daher legte er Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg ein. Die dortigen Richter haben nun von der Bundesregierung eine Stellungnahme zur Wegsperrung angefordert.

Michael W. hat seine Strafe abgesessen. Die Tat brachte dem heute 32-Jährigen die Jugendhöchststrafe von zehn Jahre ein. Doch in Freiheit ist er nicht. Im Februar 2012 begann vor der Jugendkammer des Landgerichts die Verhandlung über W.s Rückfallwahrscheinlichkeit. Dabei entbrannte ein heftiger Gutachterstreit. Die Staatsanwaltschaft sah bei Michael W. weiterhin eine hohe Wahrscheinlichkeit schwerster Gewalt- oder Sexualdelikte und damit eine Gefahr für die Bevölkerung. Zudem habe der Täter seine Tat bis heute nicht wirklich aufgearbeitet. Die Richter folgten dieser Ansicht und ordneten daraufhin im November 2012 für Michael W. die nachträgliche Sicherungsverwahrung an.

Darauf hin schaltete W.s Verteidiger den Bundesgerichtshof (BGH) ein. Die Karlsruher Richter verwarfen die Revision im Sommer 2013 als offensichtlich unbegründet. Damit war das Urteil des Landgerichts Augsburg rechtskräftig. Die Folge: Michael W. blieb weiterhin hinter Gittern.

Adam Ahmed, der mehrere Fälle von Straftätern vertritt, die in Sicherungsverwahrung sind, wollte sich mit dieser Feststellung allerdings nicht abfinden. Für ihn fehle für die Sicherungsverwahrung des Vanessa-Mörders nach verbüßter Haftstrafe die rechtliche Grundlage, betonte er mehrmals. Der Anwalt argumentierte, dass das rechtskräftig gegen seinen Mandanten verhängte Urteil nachträglich nicht auf der Basis eines neuen Gesetzes abgeändert werden dürfe.

Vanessa war ein "Zufallsopfer"


Zur Tatzeit war Michael W. 19 Jahre. Am Abend des Rosenmontags 2002 lief er mit einer Totenkopfmaske verkleidet durch die Gersthofer Straßen. Dann brach er in das Zimmer von Vanessa ein. Die Eltern des Mädchens besuchten zu dieser Zeit eine Faschingsveranstaltung in der nahe gelegenen Stadthalle. Michael W. tötete die Zwölfjährige mit 21 Messerstichen. Ihr Bruder schlief während der Tat ahnungslos im Nebenzimmer. Der Prozess ergab, dass Vanessa ein "Zufallsopfer" war.

Nach dem Urteil des Bundesgerichtshofs sprach unsere Zeitung mit dem Vater der Ermordeten, Erich Gilg. Bei diesem Gespräch bedauerte er, dass der Mörder seiner Tochter bisher nicht alles unternommen habe, seine Ungefährlichkeit zu beweisen. "Leider hat er den umgekehrten Weg gewählt", so Erich Gilg Ende August 2013. Michael W. habe jede Möglichkeit ausgeschlossen, Punkte in seiner Entwicklung zu finden, die für ihn sprechen. "Dies ist für mich ein eindeutiges Zeichen, dass hier noch extreme Gefährlichkeitspotenziale vorhanden sind, die auch nicht therapiert werden können und jederzeit bei entsprechenden Situationen in gleicher Gewaltbereitschaft und mit denselben Auswirkungen wie bei Vanessa ausgeführt werden", meinte Gilg.

Stellungnahme angefordert


Vor der nunmehrigen Entscheidung der Menschenrechtsrichter in Straßburg ist die Bundesregierung in der Pflicht. Der Europäische Gerichtshof hat von ihr eine Stellungnahme zur Sicherungsverwahrung von Michael W. angefordert. Diese muss bis spätestens 21. Januar in Straßburg vorliegen.
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